Auch Gratisparken bisher nur an Stromtankstellen

E-Kennzeichen ohne Vorteile

Wer ein Elektroauto hat, ist auf Stromtankstellen wie diese Schnellladestation im Laufer Industriegebiet angewiesen. Und davon gibt es ausreichend im Stadtgebiet, findet Bürgermeister Benedikt Bisping. Daher sieht er keine Notwendigkeit für zusätzliche Privilegien wie Gratisparken.
Wer ein Elektroauto hat, ist auf Stromtankstellen wie diese Schnellladestation im Laufer Industriegebiet angewiesen. Und davon gibt es ausreichend im Stadtgebiet, findet Bürgermeister Benedikt Bisping. Daher sieht er keine Notwendigkeit für zusätzliche Privilegien wie Gratisparken. | Foto: Sichelstiel2016/02/schnellladestation-elektro-bmw-friedrich-detail.jpg

NÜRNBERGER LAND (as) — Seit Ende September können Besitzer von Elektroautos und besonders umweltfreundlichen Hybridfahrzeugen ein sogenanntes E-Kennzeichen beantragen. Es soll für Vorrechte im Straßenverkehr sorgen, etwa kostenloses Parken oder das Benutzen von Busspuren. Doch entsprechende Regelungen muss jede Kommune einzeln erlassen – im Nürnberger Land fehlt es daran bisher. Wohl deshalb gibt es überhaupt erst zehn Autos im Landkreis, die den zusätzlichen Buchstaben E auf dem Nummernschild tragen.

Der Bürgermeister fährt einen Hybrid-Passat, das Bauamt ist vollelektrisch unterwegs, nämlich mit einem BMW i3, die Stadtwerke haben einen Elektro-Kleinwagen und das nächste umweltfreundliche Auto ist schon bestellt: Die Stadt Lauf setzt zunehmend auf Elektromobilität. Bürgermeister Benedikt Bisping ist stolz auf die insgesamt vier Stromtankstellen, die die Kommune betreibt, drei davon über die Stadtwerke. Und doch ist das von Verkehrsminister Alexander Dobrindt im September mit viel Tamtam eingeführte E-Kennzeichen in Lauf kein Thema. Weder sind die städtischen Elektroautos damit ausgestattet noch ist im Augenblick die Einführung von speziellen Privilegien im Zusammenhang mit dem E-Kennzeichen geplant.

Das Bundesverkehrsministerium stellt sich etwa kostenlose Parkgelegenheiten für Elektroautos vor – „hier decken wir aber den Bedarf mit den Stromtankstellen bereits“, sagt der Grünen-Politiker Bisping. In der Si­chart-, der Raiffeisen, der Saar- und der Urlasstraße können die Besitzer von Elektroautos ihre Wagen kostenlos laden. Da braucht es keine Gratisparkplätze etwa an der Nürnberger Straße, findet der Bürgermeister. Hinzu kämen die etwa von Unternehmen betriebenen privaten Stromtankstellen.

Kommunale Regeln fehlen

Matthias Bub, der Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt, bestätigt, dass das E-Kennzeichen im Landkreis „im Augenblick keinen Sinn macht“, da entsprechende kommunale Regelungen fehlten. Anders sei das in großen Kommunen. Tatsächlich parken zum Beispiel in Stuttgart und Hamburg umweltfreundliche Autos überall zum Nulltarif.

Unter das neue Elektromobilitätsgesetz fallen reine Batteriefahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge und Hybridautos, also Fahrzeuge, die einen Verbrennungsmotor mit einer Batterie kombinieren. Für Hybride gelten allerdings besonders strenge Grenzwerte. So dürfen sie zum Beispiel nicht mehr als 50 Gramm Kohlenstoffdioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Recht viele solche Wagen fahren im Nürnberger Land ohnehin nicht herum. Bei Bubs Behörde sind 81 reine Elektroautos, 274 Hybride und kein einziges von Brennstoffzellen angetriebenes Fahrzeug zugelassen. Seit Ende September so Bub, habe man insgesamt nur zehn E-Kennzeichen ausgegeben.

Neuzulassung ohne Aufpreis

Bei Neuzulassungen gibt es den Buchstaben E im Nummernschild ohne Aufpreis. Wer ein schon zugelassenes Auto hat, muss hingegen mit 30 bis 50 Euro Gebühr für die Beantragung rechnen. „Wir machen das bei der nächsten Neuzulassung“, sagt folgerichtig Laufs Bürgermeister.

Der Elektro-Smart, den die Mitarbeiter des Röthenbacher Rathauses nutzen, trägt übrigens auch kein E-Kennzeichen. Ebenso fehlen in Laufs Nachbarstadt, wo es zwei Stromtankstellen gibt, besondere Regelungen, die Elektroautos privilegieren. Wirtschaftsförderer Bastian Streitberger freut sich trotzdem über die umweltfreundliche Alternative zum Benziner oder Diesel: „Für Stadtgebiet ist der Smart super.“

Schon für Fahrten zur Regierung nach Ansbach hingegen setzen die Röthenbacher wegen der geringen Reichweite lieber auf einen normalen Dienstwagen. Streitberger: „Da muss man schauen, dass man hin und zurück kommt – und bei Stau ist das ein Risiko.“

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung