Landfrauentag in der Laufer Bertleinschule

Vielfältige Landwirtschaft

Bundestagsabgeordnete und Bäuerin Marlene Mortler hielt das Hauptreferat beim wieder gut besuchten Landfrauentag in der Laufer Bertleinaula.
Bundestagsabgeordnete und Bäuerin Marlene Mortler hielt das Hauptreferat beim wieder gut besuchten Landfrauentag in der Laufer Bertleinaula. | Foto: Braun2016/03/landfrauentag-mortler-rede-saalblick-1.jpg

LAUF — Die große Bandbreite der heimische Landwirtschaft und der Reichtum der fränkischen Kulturlandschaft waren das Thema beim diesjährigen Landfrauentag unter dem Motto „Vielfalt leben“ in der Aula der Laufer Bertleinschule.

Die Gesellschaft verändert sich und stellt immer neue Anforderungen an alle – auch an die Landwirte. „Wir Bauern haben manchmal das Gefühl, dass wir es niemandem mehr recht machen können“, sagte Kreisbäuerin Betty Schmidt bei der Begrüßung der vielen Landfrauen und Ehrengäste. Der immer größer werdende Anspruch der Verbraucher an Vielfalt und Qualität der Produkte stehe ganz und gar nicht im Einklang mit immer niedrigeren Preisforderungen, kritisierte sie.

Und obwohl ein Landwirtskollege kürzlich treffend gesagt habe: „Die Stimmung ist schlecht, die Lage noch schlechter“, wolle sie nicht lamentieren, sondern den Blick lieber nach vorne richten. „Hoffentlich geht es bald wieder bergauf“ und „Ohne uns ginge nichts“, sagte Schmidt und erntete dafür den Applaus der Anwesenden. Nun müssten die Bauern und natürlich die Landfrauen aber auch zeigen, was sie können und wie vielfältig sie sind.

Das unterstrich Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler, die in diesem Jahr das Hauptreferat hielt und einen Rundumschlag zum Thema „Vielfalt“ versuchte. Von den vielen Möglichkeiten, die Frau heute bei der Berufswahl hat, über die Freiheit bei der Partnerwahl zur Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, bis hin zu ihrer Rolle als Bundesdrogenbeauftragte schnitt sie unterschiedlichste Themen kurz an.

„Früher war nicht alles besser, aber vieles einfacher“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Und zwar ganz einfach deshalb, weil sowohl da Angebot als auch die finanziellen Mittel begrenzt waren. Heute habe man dagegen oft die Qual der Wahl, in einer Gesellschaft, in der man (fast) alles bekommen kann. Damit Vielfalt nicht überfordert, helfe es innezuhalten und nachzudenken. Traditionen und Rituale könnten dabei genauso hilfreich sein, wie eine Familie, die Rückhalt bietet. Eltern sollten ihren Kindern dabei helfen, bei all den Möglichkeiten ihren eigenen Weg zu finden.

„Vielfalt steht für die Freiheit, die wir heute in unserem Land haben, aber auch für die Verantwortung für uns selbst und unsere Mitmenschen“, so Mortler weiter. Deshalb sei es wichtig, auch Grenzen zu ziehen. Den Ruf nach 24-Stunden-Kitas und dem sogenannten „Social Freezing“ (Einfrieren von Eizellen) sieht Mortler dabei genauso kritisch wie notenfreie Zeugnisse an Schulen. Das Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft wie der unseren könne nur funktionieren, wenn alle sich an bestimmte Werte halten, sagte Mortler im Hinblick auf die Integration von Flüchtlingen.

Auch die Landwirtschaft im Nürnberger Land und die Arbeit der Bauern sei heute sehr vielfältig, kam sie zum Kern des Referats. „Bauern sind heute Spezialisten und Allrounder zugleich.“ Immer reichhaltiger werde das Angebot der produzierten Produkte, immer größer das Spektrum an „grünen Berufen“ – vom Fisch- und Forstwirt bis zum Gärtner und der Hauswirtschaftlerin. Auch auf den Bauerhöfen sei die Digitalisierung längst angekommen: Ochs und Esel sind längst hochmodernen Ackerbaugeräten und die Handarbeit dem Melk­roboter gewichen.

Auf die Palme bringt die Dehnbergerin, die auf einem Bauernhof groß geworden ist, den sie heute mit ihrem Mann betreibt, die „Schwarz-Weiß-Malerei“ im Vergleich von biologischem und konventionellem Landbau. Hier wünscht sie sich eine Versachlichung der Debatte. „Wir sollten alle Ideologien beiseite legen.“

Das gilt für Mortler offenbar auch beim Essen. Für vegane Ernährung, also den kompletten Verzicht auf tierische Nahrungsmittel hat sie wenig übrig: „Wir alle wissen doch, dass es die beste Medizin ist, sich vielfältig und möglichst regional zu ernähren.“

Loblied auf die Heimat

Zum Schluss sang Mortler noch ein Loblieb auf ihren Wahlkreis, der das Nürnberger Land und den Landkreis Roth umfasst. Dort gebe es so vieles zu entdecken: ob Museen, Kultureinrichtungen, traumhafte Landschaften, Schlösser und Burgen, innovative Firmen oder kulinarische Genüsse. Zu guter Letzt richtete sie ihren Dank an all die Menschen in der Region, die Vielfalt leben und dafür sorgen, das auch andere davon profitieren.

Auch in der Talkrunde, die von Landfrau Marlene Ramstöck (l.) und stellvertretender Kreisbäuerin Gerda Maußner(r.) geleitet wurde, ging es um Vielfalt: Gesprächspartner waren (v.l.) Landrat Armin Kroder, Manfred Göhring Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht, Pfarrerin Christiane Schlenk aus Leinburg, Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer und stellvertretender BBV-Kreis­obmann Siegfried Schmidt.
Auch in der Talkrunde, die von Landfrau Marlene Ramstöck (l.) und stellvertretender Kreisbäuerin Gerda Maußner(r.) geleitet wurde, ging es um Vielfalt: Gesprächspartner waren (v.l.) Landrat Armin Kroder, Manfred Göhring Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht, Pfarrerin Christiane Schlenk aus Leinburg, Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer und stellvertretender BBV-Kreis­obmann Siegfried Schmidt. | Foto: Braun2016/03/landfrauentag-talkrunde-ramstock-kroder.jpg

Bunt gemischt waren auch die Themen und Gesprächspartner der Talk­runde, durch die stellvertretende Kreisbäuerin Gerda Maußner und Landfrau Marlene Ramstöck führten. Landrat Armin Kroder betonte die Vielfalt des Landkreises, der Natur, Kultur und viele Freizeitangebote mit der Nähe zur Großstadt vereine – und das alles bei immer noch bezahlbaren Preisen. Die Aufgaben einer Landfrau seien vielfältig und umfassten viel mehr als nur Hausarbeit, betonte Bezirksbäuerin Christine Reitelshöfer, viele seien zudem berufstätig oder ehrenamtlich aktiv. Pfarrerin Christiane Schlenk aus Leinburg betonte, dass es bei all der von Gott geschaffenen Vielfalt auch Grenzen gebe. Und zwar da, wo die Freiheit und die Rechte anderer Menschen eingeschränkt würden.

Manfred Göhring von der Raiffeisenbank Altdorf-Feucht betonte, dass das Schönste an seinem Beruf der Umgang mit den vielen so unterschiedlichen Menschen in der Region sei und stellvertretender BBV-Obmann Siegfried Schmidt bekam tosenden Applaus für ein Liebesgeständnis an seine Ehefrau.

Musikalisch umrahmt wurde der Nachmittag von mehreren Liedern des Landfrauenchors unter der Leitung von Susanne Geb sowie Einlagen der „4 lustigen 5“, wie sich Julia, Melanie und Oliver Schmidt sowie Martin Pirner nannten – allesamt verwandt oder „so gut wie verwandt“ mit Kreisbäuerin Betty Schmidt.

N-Land Tina Braun
Tina Braun