27-Jährige drohte mit einem Messer

Schreck für die Mitarbeiter des Jugendamts

In diesem Zimmer im Containeranbau des Landratsamts in Lauf lief die Besprechung der Mitarbeiter des Jugendamts, in die die 27-jährige Frau mit einem Messer platzte.
In diesem Zimmer im Containeranbau des Landratsamts in Lauf lief die Besprechung der Mitarbeiter des Jugendamts, in die die 27-jährige Frau mit einem Messer platzte. | Foto: Kirchmayer2016/02/jugendamt-besprechungszimmer-messer.jpg

LAUF — Zwei Tage, nachdem eine 27-jährige Frau Mitarbeiter des Jugendamts am Laufer Landratsamt mit einem Messer bedroht hat, liegen die Hintergründe des Vorfalls noch im Dunkeln. Die Polizei hat gestern den ganzen Tag lang Zeugen befragt. Die Frau wurde in ein Bezirkskrankenhaus eingewiesen. Ob gegen sie ein Haftbefehl erlassen wird, ist noch offen.

Staatsanwaltschaft wie Landrats­amt halten sich in der Sache bedeckt und geben im Hinblick auf das laufende Verfahren nur spärlich Auskunft. Bekannt ist, dass die Frau am Dienstag um die Mittagszeit in eine Besprechung von Mitarbeitern des Jugendamts platzte und diese mit einem Messer sowie auch verbal bedrohte. Zudem soll die Frau eine Flüssigkeit verspritzt haben, die sie angeblich anzünden wollte. Den Mitarbeitern des Jugendamtes gelang es, die 27-Jährige zu überwältigen und die Polizei zu verständigen. Verletzt wurde dabei niemand.

Laut Auskunft von Pressesprecher Rolf List war die Frau den Mitarbeitern des Jugendamts bekannt. Sie soll, bevor sie in das Zimmer kam, bereits bei einer anderen Mitarbeiterin vorstellig geworden sein. „Die Frau war mit einer Maßnahme des Jugendamts nicht einverstanden“, sagt List. Näheres könne er aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht sagen. Nur so viel: „Wir sind eine staatliche Eingriffsverwaltung. Wir können den Menschen nicht immer geben, was sie von uns wollen. Und manchmal müssen wir ihnen auch etwas wegnehmen. Das ist unser tägliches Geschäft.“

Laut List war die Polizei in kürzester Zeit vor Ort. Auch Landrat Armin Kroder habe sich sofort um die Mitarbeiter gekümmert. „Wir sind dabei, die Geschichte mit all ihren Facetten aufzuarbeiten“. Die Mitarbeiter des Jugendamts hätten zudem jederzeit die Möglichkeit, sich psychologische Beratung zu holen.

Zeugen werden befragt

Auch gestern war der Tagesablauf am Laufer Landratsamt noch durch den Vorfall geprägt. Nachdem das Polizeipräsidium Mittelfranken die Ermittlungen am Morgen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth übergeben hatte, ordnete diese gegen Mittag weitere Zeugenbefragungen durch die Polizei an, um den Vorgang genau zu rekonstruieren.

Parallel dazu wurde im Landrats­amt darüber debattiert, ob die aktuellen Sicherheitsbestimmungen ausreichend sind. Das Jugendamt mit seinen 90 Mitarbeitern ist aktuell im zweiten Stock des Containeranbaus in der Waldluststraße untergebracht. Wie in jede andere Behörde am Amt haben Besucher dort freien Zugang. Einen derartigen Vorfall gab es nach Auskunft von List auch noch nie. Zugangsbeschränkungen wolle man deshalb vorerst nicht. „Bei über 800 Menschen, die täglich das Ämtergebäude besuchen, hätte das weitreichende Konsequenzen“. Für die Zukunft sei dies allerdings nicht ausgeschlossen.

Motiv ist noch unklar

Ob die 27-Jährige tatsächlich vorhatte, die Mitarbeiter des Jugendamts anzugreifen, ist offen, ebenso das Motiv. Dass es sich um eine Verzweiflungstat etwa aufgrund einer Inobhutnahme eines Kinds handelte, wollten weder List noch Staatsanwaltschaft bestätigen. Zum möglichen Tatwerkzeug, einem Messer, gibt es ebenfalls keine näheren Auskünfte und auch nicht dazu, ob es sich bei der versprühten Flüssigkeit tatsächlich um entzündliches Material handelte. „Das ist Teil der Ermittlungen – und die stehen erst am Anfang“, sagt Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke.

Die Frau, die von der Polizei als „offenbar verwirrt“ bezeichnet wird, wurde nach dem Vorfall in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen. Ermittelt wird wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Je nachdem, was die Untersuchungen ergeben, soll heute darüber entschieden werden, ob gegen die 27-Jährige ein Haftbefehl ergeht oder sie weiter in der Klinik untergebracht bleibt.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger
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