Veranstaltungen zum 700. Geburtstag des Regenten

Kaiser Karl bringt die Laufer Altstadt in Bewegung

Impressionen: Die Lauferin Marianne Endres hat die Kaiserburg in Aquarelltechnik festgehalten. So breit gefächert wie die Farben des Bildes sind auch die Aktionen im Karl-Jahr.
Impressionen: Die Lauferin Marianne Endres hat die Kaiserburg in Aquarelltechnik festgehalten. So breit gefächert wie die Farben des Bildes sind auch die Aktionen im Karl-Jahr. | Foto: Privat2016/01/wenzelschloss-aquarell-endress.jpg

LAUF — Die „Blaue Nacht“ in Nürnberg ist seit Jahren ein Publikumsmagnet. Im Karl-Jahr 2016 macht es die Stadt Lauf der Metropole nach und will die Bürger zur abendlichen Stunde auf die Beine bringen: Anlässlich des Kaisergeburtstages lädt sie am Samstag, 23. Juli, zur „Langen Laufer Kulturnacht“ ein. Live-Musik, Autorenlesungen, Filmvorführungen und vieles mehr rund um das bayerisch-tschechische Geburtstagsfest sollen die Laufer bis Mitternacht in die Altstadt locken.

Seit Monaten ist die „Lange Kulturnacht“ Thema im Kulturausschuss der Stadt. In der letzten Sitzung stellte der mit der Organisation des Karl-Jahres beauftragte Leiter des Laufer Ordnungsamtes, Benjamin Wallner, die bereits gesetzten Eckdaten des Kulturevents zum Kaisergeburtstag vor. Die Kulturnacht Ende Juli 2016 soll neben der Öffnung der Kaiserburg für Veranstaltungen das Highlight des Karl-Jahres für die Laufer werden. Dafür haben sich die Verantwortlichen ein spannendes Programm überlegt, das die zentralen Plätze der Altstadt einbezieht.

Angebot für Jugendliche

Bereits ab Mai gibt es im Pfründerhaus des Glockengießerspitals, dem ehemaligen Spital, die Graphic-Novel-Ausstellung „Alois Nebel: Leben nach Fahrplan“ zu sehen, die von einem museumspädagogischen Programm für Jugendliche und einem Workshop begleitet wird. Die tschechische Trilogie von Jaroslav Rudiš und Jaromír Švejdík erzählt die Geschichte des Fahrdienstleiters Alois Nebel an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze, den Albträume aus der dunklen Vergangenheit Europas und dem Zweiten Weltkrieg plagen. Die Comic-Novelle, die die deutsch-tschechische Vergangenheit aus dem Blickwinkel der jüngeren Generation beschreibt, erschien 2003. 2012 wurde sie ins Deutsche übersetzt und erfuhr große Aufmerksamkeit in den Feuilletons. 2013 gab es eine viel beachtete Verfilmung.

In der Langen Laufer Kulturnacht findet im Innenhof des Glockengießerspitals eine Lesung aus der Comic-Trilogie mit dem Nürnberger Publizisten und Schriftsteller Elmar Tannert und dem in Franken lebenden tschechischen Künstler Vaclav Gatarik statt. Dazu werden fränkische und tschechische Köstlichkeiten angeboten und Bier einer tschechischen Brauerei ausgeschenkt.

Auch die Stadtbücherei Lauf schaut auf Karl IV. aus einer anderen Per­spektive und zeigt an diesem Abend eine Ausstellung mit Originalgrafiken des Laufer Illustrators Klaus-Martin Grebe aus dem zum Karl-Jahr erschienenen Kinderbuch von Stadtarchivarin Ina Schönwald „Was machte Kaiser Karl IV. in Lauf?“. Dazu lädt der Künstler Jung und Alt zum satirischen Karl-IV.-Zeichnen ein.

Wissenswertes rund um den Regenten, in dem Fall eher traditionell historisch aufbereitet, vermittelt der ehemalige Laufer Stadtarchivar Ewald Glückert, der in einem Vortrag mit dem Titel „Ich wünschte nun, dass euch nicht unbekannt bliebe. Kaiser Karl IV. und seine Autobiografie“ das Leben Karl IV. beleuchten wird. Für die musikalische Begleitung sorgt die tschechische Sängerin und Spezialistin für mittelalterliche Musik, Hana Sar Blochová, die Lieder aus der Zeit Kaiser Karls IV. präsentiert.

Doch nicht nur historisch interessierte Besucher, sondern auch eingefleischte Mittelalterfans kommen an der „Langen Laufer Kulturnacht“ auf ihre Kosten. So begleitet ein historisch gewandeter Falkner, der einen Adler, einen Falken und einen Uhu mitbringt, das Karls-Programm in der Stadtbücherei. Die Kampfkunstschule „Schwert und Bogen“ zeigt im Innenhof des Glockengießerspitals historische Schwertkampftechniken aus der Zeit Karls IV. im ausgehenden Spätmittelalter.

Musikalisch steht die Lange Laufer Kulturnacht ganz im Zeichen der Völkerverständigung: Zum einen kommt die tschechische Formation „Manon meurt“ nach Lauf, deren Schwerpunkt melodischer Rock ist. Zum anderen hat die tschechische Band „Priessnitz“ aus Prag, die alternativen Rock im Gepäck hat, einen Auftritt. Interessant dabei: Hinter Frontmann Jaromir 99 verbirgt sich niemand anderes als der Erfinder und Zeichner der Grafic Novels um Alois Nebel selbst, Jaromír Švejdík.

Bei Konzerten in der Johanniskirche schlägt die Städtische Sing- und Musikschule einen musikalischen Bogen vom 14. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Etwas lauter und unkonventioneller wird es im Laufer Jugendzentrum, in dem, ebenfalls ganz im Sinne der Völkerverständigung, drei Bands aus Lauf, Nürnberg und Tschechien für das junge Publikum spielen.

Prag in Bildern

Im Industriemuseum sind die Erzählkünstler der „Frankenkralle“ zu Gast und begeistern Groß und Klein mit Geschichten über Kaiser Karl IV. und die Goldene Straße. Zudem zeigt Eike Wagner vom Laufer Filmclub seine Produktion „Prag – ein Bilderbuch“ und einen kurzen Film, der auf Ina Schönwalds Karl-IV.-Kinderbuch basiert.

An einem Info-Point in der historischen Roggenmühle können sich die Besucher zum Thema „Mühlen und Hammerwerke im Mittelalter und der frühen Neuzeit“ informieren und erfahren dabei auch viel Wissenswertes über die Zeit Kaiser Karls IV. Im Museumsgarten macht ein Schäferwagen mit Träumothek Station. Impro-Theater steht im PZ-KulturRaum auf dem Programm und auf einer Bühne am Schlossplatz zeigt das Dehnberger Hof Theater eine Ballett-Pantomime aus der Zeit Kaiser Karls IV. Seit geraumer Zeit schon sind die Theatermacher in der Vorbereitung für das Stück. Um Mitternacht wartet dann, so das Versprechen der Stadt, eine „feurige“ Überraschung, gesponsert von der Sparkasse, vor der Kaiserburg auf die Besucher der Laufer Kulturnacht. Was genau das sein wird, hat die Stadt bislang nicht verraten.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger
Banner-Gitarrenfestival_2016