Personalengpass ist vorbei

Geburtshilfe wird fit für die Zukunft

LAUF (ik) — Die Geburtshilfe des Laufer Krankenhauses steht vor einem Umbau: Das Belegarztsystem soll nach und nach durch fest angestellte Ärzte abgelöst und die Abteilung in den kommenden Jahren zu einer Hauptabteilung des Nürnberger Klinikums werden. Die Zukunft der Geburtshilfe ist damit gesichert. Auch die Personalsituation bei den Hebammen hat sich wieder normalisiert. Schwangere werden in Lauf rund um die Uhr versorgt.

Der erste Vorbote der neuen Ära der Laufer Geburtshilfe hat bereits seinen Dienst aufgenommen: Seit 1. Januar ist Klaus Wiegand am Laufer Krankenhaus als fest angestellter Oberarzt tätig. Der 48-jährige Mediziner ist Facharzt für Gynäkologie und war nach Stationen in Oberfranken zuvor mehrere Monate in der Geburtshilfe des Nürnberger Südklinikums beschäftigt.

Wiegand ersetzt nach dem Weggang von Belegarzt Zsolt Macsari im vergangenen Jahr den fehlenden dritten Facharzt in der Geburtshilfe des Laufer Krankenhauses. Von Montag bis Freitag ist der Oberarzt in Lauf vor Ort und bringt Babys zur Welt. Auch die Belegärzte Dr. Röhrer und Dr. Wottgen bleiben parallel weiterhin in der Laufer Geburtshilfe tätig. Die Zusammenarbeit zwischen den drei Ärzten soll laut Krankenhaus „eng“ sein, auch in Bezug auf die Nacht- und Wochenenddienste, die sich die Mediziner teilen. Mittelfristig aber wird das Belegarztsystem am Laufer Krankenhaus auslaufen, nämlich dann, wenn Röhrer und Wottgen in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. „Als Belegarzt wird wohl kaum noch jemand nachkommen“, fasst Geschäftsführer Dr. Michael Hitzschke die Situation zusammen. Das hat seinen Grund in der hohen Haftpflichtprämie, die in der Geburtshilfe tätige Mediziner genau wie Hebammen seit einigen Jahren zahlen müssen. Für niedergelassene Mediziner rechnet sich damit Geburtshilfe kaum mehr.

Damit der Standort Lauf nicht in eine ähnliche Situation wie im Sommer 2015 kommt, als die Kündigungswelle der Beleghebammen und die Kündigung des Belegarztes aufgrund der Haftpflichtprämien zur vorübergehenden Schließung der Geburtshilfe an den Wochenenden führten (die PZ berichtete), steuert die Nürnberger Krankenhaus GmbH nun beizeiten der absehbaren Entwicklung entgegen und setzt darauf, den Standort Lauf in den nächsten Jahren durch fest angestellte Mediziner zu sichern.

Der Umbau der Abteilung findet in enger Kooperation mit der Muttergesellschaft, dem Nürnberger Klinikum, statt und ist laut Michael Hitzschke als Bekenntnis zur Geburtshilfe in Lauf zu verstehen, die trotz der Schließung an den Sommerwochenenden ihre Geburtenzahl 2015 leicht steigern konnte, von 565 in 2014 auf 577 in 2015. Das Gesundheitsministerium hat Ende Dezember sein Plazet für das hauptamtliche System und damit zur Zukunft des Geburtsstandortes Lauf gegeben.

Noch steht der Umbau der Abteilung des Laufer Krankenhauses mit der Einstellung von Oberarzt Klaus Wiegand erst am Anfang. Mittelfristig soll die Geburtshilfe aber auch einen fest angestellten Chefarzt sowie Assistenzärzte bekommen. „Die Struktur wird nach und nach aufgebaut“, erklärt Hitzschke, der einen Zeitraum von etwa drei Jahren im Blick hat.

Anders als geplant hat sich nach der Personalkrise des vergangenen Jahres die Situation bei den Hebammen entwickelt. Entgegen den ursprünglichen Plänen, nach der Kündigungswelle vom Juli nur noch mit fest angestellten Mitarbeiterinnen zu arbeiten (die PZ berichtete), existiert am Krankenhaus weiterhin ein Parallelsystem aus fest angestellten Hebammen und Beleghebammen, das auch erst einmal bestehen bleiben wird. „Es gibt eine gute Zusammenarbeit“, betont Michael Hitzschke. Organisatorisch allerdings sei es für das Laufer Krankenhaus „nicht leicht“, beide Systeme unter einen Hut zu bringen.

Wie berichtet, hatten im vergangenen Sommer acht freiberufliche Hebammen wegen der deutlich gestiegenen Haftpflichtprämien gekündigt, nachdem sie sich mit der Geschäftsleitung nicht über höhere Zuschüsse hatten einigen können. Auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen nahm das Krankenhaus auch mit einem Fachkräftevermittlungsdienst Kontakt auf und stellte bereits zum Oktober drei Hebammen aus Italien ein, die derzeit noch eingearbeitet werden und vor allem Deutsch pauken. Die Anerkennung ihrer Abschlüsse durch die Regierung von Mittelfranken liegt bereits vor.

„Wir waren nicht das einzige Krankenhaus aus der Region, das in Italien fündig wurde“, so Hitzschke im Hinblick auf den Nachwuchsmangel bei Hebammen. Insgesamt sind aktuell wieder 14 Hebammen in der Laufer Geburtshilfe beschäftigt, so viele wie vor der Kündigungswelle. Neun sind fest angestellt, fünf arbeiten freiberuflich. Den anderen Mitarbeiterinnen der Laufer Geburtshilfe ist die Erleichterung über die positive Entwicklung anzumerken. „Wir sind sehr froh, dass wir wieder rund um die Uhr geöffnet haben. Die Schwangeren können jederzeit zu uns kommen“, fasst Fachkrankenschwester Gabriele Drube die Stimmung zusammen.

Finanziell allerdings wird es in den nächsten Jahren nicht leichter für die Laufer Geburtshilfe: Das neue Krankenhausstrukturgesetz, das zum Januar 2016 in Kraft getreten ist, fordert von den Krankenhäusern nämlich einen Mehrleistungsabschlag. Der gilt künftig auch für Geburten: Kommen in Lauf zu viele Babys auf die Welt, muss das Krankenhaus einen 15 prozentigen Abschlag auf seine Vergütung zahlen. „Das heißt natürlich nicht, dass wir künftig weniger Babys haben wollen“, betont Hitzschke.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung
Banner-Gitarrenfestival_2016