150 Asylbewerber nach Bamberg verlegt

Ausreise oder Abschiebung

Asyl
Foto: fotolia.com2015/12/Fotolia_88935772_Subscription_Monthly_M.jpg

NÜRNBERGER LAND — Rund 150 Asylbewerber vom Westbalkan, bisher in verschiedenen Unterkünften im Nürnberger Land untergebracht, werden ins Rückführungslager nach Bamberg verlegt. Kehren sie nicht freiwillig in ihre Heimatländer zurück, droht ihnen die Abschiebung.

Nach Auskunft von Rolf List, Sprecher des Landratsamts, betrifft die Verlegung Asylbewerber aus Bosnien, Serbien, Albanien, Montenegro und dem Kosovo, also aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten. Ihre Asylanträge werden in der Regel als „offensichtlich unbegründet abgelehnt“. List sagt: „Sie haben geringe Bleibechancen.“

Am Mittwoch begann die Behörde damit, die rund 150 Asylbewerber in verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften im Nürnberger Land einzusammeln, am Donnerstag will sie damit fortfahren. Der Sprecher des Landratsamts betont, dass kein Zwang angewendet wird, „aber wer nicht in den Bus steigt, bekommt hier keine Leistungen mehr“. Eine Woche hätten die Asylbewerber Zeit, sich in der Ankunfts- und Rückführungseinrichtung in Bamberg zu melden, die nun für sie zuständig sei. Dort werde das Asylverfahren beschleunigt durchgeführt.

Kritik an Bamberger Unterkunft

Kritiker sprechen darum von einem Abschiebelager. „Durch Isolation, Unterversorgung und die permanente Konfrontation mit den wöchentlich stattfindenden Abschiebungen sollen die Menschen zur freiwilligen Ausreise in die angeblich ‚sicheren‘ Herkunftsländer gedrängt werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Bayerischen Flüchtlingsrats.

Jutta Auernheimer, eine der Ehrenamtlichen, die sich um die Asylbewerber in den Laufer Unterkünften kümmern, sagt, dass die freiwillige Ausreise für viele Betroffene die bessere Alternative sei – denn wer abgeschoben werde, dürfe bis zu fünf Jahre lang nicht erneut einreisen. Dass sie nicht in Deutschland bleiben dürften, werde Asylbewerbern vom Westbalkan inzwischen schon früh klargemacht, „die Asylsozialberater sagen es ihnen“. Dennoch  flüchteten viele hierher, denn „vor allem Sinti und Roma leben im größten Elend“.

Das jetzt etablierte Verfahren lasse keinen Spielraum zu, „auf Einzelfälle wird nicht mehr eingegangen“. Nicht zum ersten Mal würden Aslybewerber nach Bamberg verlegt, zuletzt sei dies vor Weihnachten geschehen.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel