Neujahrsempfang 2016

Am Thema Flüchtlinge führte in Lauf kein Weg vorbei

Der Laufer Bügermeister Benedikt Bisping bei seiner Rede vor Gästen aus Politik und öffentlichem Leben in der Aula der Laufer Bertleinschule.
Der Laufer Bügermeister Benedikt Bisping bei seiner Rede vor Gästen aus Politik und öffentlichem Leben in der Aula der Laufer Bertleinschule. | Foto: Fischer2016/01/pz-113315_emfpanglauftotal3.jpg

LAUF — Beim Jahresempfang der Stadt Lauf am Freitagabend war Finanzminister Markus Söder mehr als einfacher Ehrengast. Mit seiner Rede mit bekannt kritischen Tönen zur Flüchtlingspolitik – ein wenig auch zum von ihm verantworteten Wenzelschloss und zum Karlsjubiläum – war der immer mehr als künftiger Ministerpräsident gehandelte Franke der Mittelpunkt der Veranstaltung. Dies war bestimmt auch Gastgeber, Bürgermeister Benedikt Bisping, und dem traditionellen zweiten Redner des Abends, Landrat Armin Kroder, klar, als sie in ihren Reden Kontrapunkte zu Söders Warnungen in der Asylproblematik setzten und sich überzeugt zeigten, dass die Hersausforderungen (noch) bewältigt werden können.

Nach den insgesamt über einstündigen Reden allerdings war es beim Empfang in der Berleinaula wie immer: Im Mittelpunkt der Gespräche unten den über 550 Gästen aus Politik, Gesellschaft und öffentlichem Leben bei Häppchen und Karls-Bier, standen weniger große politischen Debatten, als vielmehr lokale Themen und Projekte.

Ganz am Jubiläum zum 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. vorbei kamen allerdings die Wenigsten. Und dies nicht nur, weil von der „Neuen Lauffer Stadtpfeifferey“ mittelalterliche Klänge (zum ausführlichen Aritkel geht es hier) zu hören waren oder die Zukunft der Kaiserburg als europäische Bildungseinrichtung einen Schwerpunkt in des Bürgermeister-Rede bildete. Sondern auch, weil zahlreiche Gäste aus Tschechien angereist waren. Sie, wie Tereza Pochazkova aus Prag oder Zdenek Bednar und Petr Zahradnicek aus der potentiellen Partnerstadt Loket, bereiten in ihren Städten und mit Lauf die Jubiläumsfeiern 2016 vor.

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Neben dem 700. Geburtstag und der Burg bildeten die Flüchtlichproblematik und eine kleine Bilanz der Stadtpolitik in Lauf die beiden anderen Schwerpunkte in der Neujahrs-Rede von Bürgermeister Benedikt Bisping. Ausdrücklich bedankte sich das Stadtoberhaupt bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, die die derzeit über 400 Asylbewerber in der Stadt unterstützen. Und weil dies besonders viele Frauen machen, gab es für sie ein Sonderlob des Bürgermeisters. „Besinnen wir uns auf das Verbindende und sehen das Miteinander der verschiedenen Kulturen“, sagte Bisping, „ganz im Sinne des neuen Laufer Stadtpfarrer Hanstein, der hier eine Chance sieht, feste eingefahrene Strukturen im Land aufzubrechen.“

Natürlich gerate auch er, Bisping, angesichts der Ereignisse von Köln in Erklärungsnot. Er sehe aber seine Aufgabe auch darin, „darauf hinzuwirken, dass die Welle der Unterstützung von in Not geratenen Menschen und die gerade beginnende Integration nicht auf Grund des Fehlverhaltens Einzelner ins Gegenteil verkehrt wird“.

Weil Integration ja auch Bildung bedeute, würde sich Kaiser Karl IV. bestimmt freuen, wenn aus seiner Laufer Burg ein europäisches Bildung- und Begegnungszentrum würde, schlug Bisping den Bogen zum 1316 geborenen König und Kaiser Wenzel aus Prag. Weil diesem die wirtschaftliche Entwicklung seines Reiches am Herzen lag und er deshalb die Goldene Straße von Prag nach Nürnberg bauen ließ (heutige B14), kam Lauf zur Burg und die Stadt zu wirtschaftlichem Aufschwung.

In seine Bilanz zur Stadtentwicklung hatte er dann auch einige Nachrichten verpackt. Unter anderem, dass Thomas Sabo heuer sein neues Hauptquartier eröffnen wird. Dass die Gebäude von Döbrich und Heckel nach dem Umzug des Unternehmens nach Altdorf noch heuer abgerissen werden und die Firma Emuge hier neue Investitionen plant. Oder, dass sich für die Sanierung der Bertleinschule eine Finanzierungslösung abzeichne. Oder, dass sich Lauf auf die 28 000 Einwohnermarke zu bewege…

„Zuwanderung begrenzen“

Auch Minister Söder begann seine Rede, frei gehalten und zwischen ernsten Themen mit vielen Bonmots gespickt, mit einem Dank an die Helfer für Flüchtling. Aber nur, um umso schneller anzusprechen, worauf es seiner Meinung nach jetzt ankommt. Uns gehe es gut, weil Deutschland stabil sei, sagte er. Damit das so bleibe, reiche es nicht, ein großes Herz zu haben oder nur zu mahnen und zu kommentieren. Handeln müsse man jetzt und die Zuwanderung begrenzen. „Wenn nämlich die 10 oder 20 Millionen Menschen, die vermutlich auch auf Grund unseres Anreizsystems gerne zu uns kommen würden auch kommen, dann schaffen wir das nicht“. Dann rechnete Söder kurz vor, was man mit den 4,5 Milliarden Euro, die Bayern für die Flüchtlinge ausgibt, alles machen könnte. Und äußerte die Befürchtung, dass die Integration auf den Schultern der Schwachen ausgetragen wird. „Leistungskürzungen für eigene Bürger gefährden den sozialen Zusammenhalt“. Steuererhöhung hält Söder im Gegenzug allerdings für vollkommen falsch.

Und schließlich das Thema Sicherheit: Hier habe sich die Lage tatsächlich dramatisch verschlechtert, so Söder. Köln sei ein Zeichen dafür, dass die Entwicklung einer Parallelgesellschaft doch schon begonnen habe. Deshalb müsse, so lang es keine internationalen Lösung gebe, Deutschland auch erwägen, seine Grenzen wieder selbst zu schützen. „Menschen kommen doch zu uns, weil unser Land so ist wie es ist. Und ich will mich an dieser Stelle auch nicht ändern. Gäste müssen unsere Sitten und Gebräuche annehmen“. Der Minister forderte „keine Toleranz gegen Intoleranz“, „kein Verschweigen aus Angst vor Debatten“, Besonnheit und Ehrlichkeit aber auch Entschlossenheit „sowie die Rückkehr zur Vernunftkultur in Deutschland“.

Der Minister hatte natürlich auch etwas mitgebracht: 1. Den Förderbescheid für den Breitbandausbau in den Laufer Ortsteilen (der Freistaatbezuschusst den zwei Millionen Euro teuren Netzausbau mit 700 000 Euro). 2., die (nicht neue) offizielle Mitteilung, dass in das Wenzelschloss eine Million Euro investiert wird. Um es so fit und öffentlich zugänglich zu machen, damit eine Begleitausstellung als Teil der Landesausstellung zum Karlsgeburtstag gezeigt werden kann. Hier outete sich der Minister als neuer und großer Fan des Wenzelschlosse. „Nicht nur, weil es in Franken steht.“

„Wir schaffen das“

Drei Themen sprach auch Landrat Armin Kroder in seiner Rede an. 1. Das Karlsjubiläum und die Kaiserburg, für die er sich ein internationales Sprachenzentrum vorstellen kann. 2. Die Verhinderung der Stromtrasse und die Elektrifizierung der Bahnlinie rechts der Pegnitz und schließlich 3., die Debatte um die Flüchtlinge. Für seine Generation, so Landrat Armin Kroder, sei letztere die erste große Herausforderung und er sehe einfach nicht, dass man jetzt gleich umfalle, wenn der erste Wind wehe. Dabei müsse es allerdings eine Debatte um Leistungsfähigkeit geben. „Eine Diskussion, mit der wir uns quälen sollten und mit Bildern, die uns vielleicht nicht gefallen“. In der Debatte sollte man aber sachlich bleiben und vor allem differenzieren. Die Integration sei schließlich ein langer Weg, und der gehe gerade erst los.

Bürgermeister Bisping mit Ehefrau Lydia, 2. Bürgermeister Maschler, 3. Bürgermeister Lang. Bürgermeister Stahl aus Tirschenreuth durfte mit aufs Foto.
Bürgermeister Bisping mit Ehefrau Lydia, 2. Bürgermeister Maschler, 3. Bürgermeister Lang. Bürgermeister Stahl aus Tirschenreuth durfte mit aufs Foto.2016/01/pz-113322_empfanglaufbispingbuergermeister.jpg
N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer
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