Feier anlässlich des Holocaust-Gedenktags

KZ-Häftlingsnamen in der Stille

Der Schweigemarsch führte zur Statue im Rosengarten. | Foto: Herbert Schlittenbauer2017/01/L1000794.jpg

HERSBRUCK – Der nimmermüde „Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck“ schaffte es auch in diesem Jahr wieder, eine beeindruckende Feier anlässlich des Holocaust-Gedenktags zu gestalten. Diesmal stand das Schicksal der Hersbrucker Sintifamilien im Mittelpunkt.

Die Spitalkirche in Hersbruck war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der ökumenische Gottesdienst begann, nicht zuletzt auch durch die 40 angereisten Gymnasiasten mit ihren Lehrern aus einer Schule in Vigevano in der italienischen Provinz Pavia. Die Schüler hatten sich auf die Spuren von Teresio Olivelli, eines Häftlings, der im KZ Hersbruck ums Leben kam, begeben. So war es nur folgerichtig, dass sie auch an der Gedenkfeier am 27. Januar in Hersbruck teilnahmen. Auch Nachkommen von Sinti- und Roma-Familien, die seinerzeit in Hersbruck wohnten, waren anwesend.

Gegen das Vergessen riefen Jugendliche des evangelischen Dekanats von verschiedenen Stellen der Kirche in die Stille die Namen von gestorbenen KZ-Häftlingen und Deportierten. Wiederkehrende Namen waren Lehmann, Strauß und Höllenreiner. Daraus wurde schon erkennbar, dass zum Teil ganze Familien, oder zumindest große Teile von ihnen, unter der Herrschaft der Nationalsozialisten einfach ausgelöscht wurden.

„Für die Freiheit“
Aus ihren Lebensläufen wird klar, dass sie zwar ins Hersbrucker Alltagsleben eingebunden waren, ihnen aber dennoch ein grausames Schicksal widerfuhr. So wurde Rosa Lehmann am 8. März 1943 in Hersbruck festgenommen und verschleppt. Sie überlebte die Zeit in den Konzentrationslagern und starb vor zehn Jahren. Ihr Mann Josef kehrte ebenfalls aus dem KZ zurück. Das war die Ausnahme: Ihre beiden Kinder starben in einem Lager. Insgesamt wurden 15 Hersbrucker mit Namen Lehmann, Strauss, Höllenreiner und Schmitt deportiert, zwölf kamen ums Leben.

Pfarrer Thomas Wrensch wandte sich an die Zuhörer und rief: „Wir sind hier für die Freiheit!“ Er erinnerte damit auch an Teresio Olivelli, der sich einst für andere Häftlinge einsetzte, für die Freiheit kämpfte und dann selbst sein Leben lassen musste. Zur Einleitung war ein Grußwort einer Zeitzeugin vorgesehen. Doch die eingeladene Eva Franz, Vertreterin des Verbandes deutscher Sinti und Roma, war erkrankt. Für sie trat Peter Lehmann, der nach dem Krieg geborene Sohn von Rosa Lehmann, ans Mikrofon.

In deutlichen Worten berichtete er von dem Schicksal seiner gestorbenen Angehörigen und schilderte, unter welchen Umständen damals ein Überleben gelang. Er betonte jedoch, dass die Familie ihren Peinigern vergeben hätte. Er zitierte die in der Bibel verzeichnete Aussage von Jesu: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Er bat allerdings auch darum, Schmerz, Leid und die Opfer nicht zu vergessen.

Dekan Werner Thiessen sprach die einleitende Worte vor dem Fürbittengebet durch Peter Lehmann, Bürgermeister Robert Ilg, Rudolf Höllenreiner und Landrat Armin Kroder. Nach dem Aaronitischen Segen und einem Stück der Gruppe „Schlamasseltov“, die neben Ruth Barkowski an der Orgel für den musikalischen Rahmen sorgte, erklangen weitere Namen von Häftlingen in der Stille der Kirche.

Gedenktafel in Planung
Der Auszug erfolgte, es wurden Kerzen angezündet, und die meisten der Besucher begaben sich schweigend auf den Weg der damaligen KZ-Häftlinge zur Bocchetta-Skulptur im Rosengarten. Schüler und Familien aus Hersbruck und Happurg standen entlang des Weges und erhellten ihn durch Kerzen. An der Skulptur fand der öffentliche Abschluss für alle Interessierten statt.

Wrensch gab bekannt, dass der Verein die Errichtung einer Gedenkstele oder einer -tafel plant. In Zusammenarbeit mit der Stadt Hersbruck soll diese am 8. März 2018 eingeweiht werden. Zurzeit werden noch Informationen zu den Ereignissen am 8. März 1943 sowie auch für die Zeit danach gesammelt. Damals wurden die Hersbrucker Sinti-Familien nach Ausschwitz-Birkenau deportiert. Die Kollekte aus dem Gedenk-Gottesdienst wird für dieses Vorhaben Verwendung finden.

Pfarrer Wunnibald Forster von der katholischen Kirche, Wolfgang Rieker von der evangelisch-methodistischen Kirche sowie Konstantin Sporea und Titus Giannoulis von der griechisch-orthodoxen Kirche wirkten in dem Gottesdienst mit. Die evangelisch-freikirchliche Gemeinde sowie die Neuapostolische Kirche waren in die vorbereitenden Arbeiten eingebunden.

N-Land Marita Münster
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