Kneipen sollen schon um 3 Uhr schließen

Gegen friedliches Feiern – wie hier beim Altstadtfest – hat keiner was
Gegen friedliches Feiern – wie hier beim Altstadtfest – hat keiner was2012/05/5_2_1_2_20120505_KNEIPE.jpg

HERSBRUCK (jr) – Vor allem die Kneipen um das Scharfe Eck haben sich zu einem Treff für Nachtschwärmer entwickelt, allerdings mit Begleiterscheinungen wie Lärm bis in die Morgenstunden und Vandalismus. Der Hersbrucker Stadtrat will dem entgegensteuern. Dessen Hauptverwaltungsausschuss befürwortete einstimmig den Erlass einer längeren Sperrzeit, das letzte Wort hat nun der Gesamtstadtrat.

Bislang gibt es in Hersbruck keine Regelung, wann die „Schank- und Speisewirtschaften“ schließen müssen. Die Betriebe haben lediglich die in Bayern vorgeschriebene Putzstunde zwischen 5 und 6 Uhr einzuhalten. In dieser Spanne dürfen keine Gäste in den Gasträumen sein. Für das Altstadtfest wurde auf Anregung des Altstadtfestvereins im letzten November vom Kulturausschuss eine Sperrzeit ab 3 Uhr beschlossen.

Hersbruck hat offenbar ein interessantes Angebot für die Nächte, hob Bürgermeister Robert Ilg hervor. Allerdings bringt dies auch Negatives mit sich. Die Stadt biete Sonntag Früh an manchen Stellen ein unerfreuliches Bild, Glasscherben seien da noch das Angenehmste.

Deshalb soll die für das Altstadtfest getroffene Regelung nun ganzjährig gelten. Im Klartext: Sperrzeit in Hersbruck von 3 bis 6 Uhr. „Dadurch können wir den Zeitraum für spannende Erlebnisse zumindest eindämmen“, sagte Robert Ilg. Denn nach Darstellung der Polizei traten „Störungen“ meist erst zu fortgeschrittener Nachtzeit auf. 3 Uhr soll aber auch den Interessen der Wirte und der Kneipenbesucher gerecht werden.

Die Thematik veranlasste manchen Stadtrat zu einem kurzen Ausflug in die eigene Jugend, als die Sperrzeit noch um 1 Uhr nachts begann und nur die Diskothek Flowers auf der Hersbrucker Sartoriusinsel länger geöffnet war.

„Das Weggehverhalten der jungen Leute hat sich verändert, viele ziehen erst um 22 oder 23 Uhr los“, sagte Götz Reichel. Er bedauerte, dass die kürzeren Öffnungszeiten auch die vorbildlichen Betriebe trifft und nicht nur die „schwarzen Schafe“. Robert Ilg antwortete, dass die Stadt vergeblich andere Maßnahmen versucht hat. Zum Beispiel bekamen Wirte Ordnungsgelder, weil der Bereich vor ihren Kneipen mehrfach stark verschmutzt war.

Armin Steinbauer hakte bei den in der neuen Sperrzeitverordnung vorgesehenen Sperrzeitverkürzungen nach. Denn bei Vorliegen eines öffentlichen Bedürfnisses oder besonderer öffentlicher Verhältnisse kann für einzelne Betriebe die nächtliche Öffnungszeit verlängert werden. Armin Seinbauer nannte das Hersbrucker Sommerfest. Robert Ilg bestätigte, dass Ausnahmen möglich sind.

„Es ist traurig, dass durch die Unvernunft weniger die Verordnung notwendig ist“, sagte Alexander Pollmer. Gleichwohl müssen zwei Seiten, die schwer unter einen Hut zu bringen sind, berücksichtigt werden: die Nachtschwärmer und Gastwirte auf der einen, die Anwohner mit ihrem Bedürfnis nach Sicherheit und Ruhe auf der anderen.

Der Ausschuss stimmte mit 10:0 Stimmen für die neue Sperrzeitverordnung. Holger Hermann erkundigte sich, wann die 3-Uhr-Regelung gilt. Zunächst muss der Stadtrat endgültig entscheiden, kurz danach tritt die Verkürzung in Kraft.

Von den Wirten lag zur Sitzung nur eine Stellungnahme vor. Die Betreiber eines Restaurants am Nürnberger Tor protestierten gegen die Verkürzung. Sie befürchten ein Abwandern der Gäste in andere Orte und als Folge mehr leere Geschäfte in der Citta Slow. Außerdem fordern sie eine größere Präsenz der Polizei im nächtlichen Hersbruck. Dann wäre manch Gruppe, die grölend durch die Gassen zieht und Sachen beschädigt, „nicht mehr so mutig“.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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