Mitglieder stimmen für den Bau

Hersbruck: DAV-Kletterhalle kommt

So soll das Kletterzentrum Hersbruck aussehen. Die außerordentliche Mitgliederversammlung machte jetzt den Weg für den Bau der 1,2 Millionen Euro teuren Halle frei, die im September 2016 öffnen soll.
So soll das Kletterzentrum Hersbruck aussehen. Die außerordentliche Mitgliederversammlung machte jetzt den Weg für den Bau der 1,2 Millionen Euro teuren Halle frei, die im September 2016 öffnen soll.2015/11/Kletterhalle1.jpg

HERSBRUCK – Die Tür zum Hersbrucker Kletterzentrum ist weit aufgestoßen: In einer sehr gut besuchten außerordentlichen Mitgliederversammlung votierte die DAV-Sektion Hersbruck für den Bau der rund 1,2 Millionen Euro teuren Halle beim Schulzentrum.

„So voll war der Saal hier noch nie“, zeigte sich Vorsitzender Peter Dischner überwältigt vom Andrang im bis auf den letzten Platz gefüllten Nebenzimmer des „Grünen Baums“ in Kühnhofen. Mit rund 160 Besuchern war jedes zehnte Mitglied des größten Hersbrucker Vereins gekommen, um sich vom Kletterhallen-Projektteam um Heiner Stocker und Bernd Lindner Konzept, Pläne und Finanzierung des ehrgeizigen Projekts vorstellen zu lassen.

Bernd Lindner nannte zu Beginn dieses „besonderen Abends für die Sektion“ die bisherigen Meilensteine auf dem Weg zu einer eigenen Kletterhalle, die der DAV in Kooperation mit der Stadt Hersbruck, den Schulen und sozialen Einrichtungen betreiben will. Den ersten Anstoß lieferten Thomas Haas und Heiner Stocker 2010, zwei Jahre später beauftragte die Jahreshauptversammlung in einem grundsätzlichen Beschluss den Vorstand, die Planungen anzugehen.

Den „Durchbruch“ (Lindner) markierte schließlich der einstimmige Beschluss des Hersbrucker Stadtrats, das Vorhaben mit 150 000 Euro zu fördern – zugleich eine erste Belohnung für die „hoch-professionelle“ (Bürgermeister Robert Ilg) und kreative Arbeit der rund 25 Mitglieder umfassenden Projektgruppe. Anfang Oktober dann der nächste Meilenstein, als die Kletterhalle, die zwischen Hopfensiegelhalle und Bauhof entstehen soll, ins aktuelle Leader-Förderprogramm aufgenommen wurde.

Möglich wurde dies nicht zuletzt wegen des besonderen Ansatzes der Kletterhalle, die nicht nur den Mitgliedern als attraktive Trainingshalle offen steht, sondern auch dem Schulsport – Klettern ist als solcher in Bayern seit 1990 erlaubt und seit 2008 an Gymnasien Schulsportfach bis zum Abitur -, als Angebot der Ganztagesschule, für soziale Einrichtungen (Stichwort: Inklusion und Integration) sowie der Öffentlichkeit. Auch der Tourismus und die Gesundheitsregion profitiere von der Halle, sagte Lindner, ist Klettern doch auch eine anerkannte Therapieform der Physio-, Ergo- und Psychotherapie sowie der Neurologie.

Die Pläne für die 18 mal 16 Meter große und 15 Meter hohe Halle standen da ebenfalls schon. Neugierig und sehr interessiert begutachteten die Mitglieder die auf Stellwänden präsentierten Vorstellungen des Architektenehepaars Klaus und Marion Stocker. Neben der 500 bis 600 Quadratmeter großen Kletterfläche mit ihren bis zu 100 Routen auf rund 40 Linien haben die beiden auf drei Stockwerken ein Bistro (mit Blick in die Kletterhalle), eine Außenterrasse, Umkleiden, Schulungsräume, ein barrierefreies WC samt ebenerdigen Eingang vorgesehen.

Eine Besonderheit ist der rund 150 Quadratmeter große Boulderbereich (Klettern ohne Seil in Absprunghöhe) im zweiten Stock. „Den haben andere Hallen im Kreis nicht“, sagte Lindner. An der Außenfassade ist eine weitere Kletterwand vorgesehen, die 2017 angebracht werden soll, aber schon jetzt Fans findet: „Das ist vor allem im Sommer attraktiv, wenn ich nach einem langen Tag im Büro noch an der frischen Luft meinem Sport nachgehen kann“, sagt Jana Münzenberg, die beste Kletterin der Sektion neben Boulder-Ass Felix Knaub, der schon die legendäre „Action directe“ meisterte. Heiner Stocker stellte anschließend die Kosten und die weitgehend stehende Finanzierung des Millionen-Projekts dar. Zwei Drittel der Bausumme von 1,24 Millionen entfällt auf das Gebäude mit seinen 335 Quadratmeter Fläche und einem Volumen von rund 4800 Kubikmeter selbst, die restlichen 410 000 Euro fließen in die Ausstattung.

Die Finanzierung selbst steht nahezu. Neben den genannten Fördergeldern von der Stadt (150 000 Euro) und dem Leaderprogramm (200 000 Euro) fördert der Hauptverband des Deutschen Alpenvereins 7,5 Prozent der Summe (78 466 Euro). Die knapp 200 000 Euro an Mehrwertsteuer muss der DAV Hersbruck als Zweckbetrieb nicht bezahlen, fast 300 000 Euro bringt der Verein selbst auf (225 000 Euro über ein Darlehen, knapp 63 000 Euro aus dem Barvermögen). „Das Darlehen und die Betriebskosten erwirtschaftet die Halle selbst“, sagte Stocker. Und das nicht nur auf Grundlage der durchweg positiven Erfahrungen anderer Hallen, sondern auch „im von uns durchgerechneten worst case.“

So soll der erste Stock der Kletterhalle aussehen - mit Bistro, Terrasse und stolzen 500 Quadratmetern Kletterfläche. Quelle: M. Stocker
So soll der erste Stock der Kletterhalle aussehen – mit Bistro, Terrasse und stolzen 500 Quadratmetern Kletterfläche. Quelle: M. Stocker2015/11/Kletterhalle2.jpg

 

Weitere 160 000 Euro stammen von bislang fünf Haupt- und Premiumsponsoren: der Raiffeisenbank Hersbruck, Marmot (die beide dem Kletterzentrum seinen Namen geben werden), Fackelmann, Grötsch Energietechnik und die Baufirma Muggenthaler. Dem gesteckten Ziel, die Halle zu finanzieren, ohne den Verein zusätzlich zu belasten, „sind wir damit sehr nahe gekommen“, sagte Stocker. Die noch fehlenden 180 000 Euro teilen sich auf in die so genannten Klassiksponsoren (die ab sofort gesucht werden) und Spenden von Vereinsmitgliedern und Freunden der Sektion.

Für den stellvertretenden DAV-Vorsitzenden Dr. Jürgen Vollhardt (dem aus seiner langjährigen Arbeit als Notar nach eigener Aussage eine gewisse Skepsis zur zweiten Natur wurde) ein „sehr seriöses Finanzierungskonzept“, das vor allem zwei Anforderungen voll und ganz gerecht wird: Zum einen beeinträchtigt es die Arbeit in den anderen Abteilungen des größten Hersbrucker Vereins nicht und die Schulden können noch in „unserer Generation“ abgetragen werden.

Die noch fehlenden 180 000 Euro seien eine „ganze Menge Holz“ merkte er kritisch an. Allerdings hat der Verein noch die ein oder andere Stellschraube, um hier nachzujustieren, falls die Gelder ganz oder teilweise ausbleiben, wie Peter Dischner der HZ erklärte – so könne die Außenkletteranlage (rund 90 000 Euro) auch nachgerüstet werden, gleiches gelte für die Schulungsräume.

„Wenn Dr. Vollhardt sagt Daumen hoch, ist alles gesagt“, befand auch Robert Ilg das Finanzierungsprojekt für wasserdicht. Der Rathauschef lobte zudem die außergewöhnlich gute Vorarbeit der Projektgruppe um ihre „Lokomotive“ Heiner Stocker, die sich sogar Gedanken um Details wie Parkplätze, die notwendige Verlegung des Fußballkäfigs oder das Wegerecht gemacht habe.

Auch die Mitglieder waren von Konzept, Plänen und Finanzierung vollends überzeugt und stimmten bei lediglich zwei Enthaltungen begeistert für „ihre“ Kletterhalle. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2016 beginnen.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta