Eisenbahnbrücken sollen aus Eisen bleiben

Die über 100-jährigen Brücken im Pegnitztal will die BI in ihrem Aussehen erhalten. Die Bahn hat kein Problem bei Neubauten mit Betonauflage (hier Modell für Lungsdorf). Foto: S. Fuchs, Th. Knauber2012/01/5_2_1_2_20120126_AKTUELL.jpg

VELDEN (fu) – Die „Bürgerinitiative Eisenbahnbrücken Pegnitztal“ gewinnt deutlich an Fahrt. Zur jüngsten Versammlung im Gasthof „Traube“ kamen über 50 aufmerksame Zuhörer, die Verantwortlichen stellen mit einem informativ gestalteten Flyer und einem eigenen Internetauftritt ihr Anliegen einer breiteren Bevölkerung vor. Dank der Initiative des Artelshofener Schlossbesitzers Heinrich Bischoff erfährt die Gruppe fachliche Unterstützung durch eine renommierte Anwaltskanzlei.

Schon zur Begrüßung betonte Sprecherin Anneliese Urbat, dass der „Zug Pegnitztal“ noch lange nicht abgefahren sei. Man wolle mit den offiziellen Gremien, u. a. den Gemeinden, möglichst einen gemeinsamen Weg suchen, trotz notwendiger Sanierung die vorhandenen, aus dem 19. und 20. Jahrhundert stammenden Eisenbahnbrücken „in ihrer historischen Gestalt“ zu erhalten. Die Initiative begründet dies vor allem damit, wie im Flyer dargelegt, weil „Beton-Brücken“ nicht ins Landschaftsbild des Pegnitztals passten, sie Wahrzeichen und Denkmal seien, ein unverzichtbares Kapital für Heimatbewusstsein und Tourismus darstellten und ihr Abriss ein schwerwiegender Eingriff in das Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet bedeuten würde.

Kreisheimatpfleger Robert Giersch stimmte auf den Abend mit einer umfassenden Bildershow zum Bau, zur Geschichte und zum heutigen optischen Blickfang („El Dorado für Eisenbahnfans“) der knapp 20 in die Denkmalschutzliste aufgenommenen Eisenbahnbrücken zwischen Eschenbach bis Neuhaus ein.

Nach dem Einblick in die Brückenwelt des Pegnitztals meldeten sich die anwesenden vier Bürgermeister zu Wort. Sie wehrten sich nachdrücklich gegen den Vorwurf, sie würden wenig Interesse an der Erhaltung der Brücken zeigen.

Volker Herzog aus Vorra verwies auf die Stellungnahme der DB und die dort enthaltenen Begründungen. Mangels fachlicher Kenntnisse könne der Gemeinderat einem geplanten Brückenabriss weder zustimmen noch ihn ablehnen. Allerdings sehe er schon seit Jahren, dass die Eisenkonstruktionen zumindest optisch in einem schlechten Zustand seien.

Bürgermeister Josef Springer aus Neuhaus betonte, dass die Bahnstrecke als „Lebensader für tausende von Pendlern“ aus Neuhaus, Auerbach und darüber hinaus sehr wichtig sei und jegliche Verzögerung bei der Sanierung die Zugfahrer „auslöffeln“ müssten.

Auch Bürgermeister Werner Wolter aus Hartenstein war sich mit seinen Kollegen einig, dass die Züge weiterfahren müssten. Nicht nur für den Tourismus, sondern vor allem für die Berufspendler und als Standort für Industrie- und Gewerbebetriebe brauche man eine gut ausgebaute Verbindung. Herbert Seitz, Velden, befürchtete zudem durch Einsprüche gegen die geplanten Brückenneubauten lange Verzögerungen beim Rest-Ausbau der Staatsstraße vor Velden. Dies sei nicht im Sinne der Bevölkerung des Oberen Pegnitztals. Allerdings habe er das bei einem Informationsabend der Deutschen Bahn letzten Herbst vorgestellte Gutachten bislang nicht persönlich einsehen können.

Um dieses Papier ging es dann hauptsächlich in der von Georg Buchfelder geleiteten rund zweistündigen Diskussion. Kernaussage: Man müsse auf die Einsicht in dieses Gutachten bestehen. In Dutzenden von gut begründeten Wortmeldungen wurden die zahlreichen Argumente für und wider einen Brückenabriss bzw. eine „sanfte Sanierung“ ausgetauscht. So meinte u. a. Stadtrat Karl-Heinz Aschenbrenner, dass der Erhalt der Infrastruktur für die arbeitende Bevölkerung Vorrang haben müsse. Harald Enes und andere sprachen sich dafür aus, dass man die Maßnahmen differenziert betrachten müsse; soll heißen: Welche Brücke kann wie saniert werden und welche muss letztlich tatsächlich ganz erneuert werden.

Auch wurde angezweifelt, dass eine derartige Hauptstrecke überhaupt gesperrt werden könne, wozu es, wie bei der DB-Veranstaltung angedeutet, bei einer Verzögerung der Sanierungsmaßnahmen kommen könnte. Angesprochen wurden zudem die Verringerung der Lärmemission und die Kosten des Projekts. Kostengünstiger (wie die im Raum stehenden 100 Millionen) sei es wohl, jede einzelne Brücke auf Zustand und Sanierungsmöglichkeit zu überprüfen. Durch weniger belastende bauliche Eingriffe in diesen Streckenabschnitt seien zudem länger dauernde Vollsperrungen des Bahnverkehrs nicht notwendig.

Die ganze Diskussion werde „mit einer großen Unbekannten“ geführt, meldete sich abschließend der Artelshofener Schlossherr Heinrich Bischoff zu Wort. Denn keiner kenne den Inhalt des mehrfach zitierten Gutachtens. Da ihm, seit einigen Jahren im Pegnitztal wohnhaft, sehr am Erhalt der historischen Brückenbauten gelegen sei, habe er sich zunächst privat mit einem befreundeten Anwalt in Verbindung gesetzt, um eine sachliche Aufklärung zu erhalten. Dieser sei bereit, die Interessen der BI zu vertreten und Akteneinsicht beim Eisenbahnbundesamt zu betreiben.

Zwar sei das Planfeststellungsverfahren für zwei Brücken (bei Eschenbach und im „Fichtig“ bei Vorra) bereits gelaufen, aber für weitere 17 Überführungen lägen lediglich die Pläne vor. Bei deren öffentlicher Auslegung könne man diese nicht nur einsehen, sondern auch — mit fachlicher Unterstützung eines renommierten Anwaltsbüros — Stellung beziehen.

Nach diesem, für die BI erfreulichen Schlusswort gingen die Diskussionen im kleinen Kreis weiter. Dabei zeigten sich die Verantwortlichen vor allem mit ihrem Aufruf zur Unterschriftenaktion auf ihrer Homepage – www.bahnbruecken.info zufrieden, den bereits Dutzende von Bürgern genutzt haben.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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