Serie: Blick ins Atelier

Von der Arbeit mit einer Primadonna

Edel, fein und scheinbar federleicht: Auch solchen Tischschmuck töpfert Angelika Krauß. Foto: Ute Scharrer2013/04/5_2_3_2_20130413_KRAUSS.jpg

Wie entsteht eigentlich das, was in Ausstellungen, Vernissagen und Präsentationen gezeigt wird? Wo arbeiten die Künstler, woher kommen ihre Ideen und was haben sie sich dabei gedacht? In der neuen Serie „Blick ins Atelier“ schaut die HZ jeden Monat einem anderen Künstler über die Schulter: Darunter sind Maler, Body-Painter, Bildhauer und Keramik-Künstler.

VELDEN – Draußen nehmen die Autos mit Schwung die Nadelkurve der Veldener Ortseinfahrt, innen sirrt leise die elektrisch angetriebene Töpferscheibe. Fest und nachgiebig zugleich üben die Hände von Keramikerin Angelika Krauß Druck auf die formbare Porzellanmasse aus, bis ein zartwandiges Gefäß entsteht – Grundgefüge für die Vase „Tagliatelle“. Umwickelt mit Tonstreifen, die der gleichnamigen Pastasorte gleichen, wird sie Kunstobjekt und Blumenhalter zugleich sein.

Nur ein Handtuch auf dem Schoß schützt die dunkle Kleidung von Angelika Krauß vor den milchweißen Spritzern des Werkstoffs, lediglich die Hände sind beschmiert mit dem Brei aus Porzellan und Wasser. Er verhindert, dass die Vase beim Drehen auf der Scheibe an den Händen haften bleibt. Die wird Angelika Krauß später waschen und eincremen, denn das Arbeiten mit Ton oder Porzellan entzieht der Haut viel Feuchtigkeit. Das Tongefäß hingegen darf in aller Ruhe in der Wärme des Ateliers trocknen, bis es in der fulminanten Hitze des Brennofens bei 1230 Grad Celsius die Wandlung von ehemals weich über trocken-zerbrechlich zu hart und widerstandsfähig erfahren wird.

Diese Wandlung ist eine der Eigenschaften, die die Keramikerin an ihrem Material fasziniert, auch wenn es kapriziös und nicht leicht zu verarbeiten ist: „ Porzellan ist eine Primadonna mit hohen Ansprüchen“, lacht Angelika Krauß.

Ansprüche, denen sie offenbar genügen kann, denn das lichte und aufgeräumte Atelier, zugleich auch Verkaufsraum, birgt eine Fülle von filigranen Exponaten in schlichtem Cremeweiß. Da gibt es winzige, aus hauchdünnen Platten zusammengefügte Kästchen, in denen Gewürze, Kräuter oder Pralinen aufbewahrt und präsentiert werden können, und hohe, schlanke Vasen, an denen transparente Glasur wie dicker Kleber in schweren Tropfen nach unten rinnt. Bauchige Teelichthalter sind so dünnwandig, dass das Kerzenlicht nicht nur durch die klitzekleinen Löcher, die in die Hülle gestanzt sind, warm nach außen dringt – sie sind der Verkaufsschlager auf den Messen, Märkten und Ausstellungen, wo Angelika Krauß ihre Ware aus der Hand gibt.

Kommunikation ist wichtig

„Denn“ , so erzählt die energiegeladene Künstlerin, „nur die Herstellung genügt eben nicht!“ Ein Drittel Kunstschaffen, zwei Drittel Organisation und Kommunikation, so schätzt sie ihre Arbeitszeit ein. Messen müssen besucht werden, Läden vom Feilbieten ihrer Objekte überzeugt; Ausstellungsbeteiligungen zwingen zum Entwickeln neuer Ideen und bringen Renommee. Auch zwischen dem eher einsamen Arbeiten im Atelier und den Tagen, wo sie die Werkstatt mit Kindern und Jugendlichen aus dem Veldener Hort oder Kinderkursen füllt, besteht eine wechselvolle Dynamik. Doch mit Gegensätzen und Spannungen hat die Keramikkünstlerin keine Probleme.

Angst um ihre zerbrechlichen Exponate, die sich auf freischwebenden Glasregalen und Holztischen tummeln, hat sie auch nicht. „Die Kinder gehen ganz von selbst respektvoll und vorsichtig mit meinen Werkstücken um“, lobt sie und fügt hinzu: „Von Gegensätzen und Kontrasten leben meine Arbeiten“. Das gilt ganz grundsätzlich für den Übergang vom dynamisch-weichen Material ins statisch-harte Endprodukt, den Angelika Krauß gerne ersichtlich bleiben lässt, oder von den Kontrasten, die sich aus der Gestaltung ergeben: eine glatte Innenseite und eine raue Außenseite, durchscheinende und opake Oberflächen, Zufall und Kalkül. Denn die besten Arbeiten sind „nicht gemacht, sondern geworden“, betont Angelika Krauß und führt den Besucher zum Modell ihres nächsten großen Vorhabens: einen Kachelofen. Die Kreativität und Schaffenskraft der Künstlerin schlägt sich eben nicht nur in den kleinen Gegenständen des Alltags nieder, man kann sie auch im Großformat zu sich in die gute Stube holen.

Nutzen und Kunst

Und dabei immer die zusätzliche Qualität der Arbeiten von Angelika Krauß genießen, das Verwischen der Grenzen zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstobjekt, die fast schon ätherische Schönheit ihrer Artefakte, die eine Bindung mit praktischem Nutzen eingeht und damit ihrem Gebrauch eine ganz neue Komponente hinzufügen kann.

Das Atelier von Angelika Krauß liegt in der Nürnberger Straße 2 in Velden, nahe des Ortseingangs und kurz vor der Pegnitzbrücke. Ab April ist samstags zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet, weitere Termine, stets ohne Kaufzwang, können unter 0157/72488923 vereinbart werden. Zwei Tage des Offenen Ateliers sind am 4. und 5. Mai von 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen bietet die schön gestaltete Webseite unter www.krauss-keramik.de, dort finden sich aktuelle Termine wie Messen und Märkte gleich auf der Titelseite.Ute Scharrer

N-Land Alfred Eichhorn
Alfred Eichhorn