Boxen standen auch im Nürnberger Land

Mit Mückenfallen 
gegen das Zika-Virus?

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NÜRNBERGER LAND – In einer Großoffensive hat Brasilien der Tigermücke Aedes aegypti den Kampf angesagt. Neben der Aufklärung der Bevölkerung setzt das Land vor allem auf Insektizide, um besonders betroffene Gegenden auszuräuchern. Eine Mückenfalle, die auch im Nürnberger Land zum Einsatz kam, könnte ebenfalls Abhilfe schaffen.

Aus den Schlagzeilen ist das Thema zwar weitgehend verschwunden, aber eben nicht aus der Gefahrenzone: die Zika-Epidemie. Das Virus ist inzwischen in über 40 Ländern aufgetaucht, am schlimmsten betroffen ist Brasilien mit 641 nachgewiesenen Mikrozephalie-Fällen.

„Tigermücken sind besonders effiziente Krankheitsüberträger und ihr Lebensraum ist stark mit dem des Menschen verschränkt. Nur wenn alle Möglichkeiten der Mückenbekämpfung kombiniert werden, besteht eine Aussicht auf Erfolg“, sagt Dr. Andreas Rose, Vorsitzender der Regensburger Biogents AG. „Dazu gehört auch der Einsatz von wirksamen Stechmückenfallen.“

Darauf hat sich seine Firma spezialisiert: Die Fallen geben ungiftige menschliche Duftstoffe in einer hochattraktiven Form ab, sind speziell für Tigermücken entwickelt worden und fangen vor allem Mückenweibchen auf der Suche nach einer Blutmahlzeit.

Forschungslücke schließen

Diese Fallen kamen im vergangenen Jahr auch im Landkreis zum Einsatz. Bei diesem Projekt ging es nicht um den Zikavirus, sondern vielmehr darum, eine Forschungslücke zu schließen. Denn was das Thema Mücken in Deutschland angeht, ist der Wissenschaftsstand in den 1950-er Jahren hängengeblieben. Biologen starteten mit einem bundesweiten Projekt, um mehr über Art und Anzahl der Blutsauger zu erfahren. Die einzige Sammelstation für den Landkreis stand 2015 in Burgthann.

Drei Jahre lang, in der Vegetationsperiode von April bis Oktober, sammeln Biologen allein im Freistaat an 21 Standorten die Blutsauger. In diesem Jahr wird in den Wäldern nahe Heroldsberg nach Mücken gesucht.

87 Prozent weniger

Was in Deutschland der Forschung dient, kann in Mittel- und Südamerika Leben retten: Eine großangelegte Studie in Manaus, Brasilien, zeigte, dass die Mückenfallen besonders geeignet sind, die Anzahl von Tigermücken zu senken. In einer weiteren Studie konnten die Regensburger Experten zeigen, dass der Einsatz der Fallen die Anzahl der Mücken um 64 bis 87 Prozent verringert.

„Tigermücken sind gleichzeitig vorsichtig und aggressiv und deshalb ist es schwer, sich vor ihren Stichen zu schützen“, sagt Mücken-Experte Rose. Anders als ihre nachtaktiven Verwandten, die Anopheles-Mücken, die Malaria übertragen, sind Tigermücken tagaktiv. Dies hat zwei große Nachteile für den Menschen: Zum einen lassen sich Tigermücken nicht durch einfache Maßnahmen, wie dem Einsatz von Moskitonetzen, ausbremsen. Zum anderen müssen sie häufig stechen, weil sie meist vertrieben werden, bevor sie ihre Mahlzeit beenden können. Mit jedem zusätzlichen Stich erhöht sich aber die Gefahr einer Übertragung von Krankheitserregern. Zika-, Dengue- und Chikungunya-Viren breiten sich deshalb immer weiter aus, und ein effektiver Mückenschutz wird immer wichtiger.

So sehen die Stechmückenfallen auf, die auch im Kampf gegen Zika zum Einsatz kommen könnten. Im vergangenen Jahr stand diese Falle für ein deutschlandweites Forschungsprojekt in Burgthann.
So sehen die Stechmückenfallen aus, die auch im Kampf gegen Zika zum Einsatz kommen könnten. Im vergangenen Jahr stand diese Falle für ein deutschlandweites Forschungsprojekt in Burgthann. | Foto: Kappes2016/03/NL-stechmueckenfalle-zika.jpg

Die US-Gesundheitsbehörde Centers of Disease Control and Prevention 
(CDC) empfiehlt Biogents-Mückenfallen bereits als Überwachungsinstrument im Kampf gegen die Tigermücken.

Gefahr für Franken gering

Die Gefahr durch Zika für Deutschland schätzen die Biogents-Experten als sehr gering ein. Jedoch: „Gesicherte Daten, ob die asiatische Tigermücke in Deutschland fähig wäre, das Zika-Virus zu übertragen, gibt es nicht“, sagt Diplom-Biologin Ingeborg Schleip.

Auch wenn die asiatische Tigermücke den Forschern auch in Deutschland ins Netz geht, kommt sie immer noch sehr selten vor. Noch ist sie nicht heimisch und wird nur sporadisch durch den internationalen Verkehr eingeschleppt – und nicht sie schleppt das Virus ein, sondern infizierte Reiserückkehrer. „Die asiatische Tigermücke könnte nur eventuell der Überträger sein“, sagt Schleip.

N-Land Kai Mirjam Kappes
Kai Mirjam Kappes
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