„Chris B“ überraschte mit gut durchmischtem Programm

High-Speed-Piano im Keller

Christian Jung (2.v.r.) mit seinen vielseitigen Kollegen beim gelungenen Jazzer-Frühschoppen im Keller der Burg. Foto: Spandler2016/02/Burgthann-chris-b-2.jpg

BURGTHANN – Von Rock‘n‘Roll über Swing und Blues bis hin zu modernen Jazz-Anklängen – ein Parforce-Ritt durch die Genres kann gelingen, wenn sich die richtigen Musiker zusammenfinden. Das hat am Sonntagvormittag beim Frühschoppen in der Burgthanner Burg geklappt, als „Chris B“ mit seinem Quartett in der Burg vorstellig wurde.

Mal entspannt-fröhlich, mal melancholisch-nachdenklich, high-speed-mäßig oder mit gewagteren Jazz-Soli, die Vier schafften eine glückliche Jonglage zwischen allen Stilen, und irgendwie schienen sie in allen bestens zu Hause zu sein. Bandleader Christian Jung am Piano moderierte die einzelnen Nummern dezent und locker, kündigte die Standards an oder erklärte, unter welchen Bedingungen die selbst komponierten Nummern entstanden.

Wahnwitzige Läufe

Das Publikum stieg bereits beim ersten der drei Sets mit ein und honorierte die wahnwitzigen Läufe am Keyboard oder die fantastischen Ausflüge Richtung Jazz von Markus Rießbeck am Saxofon oder an der Klarinette mit freundlichem bis frenetischem Applaus.

Trotz kleiner Aussteuerungsprobleme beim Bass oder mit dem Hall beim Gesang klangen die Songs rund, und das Programm bestach einfach durch seine Vielseitigkeit. Der junge Drummer Jens Liebau mochte für manche Ohren etwas zu laut erschienen sein, in der Combo sorgte er aber für den passenden Drive. Bei „Adrienne und Adrienne“ im zweiten Set erhielt er Gelegenheit, alle Register zu ziehen und zu zeigen, wie abwechslungsreich, kraftvoll und auch gestalterisch Schlagzeugspielen sein kann.

Sommerleicht und verträumt

In der sommerleichten, verträumten Eigenkomposition „Just be“ im Bossa-Stil (Jung: entstanden auf einer Dachterrasse beim Sonnenuntergang in Portugal) zog auch Bassist Marco Kühnl ordentlich vom Leder mit einem Solo am Bass, das das gesetzte Publikum immerhin zu lautstarkem Zwischenapplaus hinriss.

Ganz in seinem Element erleben konnte man Pianist Jung allerdings, wenn er sich in die schnellen Boogie-Nummern stürzte und das Publikum schwindlig spielte, wie in „I‘m gonna tell my Mama“. Sein manchmal leicht näselnder Gesang passt am besten zum Blues, doch der gute alte Rock‘n‘Roll ist sein Metier am Piano, je schneller je besser. Gut, dass Saxer Rießbeck hier immer wieder einen Kontrapunkt setzte und sich auch mal abseits der repetitiven Schemen mit leicht schrägen Soli improvisatorischen Freiraum schuf. G.S.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler