TenneT sagt Teilnahme an Informationsveranstaltung überraschend ab

Netzbetreiber meidet Konfrontation mit Bürgern

In Ezelsdorf verläuft die Hochspannungstrasse, die von 220 auf 380 kV hochgerüstet werden soll, wie in Postbauer-Heng und in Winkelhaid, quer durch Wohngebiete. Anlieger hatten sich von TenneT Auskunft darüber erhofft, wie die Hochrüstung vonstatten geht, wann der Bau beginnt und ob es Pläne für eine Herausnahme der Trasse aus den Orten gibt. Der Netzbetreiber verweist jetzt aber darauf, dass es frühestens Ende dieses Jahres konkretere Informationen geben kann. Foto: Blinten
In Ezelsdorf verläuft die Hochspannungstrasse, die von 220 auf 380 kV hochgerüstet werden soll, wie in Postbauer-Heng und in Winkelhaid, quer durch Wohngebiete. Anlieger hatten sich von TenneT Auskunft darüber erhofft, wie die Hochrüstung vonstatten geht, wann der Bau beginnt und ob es Pläne für eine Herausnahme der Trasse aus den Orten gibt. Der Netzbetreiber verweist jetzt aber darauf, dass es frühestens Ende dieses Jahres konkretere Informationen geben kann. Foto: Blinten2016/02/Stromleitung-ezelsdorf1.jpg

ALTDORF – Überraschender Schwenk des Netzbetreibers TenneT: Nachdem das Unternehmen über fünf Wochen an seiner Zusage festhielt, am Freitag in Altdorf über seine Netzausbaupläne zu informieren, sagte es jetzt völlig überraschend den einladenden Bürgerinitiativen ab.

Grund der Absage: In Flyern würden die BIs Stimmung machen gegen neue Stromtrassen. Unter anderem werde mit der Höhe der Strommasten und der Größe der Mastenfundamente Widerstand gegen die Ausbaupläne geschürt. Diese Befürchtungen nannte TenneTs Unternehmens-Kommunikator Marius Strecker im Telefongespräch mit Hubert Galozy von der Leinburger Bürgerinitiative.

TenneT-Pressesprecher Markus Lieberknecht verweist gegenüber dem Boten darauf, dass man zuerst davon ausgegangen sei, in Altdorf in einem kleinen Kreis zu informieren: „Wie an einem Stammtisch.“ Mit der jetzigen großen Veranstaltung fühle sich TenneT überrumpelt. Außerdem sei in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt worden, als sei Tennet die einladende Institution. Weil das so nicht gehe, habe man erstmals überhaupt für eine Info-Veranstaltung kurzfristig abgesagt.

„Maßlos enttäuscht“

„Wir sind maßlos enttäuscht“, so Hubert Galozy, Mitorganisator der geplanten Veranstaltung. Warum die Absage jetzt so kurzfristig erfolgte, ist den Aktivisten der BIs ein Rätsel, weil die inkriminierten Flyer schon seit längerer Zeit als Infomaterial ausliegen bzw. auf der Webseite der Bürgerinititiven einzusehen sind.

Den Vertretern der Bürgerinitiativen stößt auch sauer auf, dass TenneT sich mit seiner Absage zuerst an die Bürgermeister der von den Trassenplänen betroffenen Kommunen wandte – und nicht an die BIs, die ja zu der Infoveranstaltung eingeladen hatten.

Altdorfs 2. Bürgermeister Ernst Bergmann vertritt derzeit den urlaubenden Rathauschef Erich Odörfer und erhielt einen Anruf von TenneT, dass man nicht an der Veranstaltung am Freitag teilnehmen werde.

Die Mitarbeiterin des Netzbetreibers teilte Bergmann mit, dass es derzeit keinen neuen Stand bei den Planungen gebe und man sich deshalb entschlossen habe, nicht nach Altdorf zu gehen.

Sie verwies aber darauf, dass man in etwa einem halben Jahr durchaus eine Infoveranstaltung mit dann belastbaren Fakten durchführen könne.

Trotzdem: Der jetzige Rückzieher, drei Tage vor der Veranstaltung, sei doch sehr verwunderlich, so Bergmann. Die Bürgermeister und Landrat Armin Korder haben einen Informationsvorsprung vor der Bevölkerung. Mit ihnen hat TenneT am 9. Dezember im Landratsamt über seine Pläne gesprochen – und hätte jetzt im Altdorfer Sportpark am Freitag die Möglichkeit gehabt, auch die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis zu setzen.

In Winkelhaid, Ezelsdorf oder Postbauer-Heng, überall da, wo die von 220 kV auf 380 kV hochzurüstenden Trassen quer durch die Wohnbebauung laufen, wollen die Leute wissen, wie es denn weitergeht. Tennet hat wie berichtet den Netzausbau in der hiesigen Region von Amprion übernommen. Die Infoveranstaltung im Altdorfer Sportpark wäre die erste Information des Unternehmens nach der Übernahme gewesen.

Derweil gibt es Signale, dass die hochgerüsteten 380-kV-Leitungen nicht mehr durch Wohngebiete führen werden. Tennet-Sprecher Lieberknecht hat im Gespräch mit dem Boten darauf hingewiesen, dass man mit erheblichem Widerstand in den betroffenen Ortschaften rechnet.

Deshalb seien die 380-kV-Leitungen in Wohngebieten wohl kaum durchzusetzen, weshalb die Wohnbebauung mit neuen Trassen umgangen werden müsse.

Schutz des Wohnumfelds

Dazu passt eine Stellungnahme aus dem Heimatministerium: „Ein vorsorglicher Schutz des Wohnumfeldes durch eine entsprechende Regelung wird derzeit geprüft“, schreibt Ministerialrätin Christine Herrgott an den Sprecher der BI Postbauer-Heng, Dr. Jürgen Rupprecht, der angemahnt hatte, bei Trassenausbau den Schutz der Menschen unbedingt zu gewährleisten.

„Ihre Auffassung, dass der Schutz der Anwohner höchste Priorität bei dem durch die Energiewende bedingten Ausbau des Höchstspannungsnetzes hat, wird durch das Bayerische Staatsministerium für Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat geteilt“, so Herrgott weiter.

Die BI Postbauer-Heng hatte in Schreiben an Ministerpräsident Seehofer und an den für das Landesentwicklungsprogramm zuständigen Minister Markus Söder gefordert, dass für neu- oder ausgebaute Stromleitungen gleiche Abstandsregelungen gelten müssen wie in Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen: mindestens 400 Meter Abstand zu Wohnbebauung, Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern im Innenbereich und mindestens 200 Meter Abstand zu Wohnhäusern im Außenbereich.

Die Veranstaltung im Sportpark am morgigen Freitag wird trotz Absage des Netzbetreibers stattfinden. „Jetzt erst recht“, sagt Galozy. Beginn ist um 19 Uhr im Sportpark.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten