Windkraft ohne Bürger-Information?

BULLACH — In Bullach hat sich Widerstand gegen die im Regionalplanentwurf enthaltenen Windkraftanlagen formiert. Ausgangspunkt ist die eilends gegründete Interessengemeinschaft Lebenswertes Land (Ill), die bereits zwei Mal öffentlich auftrat, zuletzt diese Woche, als sie interessierte Bürger über den ihr bekannten Sachstand informierte.
Eigentlich wäre genau dies die dringend gebotene Aufgabe der verantwortlichen Entscheidungsträger, lautet die Hauptkritik der Initiatoren, den Familien Tiebe und Körber. „Warum muss ich mir mühsam alle Informationen selbst besorgen?“, fragt Stefanie Tiebe-Fett im Gespräch mit der PZ. In einer aufwändigen Puzzlearbeit sammelten sie und ihr Mann Alexander Tiebe nicht nur zahlreiche Informationen über mögliche Gesundheitsgefahren durch große Windräder, sondern auch Fakten darüber, was gesetzlich erlaubt und vor allem, was im Südosten und Südwesten ihres Heimatdorfes tatsächlich konkret geplant ist – angefangen bei den in Frage kommenden exakten Standorten bis hin zu tatsächlichen Investorenanfragen.
Die anfängliche Kritik richtete sich noch auf die Stadt. Lauf gehört eines der in Frage kommenden Grundstücke. Zudem ist Bürgermeister Benedikt Bisping (Grüne) bekanntermaßen ein Freund von Windenergie, auch im Stadgebiet. „Da wäre es schon schön, wenn er hier in Bullach klar sagen würde, ich will das und das machen“, forderten die Tiebes. Nicht Herr des Verfahrens Der Bullacher Stadtrat Björn Breuer (SPD) relativierte allerdings etwas bei einer Versammlung in dieser Woche. „Die Stadt Lauf ist nicht Herr des Verfahrens“, stellte er klar.
Zwei Dinge müssten unterschieden werden: Die aktuelle Investorenanfrage für zwei Räder am Neunhofer Berg (wir berichteten) liege zur Prüfung beim Landratsamt, das die Entscheidung im sogenannten immissionsschutzrechtlichen Verfahren trifft. Lauf kann dazu nur eine Stellungnahme abgeben. Dasselbe gilt beim zweiten Thema, dem Regionalplan.
Im aktuellen Entwurf sollen unter anderem die nur im groben Maßstab kartierten potenziellen Bullacher Windkraftstandorte von Vorbehalts- zu Vorrangflächen aufgewertet werden, was Investoren praktisch freie Bahn gäbe. Lauf kann sich dazu äußern, auch ablehnen, aber nicht darüber entscheiden. Im Mai sollen Bauausschuss und Stadtrat über die Stellungnahme abstimmen. Mut machte den Ill-Initiatoren indes Breuers Satz: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stadt Lauf etwas gegen den Widerstand ihrer Bürger unternimmt.“
Er selbst sei zwar wie Bisping nicht gegen Windkraft, auch in Bullach nicht, würde aber den Mehrheitswillen vertreten und auch dagegen stimmen: Zurzeit wäre das der Fall, so Breuers Eindruck. Allerdings kennt er auch einige Bullacher, die Ill ihre Unterschrift verweigern.
Derzeit stützen etwa 300 Windkraftgegner auch aus den Nachbarorten Neunhof, Eckenhaid, Simonshofen und Herpersdorf die Protestliste. Doch trotz Breuers Vermittlung als Stadtrat hält sich Ills Unmut über die fehlende „wirkliche Bürgerbeteiligung – und zwar im Vorfeld“, wie Stefanie Tiebe-Fett sagt, die Regionalmanagent studiert hat, also vom Fach ist. „Egal ob Stadt, Kreis, Bezirk, Land oder Bund – wir möchten konkret von unseren Volksvertretern in den Entscheidungsprozess mit eingebunden werden“, sagt ihr Mann. Ill ist dabei ausdrücklich an Sachlichkeit interessiert. „Wir wollen keinesfalls, dass sich Fronten bilden“, lautet die klare Ansage.
Arbeitsgrundlage sind die Befürchtungen, die Alexander Tiebe, der demnächst als Zahnarzt in Bullach praktiziert, zusammengetragen hat: Bei einem Abstand von rund 500 Metern nach Bullach sei der hörbare Schall von Windrädern mit über 120 Metern Nabenhöhe und 50 Metern Flügellänge durchaus ein Thema.
Ein weiteres sind die unhörbaren, aber laut ihm krankmachenden Belastungen durch Schall im Tiefton- und Infrabereich, ausgelöst durch die Rotoren, die auf Luftverwirbelungen treffen, wie sie typisch sind für hügelige, teils bewaldete Landschaften wie hier. Außerdem werde Bullach als Naherholungsgebiet entwertet. Einmal optisch, zum zweiten, weil Windräder eine „Vorschädigung“ bedeuteten, die weiteren Eingriffen in die Landschaft die Tür öffnen können, „bis hin zum Industriegebiet“, so Tiebes, die sich wie andere junge Familien bewusst für die Ruhe am Dorf entschieden hatten.
Zudem bezweifelt Ill die Wirtschaftlichkeit der Anlagen bei den nur mittelstarken Windgeschwindigkeiten. Ill trifft sich jeden Donnerstag, 20 Uhr, im „Grünen Baum“ in Bullach und erarbeitet eine eigene Stellungnahme.



Mich sört diese Windrad in Bullach nicht obwohl es zu meinen Haus in Neunhof näher ist als nach Bullach.
ich würde mich freuen wenn die pz auch die anderen leserbriefe drucken würde
danke
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