Windkraft ja, aber nicht bei uns!
NÜRNBERGER LAND - Der Wind dreht sich: Während die Planungen für Windkraftwerke im Hersbrucker Land weitgehend akzeptiert scheinen, gibt es im südlichen und nördlichen Teil des Landkreises heftige Debatten und Ablehnung. Die Industrieregion Mittelfranken hat die Frist für Einsprüche bis Mitte Juli verlängert.
Damit ist auch die Entscheidung des Planungsausschusses (Vertreter aus ganz Mittelfranken) über die Windräder im Landkreis in den September verschoben. Der Planungsverband wolle nichts durchdrücken, ihm gehe es nur darum, sachlich und fachlich gut begründet mögliche Plätze für Windräder zu markieren und damit andere auszuschließen. Gibt es im Regionalplan keine Standorte, dann können Investoren grundsätzlich überall Rotortürme bauen. Ein kaum kontrollierbarer Wildwuchs könnte die Folge sein, da die alternativen Stromerzeuger per Bundesgesetz Vorfahrt haben.
Die CSU im Landkreis fordert Windkraftanlagen im Einvernehmen mit der Bevölkerung. Kreisvorsitzender und Kreistagsfraktionschef Norbert Dünkel signalisiert seine Unterstützung beim Anwohnerschutz. Es dürfe nicht hingenommen werden, dass ohne Einvernehmen mit Anwohnern Standortfestlegungen im unmittelbaren Wohnumfeld oder die Aufwertung von Vorbehaltsgebieten in Vorranggebiete erfolgen. Der Kreistag müsse mit Nachdruck für das berechtigte Bürgerinteresse eintreten. Windräder von bis zu 180 Metern Höhe verstießen gegen die Entwicklung des Nürnberger Landes zu sanftem Tourismus.
In Simmelsdorf lehnte der Gemeinderat die Windradstandorte am Hienberg einstimmig ab. Vorausgegangen war dem eine ausgiebige und konträre Diskussion vor vollen Zuschauerbänken. Die Eingriffe in die Landschaft und in das Landschaftsbild seien zu massiv, wenn man wisse, dass Windräder eben keine konventionellen Kraftwerke ersetzen, so die Meinung der Gegner. Erst wenn Windenergie gespeichert werden könne, sei das möglich, und dann lasse er auch mit sich reden. Andere wollten die Anzahl der Windräder am Hienberg auf ein bis zwei anstelle von sechs begrenzen. Nach einem Ortstermin vorige Woche lehnte die Verwaltung die Hienberg-Standorte klar ab.
"Wir sind für erneuerbare Energien, aber nicht am Hienberg" — so lautet mehrheitlich (18 gegen 3 Stimmen) auch das Votum des Gemeinderats in Schnaittach. Nur Ute Löhr (Fair) und Karin Dobbert (Grüne) stimmten für die Hienbergstandorte. Wer Atomkraft nicht wolle, müsse das tun.
Kehrtwende im Ottensooser Gemeinderat. Er hat nach einem ersten positiven Votum den Regionalplan der Industrieregion Mittelfranken überraschend abgelehnt. In der Zwischenzeit ist in Ottensoos eine Bürgerinitiative gegen die Windräder aktiv geworden, die auf Laufer Grund Richtung Weigenhofen geplant sind. Auch hier gab es nun viele Zuhörer in der Ratssitzung. Gekommen waren auch Thomas Maurer, Geschäftsführer des Planungsverbandes der Industrieregion Mittelfranken, und Ludwig Fugmann, der bei der Bezirksregierung das Sachgebiet Raumordnung, Landes- und Regionalplanung leitet. CSU-Sprecherin Tanja Riedel sagte, die gesundheitlichen Folgen der Windkraftanlagen seien immens: "Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Infraschall und Lärm Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Als einzige ausdrücklich für die Windkraftanlagen - auch vor der eigenen Haustür - äußerte sich die SPD-Ortsvorsitzende Christine Zierer. Die Gegner argumentierten unsachlich und stellten die Gefahren der Anlagen größer dar, als sie tatsächlich seien.
Im Stadtrat von Altdorf gibt es viele Befürworter der Windkraft, aber nur wenige, die den Bau weiterer Windräder bei Eismannsberg oder neuer Windkraftanlagen auf der Hochfläche bei Klingenhof unterstützen. Die Altdorfer hatten schon im Januar mit Vertretern der Regierung und den Bürgermeistern aus Engelthal, Happurg, Leinburg und Offenhausen angeboten, als Ersatz für die bisher im Regionalplan eingezeichneten acht Hektar Windkraftvorbehaltsfläche (WK 8) bei Eismannsberg 30 Hektar auf der Hochfläche bei Klingenhof auszuweisen. Doch die Regionalplaner nahmen das Eismannsberger Gebiet nicht aus ihren Windkraftplänen heraus, sondern verzehnfachten es vielmehr von zuvor acht auf jetzt über 87 Hektar. "Das kommt für mich als Bürgermeister nicht in Frage", so Erich Odörfer im Stadtrat.



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