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Lokales PZ
13.04.10 17:05 Uhr

Platz für 22 mächtige Windräder

Von: Michael Scholz

Die Karte des PZ-Verbreitungsgebiets mit den ungefähren Windradstandorten, wie sie im Regionalplanentwurf vorgesehen sind. Foto: Storch-Design

LAUF/SIMMELSDORF/SCHNAITTACH (mz) - Bisher steht im Verbreitungsgebiet der Pegnitz-Zeitung noch kein einziges Windrad, demnächst könnten es aber gleich 22 sein. Wie bereits berichtet sind die alternativen Kraftwerke im noch nicht beschlossenen neuen Regionalplan vorgesehen – an den bereits länger bekannten Standorten bei Bullach, zwischen Weigenhofen und Rüblanden sowie neu am Hienberg. Die Hürden für Investoren schrumpfen wohl deutlich. Ab nächster Woche kann sich die Öffentlichkeit dazu äußern.

Diese Woche erhalten das Landratsamt, die Städte und Gemeinden Post vom Planungsverband Industrieregion Mittelfranken. Im Kuvert steckt im groben Maßstab von 1:100000 das heimische Landschaftsbild der Zukunft, als Entwurf zur 15. Änderung des Regionalplans. Ein konkretes Thema darin sind die Windkraftwerke, die kommen sollen. Aus den roten Kreuzchen auf der Karte bei Bullach, bei Weigenhofen und am Hienberg könnten in kurzer Zeit 22 Anlagen von 130 Metern Nabenhöhe und bis zu 50 Metern Flügellänge werden. Bei den hiesigen Windstärken wären nur so große Geräte sinnvoll.

Neu ist neben dem Standort Hienberg auch der Vorrangstatus, der für alle gleichermaßen gelten soll. Thomas Müller, der Regionsbeauftragte der Regierung, erklärt: »Das heißt, sie haben Vorrang gegenüber allen anderen raumbedeutenden Nutzungen.» Auch die immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Landratsamtes wäre dann weniger relevant. Auf Nachfrage der PZ bestätigt Müller: Im Grunde braucht es neben dem Okay der Grundstückseigentümer nur noch einen Investor. Bisher hat sich einer beim Landratsamt gemeldet für zwei Anlagen auf der Höhe zwischen Bullach und Neunhof.

Zunächst können sich jetzt aber ab Montag Landratsamt und Gemeinden (bis 11. Juni) sowie die Institutionen und Interessengruppen (bis 21. Mai) zu dem Entwurf äußern. Wobei die Kommunen die groben Pläne schon vor diesem Beteiligungsverfahren kannten. »Das ist gang und gäbe», sagt Müller und fügt an: Wichtiger als deren Meinung ist aber, »dass das Konzept fachlich schlüssig ist».
Deshalb hat er die Standorte im Vorfeld gründlich geprüft: »Das ist ein Abwägungsprozess», erklärt er. Er sah sich alle von der Windstärke her in Frage kommenden Stellen an und siebte aus, bis die jetzt vorgestellten übrig blieben. Kriterien sind dabei unter anderem: ein geeignetes Gelände, Stromanschluss in der Nähe, Mindestabstand zu Siedlungen (300 bis 800 Meter, je nachdem, ob Wohn- oder Gewerbefläche), Straßen und Hochspannungsleitungen (150 Meter) sowie Schutzgebieten.

Hinzu kommen jetzt noch die Stellungnahmen des Beteiligungsverfahrens. »Es gibt schon noch Fragen, die im Vorfeld schwer zu klären sind», weiß Müller. Er nennt vor allem naturschutzfachliche Einwände, wie Vogelbrut und -züge. Auch die Meinungen der Stadt- und Gemeinderäte spielen eine gewisse Rolle. Letztlich laufen alle Argumente wieder bei Müller zusammen. Er gibt dem Planungsausschuss eine Beschlussempfehlung. Entweder noch für die Juli-Sitzung oder erst nach den Ferien im September.

Der Druck pro Windkraft entsteht, wegen eines Bundesgesetzes von 1997. Die Alternativenergie soll im ganzen Land vorangebracht werden, sie ist privilegiert. Das heißt, Gemeinden können Investorenanfragen nicht pauschal ablehnen. Der mittelfränkische Regionalverband will einen Wildwuchs, eine »Verspargelung der Landschaft», verhindern und Windkraftanlagen an bestimmten, sinnvollen Stellen bündeln.

Simmelsdorf hat, wie berichtet, im Vorfeld von sich aus Flächen am Hienberg vorbestimmt, sodass andere, unliebsame Standorte ausgeschlossen werden können. Lauf hat sich ebenfalls aktiv für Bullach und Weigenhofen ausgesprochen. Schnaittach hat sich im Marktrat noch nicht damit befasst.
Im Landkreis Nürnberger Land sind zudem 18 bis 22 weitere Windräder vorgesehen. Vier bis fünf auf 42 Hektar östlich von Weißenbrunn, weitere vier bis sechs bei Hinterhaslach und Schupf sowie 10 bis 11 nahe an der A6 zwischen Oberndorf (Gd. Offenhausen) und Wappeltshofen (Altdorf). Dort stehen bereits zwei.

Die Standorte der 22 Windräder am Hienberg, bei Weigenhofen und Bullach laut Regionalplan-Entwurf:
Hienberg:
- Vier Anlagen auf 33 Hektar, östlich der A9, nördlich von Osternohe, norwestlich von Haidling.
- Zwei Anlagen auf 14 Hektar zwischen den geteilten Autobahnspuren am Hienberg.
Weigenhofen:
- Sieben Anlagen auf 54 Hektar östlich von Weigenhofen
- Eine Anlage auf acht Hektar östlich von Weigenhofen, südwestlich von Rüblanden, südöstlich von Kohlschlag
- Vier Anlagen auf 31 Hektar, südlich von Ottensoos, östlich von Schönberg
Bullach:
- Zwei Anlagen auf 14 Hektar nordöstlich von Neunhof, südwestlich von Bullach, westlich der Straße Bullach-Neunhof
- Zwei Anlagen auf 18 Hektar nordwestlich von Simonshofen, südlich von Bullach, westlich der Kreisstraße LAU 8




Kommentare

Matthias Gronau, Simmelsdorf, 07.05.2010 21:33:
Ich möchte mich Hr. Greß anschließen und mich ebenfalls für die Nutzung der Windkraft in unserem Landkreis aussprechen. Sämtliche Gegenargumente kann ich zwar verstehen, in Abwägung allerdings nicht für ausschlaggebend empfinden. Das "verbaute Landschaftsbild", das wohl die meisten Mitbürger nennen, steht meiner Meinung nach in keinem Verhältnis zu den Vorteilen, die uns die Windkraft bringt. Wir setzen auf erneuerbare Energien und Energie werden wir unser Leben lang brauchen, in 100 Jahren wohl noch mehr als heute. Denken wir an die Zukunft: Wie sollen wir die Elektroautos der Zukunft betanken, wenn die Erdölvorräte leergepumpt sind. Ich persönlich möchte auch kein Atomkraftwerk im Schnaittachtal stehen haben. Gesundheitliche Einschränkungen durch Windräder sind außerdem nicht nachgewiesen. Bei gründlicher Informationssuche, sollte es jedem möglich sein die Vorteile dieser Planungen zu verstehen...
A Greß, Eckenhaid, 14.04.2010 09:51:
Endlich kann auch unsere Region zur Enenergiewende beitragen. Landschaftsschutz gut und schön, aber lieber sehe ich ein Windkraftwerk, als ein Atomkraftwerk mit all seinen Risiken und seiner ungeklärten Atommüll-Entsorgung. Jetzt müssen die Genehmigungsbehörden eigentlich nur noch darauf achten, dass die Anwohner nicht unter Schattenschlag zu leiden haben - dann wird alles gut.

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