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15.04.10 17:08 Uhr

"Nicht generell gegen Windkraft, aber..."

 

Welten trennten bei der Bullacher Veranstaltung den Grünen-Stadtrat Hans Kern (links) als Befürworter von Windkraftanlagen in unserer Juralandschaft und Werner Graf (rechts) von der BI Gegenwind Jurahöhe. Foto: Kohl

BULLACH/OSTERNOHE (ko) - Kräftiger Gegenwind für die Windkraftpläne im PZ-Verbreitungsgebiet: Bei zwei Veranstaltungen in Bullach und Osternohe regte sich erheblicher Widerstand gegen den Bau mächtiger Windräder.
Die Auswirkungen der Windräder sind umstritten. Das zeigte sich in den beiden Informations- und Diskussionsveranstaltungen, bei denen Vertreter der BI Gegenwind Jurahöhe massiv Zweifel am Sinn der Kraftwerke in unserem Gebiet schürten.

Bernhard Blasen erklärte in Osternohe (Veranstalter SPD-Ortsverein Schnaittach) dasselbe wie Werner Graf in Bullach (Veranstalter Freunde des Neunhofer Landes): Sie seien »nicht generell gegen Windkraft, aber Gegner solcher Anlagen in unserer Region, weil sie hier ökonomisch und ökologisch keinen Sinn ergeben». Hier würden Nachteile für die Bevölkerung überwiegen.

Wegen der ungünstigen Windverhältnisse müssten die Anlagen sehr hoch sein, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Das Kraftwerk zwischen Bullach und Neunhof wäre etwa doppelt so groß wie das bekannte Kasberger Windrad. Darunter würden nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch Natur und Menschen leiden. Lärm, der Flattereffekt des Schattenwurfs und der nicht hörbare Infraschall seien Stressfaktoren, die krank machen können. Der Wert von Grundstücken sinke, häufig gehe ein Riss durch die Dorfgemeinschaft – wenn einige durch Geländeverpachtungen verdienen und viele andere unter den Windrädern leiden.

Auf jeden Fall müsse ein großer Abstand zu Wohngebieten bestehen. »Mindestens 1500 Meter oder das Zehnfache der Anlagenhöhe» fordert die BI. Bei Osternohe ist die Rede nur von einem Mindestabstand von 800 Metern zu einer Wohnbaufläche oder etwa 500 Metern zu einer gemischten Baufläche, in Haidling rund 500 Meter.

Die Bullacher Anlage, für die es eine konkrete Investoren-Anfrage gibt, wäre etwa 900 Meter vom Ortsrand entfernt. Stadtrat Hans Kern (Grüne) aus Neunhof hatte in Bullach als Vertreter der Stadt und engagierter Windrad-Befürworter einen schweren Stand. »Wir wollen keine Anlagen gegen den Widerstand der Bürger bauen», sagte er anfangs unter Applaus und sprach dann von einem »Bürgerwindrad, wo die Bürger an den Gewinnen beteiligt sind». Doch bald wurden die Zweifel an der Bürgereinbindung immer lauter. Vor allem als Günther Felßner – CSU-Stadtrat und BBV-Kreisobmann – daran erinnerte, dass bei Bullach beinahe schon einmal vollendete Tatsachen geschaffen worden wären.

»Entscheidungen müssen die Bürger treffen, die vor Ort davon betroffen sind», forderte er.
In der teils emotional geführten Diskussion wurden viele Argumente gegen Windkraftanlagen laut – nicht generell, aber eben hier in unserem Gebiet. Betont wurde, dass hinter jeglicher Art von Energieanlagen wirtschaftliche Interessen stünden, »und sei es nur ein Steuervorteil aus jahrelangem Verlustbetrieb».

Die Zuhörer erfuhren, dass die hiesigen Windkraft-Vorranggebiete noch nicht beschlossen sind und die Kommune eine Stellungnahme an die Regierung abgeben kann, dass es bei den bisherigen Vorbehaltsgebieten bleiben soll, sodass sie ihren Einfluss auf konkrete Vorhaben behält. Auf die Frage von Moderatorin Michaela Moritz, ob es trotz einer ablehnenden Stellungnahme zum Vorranggebiet kommen kann, hörten sie allerdings: Ja. Die kurzfristig gegründete »Interessengemeinschaft Lebenswertes Land um die Bullacher Familien Tiebe und Körber sammelte an dem Abend Unterschriften gegen die WKA. Über 200 seien es mittlerweile, sagt Alexander Tiebe.

Auch die meisten Besucher der SPD-Veranstaltung in Osternohe waren gegen Windkraftanlagen in ihrer Nähe. Moderatorin Andrea Nüßlein und Schnaittachs Bürgermeister Georg Brandmüller ergriffen nicht Partei – das Thema muss ohnehin erst noch im Marktgemeinderat besprochen werden.




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