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10.05.10 18:53 Uhr

Einmalige Alb nicht der Windkraft opfern

 

Windradnabe in Wilhermsdorf. Foto: Scholz
Ina Schönwald
Robert Giersch

NÜRNBERGER LAND/SCHNAITTACH — Die Kreisheimatpfleger Ina Schönwald und Robert Giersch sprechen sich klar gegen die Windradpläne im PZ-Verbreitungsgebiet aus. Denn dies präge das Landschaftsbild nicht nur, sondern beschädige es irreparabel. Hier in gekürzter Form ihre Stellungnahme, die sie zum aktuellen Regionalplanentwurf (wir berichteten) einreichen.

Niemand mit klarem Menschenverstand kann ernsthaft ein Gegner alternativer Energiegewinnung sein. Wir müssen alle umdenken, um der Atomkraft entgegenzutreten. Nachdem sich langsam die Möglichkeiten entlang der deutschen Küstengebiete erschöpfen, versuchen die Investoren nun immer mehr, sich die Mittelgebirgsregionen mit ihren bei weitem nicht optimalen Windverhältnissen nutzbar zu machen. Werte des Landschafts- und Denkmalschutzes kommen in ihrem Kalkül nicht vor.

Die Windverhältnisse unserer fränkischen Alb sind für Windkraftanlagen eher schlecht bis sehr schlecht gelagert, sodass eine Mindesthöhe von 150 Metern für die Anlage gewährleistet sein muss. Kirchtürme und Baumkronen sind zwischen 25 und 30 Meter hoch. Die projektierten Windkraftanlagen sprengen jeglichen Maßstab und lassen sich nicht mehr in die bestehende Landschaft integrieren.

Dies steht im Gegensatz zu den großflächigen Küstenlandschaften Norddeutschlands, die von jeher Windmühlregionen waren. Hinzu kommt, dass die Errichtung von Windkraftanlagen nicht nur in unserem Landkreis nur auf Bergrücken und Gipfeln sinnvoll ist, die bislang wegen ihrer exponierten Lage aus Landschaftsschutzgründen von Bebauung freizuhalten waren. Gerade diese Standorte sind in unserer kleinteiligen Fränkischen Alb weithin sichtbar. Der landschaftsästhetische Schaden, der sich irreversibel für das Nürnberger Land ergibt, dürfte sich gerade auf den rückläufigen Tourismus unseres Landkreises negativ auswirken, dessen Förderung gerade in jüngerer Zeit wieder ins Blickfeld kommunaler Politik gerückt wurde.

Diese beschriebenen Verluste treten konkret beim geplanten Standort am Hienberg auf, wo die geplante Windkraftanlage auf dramatische Weise das gesamte Schnaittachtal dominiert und weithin die Blickachse zwischen Rothenberg, Bühl, Hohenstein bis nach Lauf empfindlich beherrscht. Die Burg Hohenstein, bisher Wahrzeichen des Nürnberger Landes, hat mit ihrer landschaftsprägenden Funktion ausgedient.

Aber auch von der Hochfläche des Voralblandes südlich von Ottensoos, wo die Standorte der Windkraftanlagen 25, 26 und 27 vorgesehen sind, ist das gesamte Panorama der Fränkischen Alb zu überblicken: Moritzberg, Rothenberg, Glatzenstein, Nonnenberg, Buchenberg und Hansgörgel. Dasselbe gilt für den Standort WK 33, dessen Fernwirkung bis ins Schwabacher und Fürther Land reicht. Sollen die Windkraftanlagen dann die Aussichtspunkte ergänzen oder ersetzen?

Von unwiederbringlichen Verlusten jedoch würde die Errichtung der Windkraftanlagen 23 und 24 zwischen Bullach und Neunhof für die Kulturlandschaft des Neunhofer Landes sein. Das in einer Senke liegende, einheitliche spätbarocke Ortsbild, das aus zwei Schlosskomplexen des 17. Jahrhunderts und einem weiteren des 18. Jahrhunderts, der spätmittelalterlichen Kirche und historischen Wohn(stall)häusern besteht, entspricht einem einzigartigen Denkmalensemble, das auf diese Weise komplett entwertet würde. Noch ist der Ort durch keine übermäßigen Siedlungserweiterungen verändert. Die umgebende Landschaft fränkischer Streuobstwiesen und Felder ist in ihrer Authentizität überliefert.

Zudem geht der Naherholungsfaktor einer Kulturlandschaft verloren, wenn sie technisch verfremdet wird, und damit der Unterschied zu den Ballungsräumen schwindet. Die feingliedrige Fränkische Alb gibt es nur einmal. Hier gerät nichts ins Übermaß. Ihre Unverwechselbarkeit stellt die Pfunde, mit denen die lokale Politk wuchern sollte, als ein Gegenpol zur oft über das Ziel hinaus schießenden Globalisierung.

Eine Landschaft, die noch annähernd frei ist von übermäßiger Zersiedelung und gesegnet mit historisch gewachsenen Denkmal- und Naturlandschaften, ist unser Standortfaktor. Dies sollte nicht geopfert werden für einen äußerst zwiespältig zu betrachtenden Gewinn alternativer Stromversorgung, deren Planung zumeist lediglich ökonomisch ausgerichtet ist.




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