Bürger erteilen Windrad bei Bullach Absage

LAUF (fi) — Wenn die Stadt Lauf ihr Grundstück bei Bullach dafür hergibt oder wenn ein Privatmann sein Grundstück verpachtet, dann können zwischen Neuhof und Bullach Windräder gebaut werden – auch gegen den Widerstand und gegen den erklärten Willen der Bevölkerungsmehrheit. Vor allem auch, weil die Flächen schon 2003 einstimmig vom Stadtrat als Windkraftvorbehaltsflächen ausgewiesen wurden und weil das Landratsamt die Anlagen zwingend genehmigen muss, wenn die Auflagen (weniger der Abstand als vielmehr die Lärmwerte) eingehalten werden. Dies waren nur einige Erkenntnisse der Sonder-Windbürgerversammlung in der Laufer Bertleinaula, zu der rund 400 Bürger, überwiegend aus den betroffenenen Gebieten Bullach oder und Schönberg, gekommen waren.
In der Versammlung, zu der Bürgermeister Bisping eine ganze Reihe von Verwaltungsfachleuten auf das Podium eingeladen hatte, zeigte sich zum ersten Mal auch ein Vertreter der Firma „Windinvest“, die möglichst schnell bei Bullach zwei 185 Meter hohe Winderräder errichten will und schon entsprechende Anträge gestellt hat. Die Werbung für die Anlagen durch Geschäftsführer Oliver Keßler und die Unterstützung dafür durch Bürgermeister Bisping am Ende der fast vierstündigen Versamlung überzeugte jedoch nicht. Eine breite Mehrheit der Anwesenden beantragte, dass der Stadtrat die Verpachtung der städtischen Grundstücke bei Bullach und auch bei Schönberg ablehnen soll. Da half es auch nichts, dass Fachleute und Investor die Gefahr sahen, dass ohne den Regionalplan, in dem die Windrad-Standorte sozusagen festgeschrieben sind, ein Wildwuchs von Windrädern drohe, dass die Abstandsflächen womöglich noch geringer würden oder dass die Stadt die Gestaltungsmöglichkeiten verlieren könnte, wie Bisping zu bedenken gab. „Das beste Windrad ist kein Windrad“, brachten ein Bullacher und ein Bürger aus Kohlschlag bei Weigenhofen ihre Ablehnung auf den Punkt und ernteten dafür viel Beifall.
Überhaupt gab es zwar immer mehr Applaus für die Argumente der Windradgegner und deren kritische Anmerkungen, insgesamt und angesichts der Brisanz des Themas allerdings diskutierte man auf einem sehr zivilisierten Niveau. Auch wenn sich Windgutachter oder Investor, Juristen, Bürgermeister und Verwaltungsfachleute vorwerfen lassen mussten, viele Sorgen der Betroffenen nicht ernst zu nehmen und vor allem gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie den Infraschall, nicht sehen zu wollen. Demonstrativ kräftigen und langen Beifall gar gab es, als Bürgermeister Bisping seinen Vorgänger, Altbürgermeister Rüdiger Pompl, begrüßte.
In zwei Tagesordnungspunkte hatte Bisping die Bürgerversammlung eingeteilt: Zunächst sollte die Veränderungen des Regionalplanes (Aufwertung zur Vorrangfläche) besprochen werden, dann der konkrete Antrag des Investors. Die Versammlung fand deswegen in Lauf statt, wie Bisping auf eine kritische Anmerkung hin sagte, weil das Thema ja alle angehe und deswegen die Versammlung auch für alle Laufer sprechen könne. Bisping, der „von der in den Medien genannten Zahl für Windräder bei Bullach und Schönberg nichts wissen will“ teilte dann noch mit, dass sich am 22. Juni der Bauausschuss mit dem Thema befasse und am 24. Juni der Stadtrat. Aus Bullacher, Schönberger und Weigenhofener Sicht noch interessant war die Mitteilung des Regionbeauftragten der Regierung, Thomas Müller, dass Bürgereinwendungen, wie auch die Stellungnahmen der Kommunen, noch bis Anfang August angenommen werden. „Und alles, was noch vorgelegt wird, wird selbstverständlich in die Überlegungen bei der Ausweisung von Standorten einfließen“, so Müller. Beispielsweise sei für ihn ganz klar, dass höhere Anlagen, an die man bei der Verabschiedung des Gesetzes vor über zehn Jahren vielleicht gar nicht gedacht habe, auch größere Abstände bedingen. Mit den Abständen sei das sowieso so eine Sache, wie Peter Gronau vom Landratsamt erläuterte: Konkrete Meterzahlen nämlich werden da gar nicht gefordert. Der einzige Wert, der eingehalten werden muss, ist der Nacht-Lärmgrenzwert von 30 dbA. Ansonsten hält der Gesetzgeber schon den dreifachen Abstand der Anlagenhöhe zu Wohngebäuden für zumutbar. Peter Gronau aber versprach, dass das Landratsamt als Genehmigungbehörde ganz genau auf die Einhaltung der Auflagen aufpassen werde.
Thomas Müller verteidigte dann mehrmals den regionalplanerischen Ansatz. Dabei gehe es gar nicht grundsätzlich um „Windkraft ja oder nein“, sondern nur darum, Ordnung in die per Gesetz privilegierten Bauvorhaben zu bringen und Wildwuchs zu verhindern. Auf eine entsprechende Nachfrage musste der Regierungsmann dann aber auch zugeben, dass an anderen Stellen der Bau von Windrädern zwar derzeit ausgeschlossen werde, dass kein Plan aber für die die Ewigkeit gemacht sei...
Unterstüzung erhielten die Bullacher und Schönberger Windradgegner von einem Bürger aus Oberfranken, der von einem acht Jahre währenden und am Ende erfolgreichen Kampf gegen Windräder berichtete und die Besucher aufforderte: „Lasst euch das nicht gefallen, macht Druck für größere Abstände, ohne die Bevölkerung geht gar nichts“. Und der Vorsitzende des Fränkischen Alb Vereins, Johann Waldmann aus Schwabach, berichtete dass die Berechnungen von Windgutachtern an anderen Standorten wertlos waren sowie von pleite gegangenen Windkraftbetreibern.
Gegenwind für den grünen Laufer Bürgermeister blies in der Versammlung aber nicht nur aus Bullach, sondern auch aus der anderen Richtung. Ein Bürger aus dem Ortsteil Kohlschlag sprach von einer dreiseitigen Einzingelung durch nur 500 Meter entfernte Windräder, wenn sie denn kommen, und ein Landwirt aus Weigenhofen meinte, dass er sich doch niemals gegen die Bevölkerung stellen und einen Acker verpachten würde, wenn die Mehrheit der direkt Betroffenen die Anlage ablehne. Und an diese Maxime sollte sich auch die Stadt mit ihren eigenen Flächen halten.



(EDIT: Von der Redaktion gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich!)
Wenn Windkraftanlagen Strom erzeugen, bleiben die Kraftwerke auf ihrer Leistung, um bei zu wenig Windstrom den Bedarf sofort decken zu können. Vorübergehendes Abschalten ist nicht möglich, da ein erneutes Hochfahren eines Kraftwerkes bis zu 3 Tage dauern kann. Wer möchte schon bis zu 3 Tage auf den Strom warten?
Also bläst zB ein Kohlekraftwerk genauso seinen Dreck in die Luft, wie ohne Windkraftstrom.
Solange es keine Möglichkeit gibt, Energie aus Windkraftanlagen (das selbe gilt übrigens auch für Solarenergie) zu speichern, haben WAEs nur einen Sinn: seine Erbauer reicher zu machen und (im Bullacher Fall) Ausflugs- oder Urlaubsgebiete zu verschandeln.
Mein Fazit: Umweltschutz sieht anders aus!
Walter Pickelmann, Bürger aus Bullach, der Windkraft nicht generell ablehnt, aber entschieden in Frage stellt!
Mein Angebot eines Bürgerwindrades:
Hierzu in Stichpunkten noch einmal mein Vorschlag:
1. Gründung einer GmbH & Co. KG oder Übernahme meiner Bürgerwind Lauf GmbH & Co. KG durch einen Organisationskreis Laufer Bürger. Danach bin ich nur noch in (kostenloser) beratender Funktion tätig !
2. Abschluß eines Pachtvertrags zwischen dieser Gesellschaft (an der ich dann nicht mehr beteiligt bin) und der Stadt über das Grundstück für die nach Bullach stehende WEA.
3. Mit Vorliegen der Genehmigung (hier entsteht nur der Aufwand für die Genehmigungsgebühr, die Kosten während des Verfahrens für Gutachten etc. zahle ich):
- eventuell Beauftragung einer 1-Jahres-Wind-Messung
- Einholung der Angebote für die WEA und die Erschließung(Netz/Wege),Versicherung etc.
- Verhandlung mit örtlicher Bank
- Erstellung eines Beteiligungsprospektes (ca. 50-100 T€)
- Für den Fall, dass Teile des nötigen Eigenkapitals fehlen sollten, würde ich eine EK-Garantie abgeben.
- Anzahlung der WEA
- Baubeginn ca. 9 Monate nach Anzahlung
- Errichtung voraussichtlich Ende 2012
Es würde ein wirtschaftliches Projekt, weil:
- ich die Antragskosten getragen habe
- keine weiteren "weichen" Kosten enthalten sind
- meine Einkaufspreise genutzt werden können
- der Anschluß an die das Netz der Laufer Stadtwerke sicher günstig sein wird
- die Zinsen historisch niedrig sind.
Natürlich stehe ich permanent beratend zur Seite.
Ich meine, dass ist ein attraktives Angebot.
Die Einschränkungen des Landschaftsbildes lassen sich nicht leugnen.
Ich betone aber noch einmal, dass die WEA nur 6 % der Zeit volle Leistung fahren.
Zudem sind hier der Regelungen für ein reines Wohngebiet einzuhalten.
Das bedeutet in der Praxis, dass die Umgebungsgeräusche bei gutem Wind lauter sind, als die WEA.
Der fraglose Landschafteingriff und eine - im Vergleich zum täglichen Verkehr - seltene und geringe Lärmeinwirkung sind nur zwei Aspekte.
Ich finde örtliche Wertschöpfung und Sicherung der zukünfigen Lebens- und Arbeitsgrundlagen mindestens genauso wichtig.
Für Zwecke des Gemeinwohls haben wir schon immer das Landschaftsbild verändert: Hochspannungsmasten, Strassen, Tagebau, Großkraftwerke.
Wenn wir wegen der Verteuerung der fossilen Energien in unserer Industrie Probleme bekommen und einen Beschäftigungseinbruch erleben, dann macht der Spaziergang am Sonntag - ohne "landschaftsverschandelnde" WEA - auch nicht soviel Spass.
O. Keßler - WI Windinvest GmbH
"Wir sind nicht gegen alternative Energieerzeugung. Gerne unterstützen wir sinnvolle Vorhaben und finden Wind und Solarenergie etwas Tolles. Nein, wir wollen keine Kernkraft-und Kohlekraftwerke mehr, wir wollen saubere, effiziente und nachhaltige Kraftwerke … aber bitte nicht vor unserer Tür".
Die Diskussion über den Sinn oder Unsinn solcher Anlagen in unserer Region gestaltet sich zum Affentheater. Mit Polemik und einfach unwahren Horrorszenarien, versuchen sich Gegner und Befürworter zu profilieren.
Ich finde es nur peinlich und es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie hier agiert wird. Wir sollten froh sein, dass es eine Möglichkeit gibt, solche Kraftwerke bei uns bauen zu können und es Menschen gibt, deren Vorstellungskraft und Enthusiasmus nicht vor ihrer eigenen Haustür endet. .
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