Breite Ablehnung spürbar

NÜRNBERGER LAND – Breite Ablehnung spürten die beiden Regierungsexperten, die bei einer Bürgerversammlung in Osternohe über den Regionalplanentwurf zum Thema Windkraftanlagen (WKA) informierten. Sie stellten dar, dass die Ausweisung von Vorrangflächen einen Windrad-Wildwuchs verhindern solle. Durch diese Regelung gebe es nicht mehr potenzielle Standorte als ohne sie, im Gegenteil. Vielen Bürgern ist aber jedes neue Windkraftwerk in der Alblandschaft – und erst recht in ihrer Nachbarschaft – eines zu viel.
Im „Schwarzen Adler“ wurde es eng an diesem Abend. Viele Bürger aus Osternohe und Umgebung waren gekommen. Sie sorgen sich um das Landschaftsbild ihrer Heimat, die Lebensqualität, ihre Gesundheit und den Wert ihrer Grundstücke. Der hörbare Lärm, der Infraschall und der Schattenwurf der bis zu 180 Meter hohen Windräder sind nicht nur lästig, sondern können krank machen, befürchten sie.
„Keine Diskussion pro oder kontra Windkraft“, bat Bürgermeister Georg Brandmüller. Die Gemeinde komme mit dieser Bürgerversammlung ihrer Informationspflicht nach. Thomas Maurer von der Geschäftsstelle der Industrieregion und der Regionsbeauftragte Thomas Müller seien gekommen, um planungsrechtliche Hintergründe darzustellen und das Anhörungsverfahren zu erläutern, bei dem auch Bürger Einwände vorbringen können.
In die Entscheidung, wo in Mittelfranken Vorrangflächen für WKA ausgewiesen werden, fließen nicht nur Stellungnahmen von Fachbehörden und Gemeinden ein, erklärte Müller. „Auch Bürger können darlegen, warum bestimmte Flächen aus ihrer Sicht geeignet oder nicht geeignet sind.“ Dabei seien aber stichhaltige Argumente gefragt, keine emotionalen Äußerungen oder ein pauschales „Das wollen wir hier nicht haben“.
Und hier wird es schwierig, das zeigte auch dieser Abend. Kritiker aus dem Gebiet um Osternohe und Schnaittach — aber auch aus Ottensoos, wo es vergleichbare Probleme gibt — wandten ein, dass die schädlichen Auswirkungen der riesigen Windräder auf Flora, Fauna und Menschen nicht hinreichend erforscht seien. Die bisherigen Erkenntnisse würden nicht genügend berücksichtigt, Bedenken ignoriert. Kritisiert wurde auch, dass die Planungen auf rein theoretischen Berechnungen und veralteten Grundlagen beruhen. Die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen in unserem Gebiet sei zudem fragwürdig.
Warum soll gerade das Gebiet am Hienberg zur Vorrangfläche für WKA werden, fragte Peter Kraus, Sprecher der Osternoher Bürgerinitiative. Müller erklärte, dass es schon bei der Überprüfung 2003 als gut geeignet befunden worden war. Die Windhöfigkeit (Kraus: „Kommt dieser Begriff wohl von Hoffnung?“) sei hier für die Verhältnisse im Nürnberger Land sehr gut. „Und wir haben bereits eine gewisse Vorbelastung durch die Autobahn.“
Das brachte Zuhörer, die eine Verstärkung des ohnehin schon belastenden Lärms befürchten, auf die Palme. Kraus: „Umgangssprachlich kann man also sagen: Dou is eh scho alles versaut, dou kummts aff a poor Windrädla a nimmer o.“ Regierungsexperte Maurer versprach, dass eine „Summenwirkung“ des Lärms geprüft werde.
Auch die Aussicht, dass bei Haidling möglicherweise vier Windräder entstehen und Geräuschüberlagerungen im engen Tal unabsehbare Folgen haben, beunruhigt. „Vier ist ein rein theoretischer Wert. Hier ist eine Maximalzahl genannt, die in der Praxis nicht erreicht wird“, versuchte Müller zu beruhigen. Die Schallwirkung würde bei der immissionsschutzrechtlichen Prüfung untersucht, der sich ohnehin jedes konkret beantragte Projekt individuell stellen müsse.
Kann die Marktgemeinde Alternativstandorte vorschlagen? Großen Abstand zur Wohnbebauung hätte man Richtung Eichelberg, meint Bürgermeister Brandmüller. „Aber das ist eine Talaue, das würde die Regierung als Verhinderungsplanung betrachten und nicht akzeptieren.“ Bondorfer Berg statt Hienberg — auch nicht besser. „Von der Windhöfigkeit wäre vielleicht der Rothenberg geeignet“, aber der scheide wohl aus anderen Gründen aus.



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