RSS-FeedsAnzeigenIhre ZeitungGemeindenKontaktImpressumSitemap
Lokales DB
21.05.10 14:43 Uhr

Altdorfer Stadtrat lehnt Windkraft-Flächen ab

Von: Alex Blinten

ALTDORF – Es gibt viele Windkraft-Befürworter im Altdorfer Stadtrat, aber nur wenige, die den Bau weiterer Windräder bei Eismannsberg oder neuer Windkraftanlagen auf der Hochfläche bei Klingenhof unterstützen. Das wurde auf der Sitzung des Stadtrats deutlich, der sich mit dem Regionalplan der Industrieregion Mittelfranken befassen musste. Hierin werden  sämtliche Vorbehaltsflächen für Windkraftanlagen in der Region dargestellt.
Im Stadtrat gibt es eine deutliche Mehrheit gegen weitere Windkraftanlagen auf der Jurahöhe bei Eismannsberg. Allerdings ist die Stadt im Zugzwang: Bietet sie den Regionalplanern keine Vorbehaltsflächen für Windkraft an, dann können Anlagen künftig überall in der Landschaft Anlagen aufgestellt werden – ohne dass die Kommune irgendeinen Einfluss nehmen kann. Bürgermeister Erich Odörfer wies genau auf diesen Zusammenhang hin: „Die Staatsregierung will Windenergie, deshalb sollte man versuchen, Windkraftanlagen in einem bestimmten Gebiet zu konzentrieren.“
Im Altdorfer Rathaus fand deshalb auf Initiative der Stadt bereits im Januar eine Besprechung mit Vertretern der Regierung und der Bürgermeister der Kommunen Altdorf, Engelthal, Happurg, Leinburg und Offenhausen statt, bei der die Stadt Altdorf anbot, als Ersatz für die bisher im Regionalplan eingezeichneten acht Hektar Windkraftvorbehaltsfläche (WK 8) bei Eismannsberg 30 Hektar auf der Hochfläche bei Klingenhof auszuweisen. Die Flächen liegen an der Gemeindegrenze, gleichwohl sprachen sich auch die Nachbarn Leinburg und Offenhausen für die Ausweisung aus (wir berichteten).
Zur großen Verwunderung der Altdorfer kam dann alles ganz anders: Die Regionalplaner nahmen das Eismannsberger Gebiet nicht aus ihren Windkraftplänen heraus, sondern verzehnfachten es vielmehr von zuvor acht auf jetzt über 87 Hektar. „Das kommt für mich als Bürgermeister nicht in Frage“, so Odörfer vor dem Stadtrat, der von mehreren Dutzend Zuhörern beobachtet wurde.
Dr. Johann Peter Pöllot schloss sich Odörfer an. 87 Hektar Vorbehaltsfläche für Windkraft bei Eismannsberg sei unmöglich, erklärte Pöllot für die CSU: „Da sind wir uns einig.“ Differenzierter sieht man bei den Christsozialen den Standort Klingenhof. Den dortigen Bürgern seien die Windkraftanlagen genauso wenig zuzumuten wie den Eismannsbergern. „Wenn wir hier aber auch ablehnen, verlieren wir jeglichen Einfluss“, so Pöllot.
Margit Kiessling (Grüne) brach eine Lanze für die Windkraft: „Ständige Bedenken gegen neue Anlagen bringen uns nicht wirklich weiter.“ Sie wies auf Risiken und Gefahren durch Atomenergie hin und bekam Unmutsäußerungen aus dem Publikum zu hören, weil sie nicht frei sprach, sondern eine Erklärung verlas. „Hält die hier eine Vorlesung, oder was?“ fragte ein verärgerter Zuhörer, der sich dafür eine Rüge von Sitzungsleiter Odörfer einhandelte. Kiessling kündigte schließlich an, dass die Altdorfer Grünen dem geänderten Regionalplan zustimmen und grünes Licht für beide Standorte, Klingenhof und Eismannsberg, geben würden. Das wurde später auf Vorschlag von Horst Topp modifiziert: Die Grünen blieben bei ihrer Zustimmung zu beiden Arealen, allerdings forderten sie eine Verkleinerung der Eismannsberger Vorbehaltsfläche um die Hälfte.
Für Eckart Paetzold (Grüne) ist  die Entscheidung in Sachen Windkraft richtungsweisend: „Wir legen fest, wohin die Energiepolitik geht.“ Den Grundstücksbesitzern in Eismannsberg, die Angst um den Wert ihrer Immobilien haben, hielt er entgegen, diese wollten doch nur die Preise hochhalten, „da sie hier abschöpfen wollen, das machen wir nicht mit.“ Woraufhin Unruhe im Sitzungssaal entstand.
Für Ernst Bergmann (SPD) war ausschlaggebend, dass sowohl die Vorbehaltsflächen bei Eismannsberg als auch bei Klingenhof mit jeweils rund 500 Metern Abstand zur Wohnbebauung viel zu nahe an Häuser herangerückt wurden. Bergmann lehnt deshalb beide Standorte ab.
Dr. Peter Wack (FW/UNA) versteht zwar nicht, warum weitere Windräder  an der A 6 bei Eismannberg stören sollten. Wegen der Größe der dort geplanten Ausweisung lehne man aber das Gebiet ab. Mit Bauchgrimmen stimme man dem Gebiet bei Klingenhof zu.
Dezidierter Windkraftgegner ist Kurt Eckstein (CSU). „Windkraftanlagen sind Abschreibungsobjekte“, so der Landtagsabgeordnete, der seine Bedenken gegen die Windkraftanlagen von vielen Kollegen im Maximilianeum geteilt sieht. Viel weniger Probleme mit Windkraftanlagen hätte man, so Eckstein, wenn es einen Mindestabstand von 1500  Metern zur Wohnbebauung geben würde. Weil das aber nicht so ist, gibt es landauf-landab Widerstand gegen geplante Anlagen. Den Windkraftgegnern jedenfalls hat Eckstein seine Unterstützung zugesagt.
Als Orstsprecherin für Eismannsberg appellierte Christa Wild an die Stadträte, das Vorbehaltsgebiet an der A 6 unter allen Umständen zu verhindern: „Sie bestimmen, was mit unserer Heimat und unserem Lebensraum passiert.“
Hartmut Romig (SPD), eigentlich ein Befürworter von Windkraft, hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht. Er hat sich vor Ort umgesehen, ist die Standorte abgegangen und wie Bergmann zum Schluss gekommen, dass beide zu nahe an der Wohnbebauung liegen. Deshalb lehnte er auch beide Standorte ab.
Dr. Bernd Eckstein verwies auf die bundesweit entstandenen Bürgerinitiativen gegen Windkraftanlagen. Derzeit gibt es etwa 800. „Wir müssen unsere Entscheidung im Sinne der Bürger treffen“, so Eckstein.
Horst Topp (Grüne) dagegen äußerte sich überzeugt davon, dass weitere Windräder bei Eismannsberg die Bürger nicht beeinträchtigen würden. Beeinträchtigt würde aber die Natur, wie die Untere Naturschutzbehörde in Lauf festgestellt hat. Darauf wies ausdrücklich Dr. Hartmut Herzog (FW/UNA) hin. Für die Windkraftanlagen bei Eismannsberg und Klingenhof sprach sich Norbert Käsmann (SPD) aus. „Allerdings ist das Gebiet bei Eismannsberg völlig überdimensioniert.“
So sieht das auch Thomas Dietz (FW/UNA). Er habe durchaus Sympathie für Windkraftanlagen. „Aber man muss auf die Betroffenen in Eismannsberg Rücksicht nehmen.“
Nach zweistündiger Diskussion einigte man sich darauf, dass die Stadt Altdorf den Planungsverband jetzt um eine Fristverlängerung bitten wird. Bürgermeister Odörfer wird sich noch einmal mit den Planern zusammen setzen. Das Gebiet bei Eismannsberg soll als Vorbehaltsfläche für Windkraft aus dem Regionalplan nun ebenso herausgenommen werden wie das Klingenhofer Gebiet. Hier will Odörfer allerdings mit den Regionalplanern ausloten, ob eine Vergrößerung der Abstände zur Wohnbebauung möglich ist.




Kommentare

Keine Anmerkungen

Anmerkung hinzufügen

* - Pflichtangabe

Hinweis: Hinweis: Die Redaktionen behalten sich vor, Kommentare auch als Leserbriefe in den drei Heimatzeitungen zu veröffentlichen. Beleidigende oder anstößige Kommentare werden gelöscht. (Anm. d. Redaktion).

*
*


*
*


EM-Tippspiel
Diepersdorf vs. Schwaig

twitter Stream

NAchrichten aus Nürnberg & Franken

Link zur Startseite Der Bote Link zur Startseite Pegnitz-Zeitung Link zur Startseite Hersbrucker Zeitung Link zur Homepage N-land.de