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Lokales DB
18.05.10 14:38 Uhr

500 Meter Abstand zur Wohnbebauung ist zu wenig

Von: Martina Rüsing

WEISSENBRUNN/KLINGENHOF – Vier bis fünf Windräder sollen in einem Vorranggebiet auf einer Anhöhe zwischen Weißenbrunn und Klingenhof eingeplant werden. Das sieht der Regionalplan der Industrieregion Mittelfranken vor, zu dem derzeit betroffene Bürger und die zuständigen Kommunen Stellungnahmen abgeben können. Die Bürger von Klingenhof wollen das nicht akzeptieren. Sie kritisieren vor allem, dass die Windkraftanlagen (WKA) nur 500 Meter von der Wohnbebauung errichtet werden sollen.
Ihre Argumente machen sie in Einwendungen an die Industrieregion und auch in einem Brief an die Gemeinde- und Stadträte von Offenhausen, Leinburg und Altdorf deutlich. Bereits 1998, 1999 und 2004 war der Standort Klingenhof für Windräder vorgesehen und wurde letztlich abgelehnt. Jetzt wehren sich die Klingenhofer gegen die Ausweisung als Vorranggebiet WK 33.
„Wer als Mindeststandort die Entfernung von 500 Metern annimmt, kann dies nur in völliger Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten tun“, heißt es in dem Schreiben der Bürger. Sie bedauern, dass der Gemeinderat Leinburg die Angelegenheit diskutiert hatte, ohne Zeit für einen Ortstermin zu finden. In der Sitzung hieß es, dass die Kommune bis zum 11. Juni ihre Stellungnahme abgeben muss, da sei die Zeit zu knapp für eine Ortsbesichtigung (wir berichteten).
Die Klingenhofer weisen darauf hin, dass die 500-Meter-Linie geografisch auf dem Hochpunkt um Klingenhof liegt, demgegenüber das Dorf um etwa 20 Meter tiefer gelegen ist. Das bedeute, dass alles, was auf dieser Anhöhe um den Ort gebaut wird, Klingenhof massiv beeinflusse bzw. sogar völlig dominiere.
Bei einem Windrad mit etwa 140 Metern Nabenhöhe sei dies gegenüber einem Ort mit etwa 200 Meter Durchmesser ein „völlig dimensionensprengendes Missverhältnis, das mit dem Sachverhalt der ,Bedrängung‘ bzw. ,bedrückender Wirkung‘ nur milde umschrieben wäre“. Außerdem handle es sich ja hier nicht um ein stehendes Bauwerk, sondern um ständig drehende Flügel, also Objekte, die durch ihre Bewegung das Augenmerk auf sich ziehen und die gesamte Gegend mit einer hier nie gekannten Unruhe beherrschten. „Das dürfte wohl niemand im Ort lange aushalten, zumal die Gebäude alle nach Süden und Südwesten ausgerichtet sind, also zu den vorgesehenen Standorten der WKA.“
Die Bürger fordern daher einen Mindestabstand von 1500 Metern zu ihren Wohnhäusern, um die Beeinträchtigungen zu minimieren. Dies ist in Nordrhein-Westfalen die Empfehlung für die Errichtung von WKAs. Dem Deutschen Bundestag liegt eine Petition vor, in dem ein verbindlicher Mindestabstand zur Wohnbebauung für die neue Generation von Windkraftanlagen auf der Grundlage neuester Schallimmissions-Untersuchungen gefordert wird. Windkraftanlagen müssten danach mindestens 1500 Meter Abstand zur nächsten Wohnbebauung haben, und es müsste mindestens ein Abstand der zehnfachen Gesamtanlagenhöhe eingehalten werden. Nach internationalem Recht ist sogar ein Abstand von 1,5 Meilen vorgesehen, ergaben Recherchen der Klingenhofer Bürger.
Ein Minimieren der Beeinträchtigungen heiße allerdings nicht, dass die Beeinträchtigungen völlig verschwunden sind. „Es ist bekannt, dass die Geräusche der WKAs über eine Distanz von drei bis fünf Kilometern, je nach Windlage, zu hören sind.“ Laut den Ausführungen des Betreibers betrage der „zu erwartende Lärmpegel“ zirka 40 Dezibel. „Das entspricht etwa dem Lärm des Verkehrspegels in der Stadt, hier aber wahrgenommen als Dauergeräusch.
Von den Windrädern geht jedoch kein Dauerton aus, sondern ein je nach Windstärke an- und abschwellender Heulton, verbunden mit Schlaggeräuschen der Rotoren. Dies ist für uns auf keinen Fall akzeptabel, denn für diese Art von Lärm ist eine Bewertung nach den gemessenen Dezibelwerten nicht ausreichend. Der verursachte Lärm stört nicht nur bei den täglichen Verrichtungen, sondern lässt auch Entspannung und Erholung nicht mehr
zu.“
Klingenhof ist seit jeher ein Naherholungsort für Ausflügler, Wanderer und Langläufer, wie man heute noch jedes Wochenende am „Klingenhofer Anger“ sehen könne. Gerade wegen der Ruhe und schönen Lage wurden hier auch einige Wochenendhäuser errichtet.
Als weitere nicht hinnehmbare Beeinträchtigung sehen die Klingenhofer die Wirkungen von Schat-tenschlag durch die WKA. Da der geplante Standort 33 von Südosten bis Westen um Klingenhof herum reicht, sei der Ort hier in jedem Fall betroffen. Durch die geografische Lage verlängere sich die Schattenwirkung zusätzlich.
Zu den Wirkungen des Schattenschlags komme noch verstärkend das Auftreten des „Diskoeffekts“, also die blitzartige Reflexion an den Rotorflügeln, hinzu. „Wenn man dann weiß, dass es Entwicklungen gibt, den Infraschall als Waffe gegen Personen zu verwenden, kann man kaum glauben, dass die Betreiberbeteuerungen, Infraschall wäre ungefährlich, zutreffen können.“
Diese Beeinträchtigungen würden zu einem nicht hinnehmbaren massiven Wertverlust der Immobilien in Klingenhof führen, fürchten die Bürger. Man könne hier von einem Wertverlust von zirka 50 bis 70 Prozent ausgehen, bis hin zur totalen Unverkäuflichkeit bzw. auch Unvermietbarkeit der Häuser.
Somit hätten künftig nicht nur die ansässigen Landwirte massive Probleme mit Finanzierungen. Besonders für diejenigen Bewohner und Eigentümer, die ihre Immobilie als Teil oder Grundlage ihrer Alterssicherung haben, stelle dies eine massive existenzielle Bedrohung dar. „Es macht ja wohl kaum Sinn, dass der Staat auf der einen Seite die private Absicherung im Alter fordert und fördert, auf der anderen Seite dieses mit staatlichen Förderungen (EEG) zunichte gemacht wird.“ Die bekannte Gewinnorientierung der WKAs als Abschreibungsmodelle und Konzerngewinne stünden somit einem massiven Eigentumsverlust durch Windkraftanlagen gegenüber.
„All dies macht unsere Forderung nach einem Mindestabstand von 1500 Metern anstelle der vorgesehenen 500 Meter deutlich und, wie wir glauben, auch nachvollziehbar. Nachvollziehbar für jeden, der sich in die Situation als Betroffener hineinzudenken gewillt ist“, schreiben die Bürger von Klingenhof an die Stadt- und Gemeinderäte.
Der Altdorfer Stadtrat wird sich am morgigen Donnerstag in seiner Sitzung ab 18.30 Uhr mit dem geplanten Vorranggebiet befassen, der Gemeinderat von Offenhausen hatte es gestern Abend auf seiner Tagesordnung. Die Leinburger hatten sich mit 12:9-Stimmen für eine positive Stellungnahme zum Regionalplan ausgesprochen.




Kommentare

Thomas Gauck, Nürnberg, 29.01.2011 21:41:
Wer den Klingenhofer Anger bisher nicht kannte, kann sich mit meinem kurzen Artikel über dessen Bäume informieren: http://www.thomasgauck.de/news-neuigkeiten-2/baume-im-nurnberger-umland-klingenhofer-anger

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