Hilfe von Geburt an

NÜRNBERGER LAND (lra) — Immer mehr Klein- und Schulkinder im Nürnberger Land werden tagsüber in Krippen, Kitas und Horten betreut. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Teil einer Bilanz über die Entwicklung der Jugendhilfe im Landkreis von 2001 bis 2010, die jetzt im Jugendhilfeausschuss des Landkreises präsentiert wurde.
Die Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, haben sich im Nürnberger Land erheblich verbessert – insbesondere durch die starke Ausweitung des Betreuungsangebots für Kinder unter drei Jahren sowie den Ausbau der Schulkinderbetreuung. Darüber hinaus haben viele Einrichtungen ihre Öffnungszeiten zum Teil deutlich verlängert. Landrat Armin Kroder lobte: „Unsere Gemeinden sorgen für ausreichend Kitaplätze. Sie geben viel Geld dafür aus.“ Der Landkreis seinerseits beuge mit dem geplanten Neubau der Fachakademie für Sozialpädagogik dem Fachkräftemangel vor.
Evelyn Kittel-Kleigrewe und Gert Eichele vom Jugendamt, die die Studie präsentierten, würdigten darüber hinaus das Engagement des Personals in den Kitas. Sie hätten sehr flexibel auf neue pädagogische Herausforderungen reagiert. So sei die durchschnittliche Buchungszeit ebenso gestiegen wie das Angebot an Mittagessen für die Kinder. Nicht zuletzt durch die Vorgaben des Erziehungs- und Bildungsplans habe ferner der Fortbildungsbedarf zugenommen.
Auf die Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten ging Silke Naudiet, Leiterin der Erziehungs- und Jugendberatungsstelle, in ihrem Jahresrückblick ein. Die Zahl der Anfragen von Erzieherinnen, die bei Kindern Anzeichen von Kindeswohlgefährdung bemerkt haben, lag im ersten Halbjahr bei zwölf – nachdem es in den vergangenen beiden Jahren jeweils insgesamt 15 Fälle waren. Hier verstehen sich die Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstelle als Bindeglied zwischen den Kitas und dem Amt für Familie und Jugend.
Insgesamt stand die Erziehungsberatungsstelle im vergangenen Jahr – in dem sie ihr 30-jähriges Jubiläum feierte – knapp über 1000 Familien im Landkreis zur Seite. Meist suchen die Familien die Beratungsstelle auf, wenn es Probleme im Zusammenhang mit Trennung und Scheidung gibt, bei Problemen im Erziehungs- und Sozialverhalten sowie bei Schwierigkeiten im familiären Zusammenleben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Präventionsarbeit. Damit hat die Erziehungsberatungsstelle im letzten Jahr etwa 2000 Menschen erreicht.
Neuerungen des Bundeskinderschutzgesetzes, die seit Januar in Kraft sind, präsentierten Abteilungsleiterin Melanie Zuric und Jugendamtsleiter Udo Rösel den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses. Zentrale Änderungen gab es vor allem im Bereich Kinderschutz. So wurden die frühen Hilfen für junge Eltern, die es in Bayern bereits seit 2009 gibt, bundesweit eingeführt.
Durch Änderungen in der Meldedatenverordnung ist es nunmehr möglich, alle werdenden bzw. frischgebackenen Mütter und Väter über die örtlichen Beratungsangebote zu den Themen Schwangerschaft, Geburt und Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren zu informieren. Darüber hinaus soll es in Zukunft Familienhebammen geben, die den Eltern mit Rat und Tat zu Seite stehen.
Ereignisse und Entwicklungen, die das Wohl von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen können, müssen nunmehr den Jugendämtern gemeldet werden – auch von Menschen, die üblicherweise zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Im Rahmen dieses „Schutzauftrages“ des Staates werden unter anderem auf die kommunalen Jugendämter zusätzliche Anforderungen zukommen. Nunmehr sind beispielsweise Hausbesuche Pflicht. Das Jugendamt im Nürnberger Land handhabt dies allerdings ohnehin bereits so.

Wenn die Qualität von Kitas in ganz Deutschland so gut wäre, gäbe es die Debatten über frühe Fremdbetreuung wohl gar nicht erst.
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