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Lokales HZ
10.12.12 17:09 Uhr
Diskussion über Asylbewerber in Neuhaus

Flüchtlinge willkommen – „aber bitte nicht hier“

Von: Susanne Will

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Der Mediziner Mellinghoff zeigt in der Toilette den unübersehbaren Schimmel: „Das macht krank.“ Foto: Will
Der Mediziner Mellinghoff zeigt in der Toilette den unübersehbaren Schimmel: „Das macht krank.“ Foto: Will

NEUHAUS/PEGNITZ - Die zentrale Asylunterkunft in Zirndorf platzt aus allen Nähten. Überall im Landkreis Nürnberger Land wird händeringend nach Unterkünften für Flüchtlinge gesucht. Jetzt hat ein Lokalpolitiker aus Neuhaus/Pegnitz sein ehemaliges Wohn- und Praxisgebäude für acht Jahre ans Landratsamt Lauf vermietet. Während man in der Behörde dankbar dafür ist, nun Platz für 25 Flüchtlinge bieten zu können, laufen in Neuhaus einige Bürger Sturm. Sie argumentieren, dass das Wohnhaus ungeeignet sei - und sie fürchten auch um einen Wertverlust ihrer Häuser in der direkten Nachbarschaft.

Der Zahnarzt Karl-Heinz Mellinghoff (64) ist wütend. In seine Nachbarschaft - ein hübsches Wohnviertel im Schatten der Neuhauser Burg Veldenstein - werden in den nächsten Tagen 25 Asylbewerber ziehen. „Ich werde mich bis zum letzten Verwaltungsweg gegen diesen Plan einsetzen“, sagt der Mediziner bestimmt. Brandschutz, Flucht- und Anfahrtswege, die Logistik für den Abfall, den 25 Menschen zwangsläufig hinterlassen, die soziale Betreuung der teilweise traumatisierten Menschen, all das sieht der 64-Jährige als nicht ausreichend an in dem 60er-Jahre-Bungalow, der einst als Wohn- und Praxisgebäude konzipiert war. Außerdem fürchtet der Mediziner: „Das Haus ist voller Schimmel - das ist eine Gesundheitsgefahr für jeden, der darin wohnt.“ Flüchtlinge, so sagt er, seien willkommen - aber bitte an einem anderen Standort, nicht in der Burgstraße 17.

Eigentümer des Hauses ist ein Stadtrat aus Neuhaus. Von den Plänen des Sozialdemokraten erfuhr Josef Springer, Bürgermeister von Neuhaus, erst vor wenigen Tagen vom Landratsamt. Dass der „erfahrene Kommunalpolitiker“ ihm vorher nichts gesagt hat, bewertet er laut Nürnberger Nachrichten als „schlechten Stil“. Derzeit werde im Landratsamt geprüft, ob die Umwandlung des Hauses eines Nutzungsänderungsantrages bedürfe. Springer: „Ich betone aber: Wir haben vorrangig eine moralische Verpflichtung, Flüchtlinge unterzubringen, auch wenn der Standort nicht auf Begeisterungsstürme stößt. Irgendwo müssen sie hin - wir müssen den Menschen die Chance geben. Wie es mit der sozialen Betreuung aussieht, ist ein nachrangigeres Problem, da ist dann das Landratsamt gefragt.“ Und das habe, so der Hausbesitzer, ihm eine Sozialbetreuung zugesichert.

Zahnarzt Mellinghoff, der sich mit dem Neuhauser Peter-Michael Meng (64) an unsere Zeitung wandte, hat sein Haus direkt neben der Immobilie stehen. „Viele Leute hier fürchten nun einen Wertverfall ihrer Häuser.“ Er hat sich sogar schon bei Experten erkundigt: „Mit einem Asylbewerberheim in der Nachbarschaft beleiht dir keiner mehr das Haus.“

Menschen eine Chance geben

Der Stadtrat, der namentlich nicht genannt werden will, widerspricht: „Es wird kein Heim, ich habe nur die Wohnungen ans Landratsamt vermietet, und zwar auf acht Jahre. Es spricht nichts dagegen, anschließend das Haus anders zu nutzen, vielleicht als Mehrgenerationenhaus.“ Er versteht die Kritik nicht. „Fakt ist: Diese Menschen brauchen dringend eine Unterkunft. Warum wird ihnen keine Chance gegeben?“

Die Sorge um ausreichende Fluchtwege oder Brandschutz sieht der Mann als unbegründet an. „Das Landratsamt hat alles überprüft“, was auch Amtssprecher Rolf List bestätigt: „Alles in Ordnung.“ Und Schimmel sei, so List, nicht festgestellt worden. Stockflecken allerdings räumt der SPD-Politiker ein: „Es gab Probleme mit Schimmel, die aber haben wir im Griff.“

Mag sein, dass das nun für das Erdgeschoss, wo die Asylbewerber untergebracht werden, stimmt. Im Souterrain allerdings hat der Schimmel die sonst blitzsaubere Wohnung des Ehepaares Reimund (74) und Ursula Feulner (72) fest im Griff. Seit 24 Jahren leben sie in der Burgstraße 17. 271 Euro zahlen sie kalt, ein guter Preis für die exklusive Lage direkt hinter der Burg Veldenstein. Seit sechs Jahren blüht der schwarze Pilz in der Toilette und im Schlafzimmer, x-fach hätten sie den Vermieter gebeten, das Problem zu beheben. Ursula Feulner: „Seine Reaktion war immer die selbe: Wir sollten besser lüften. Aber ich kann ja nicht 365 Tage im Jahr die Fenster offen lassen.“ Der Hausbesitzer: „Vom Schimmelproblem in dieser Wohnung ist mir so noch nichts berichtet worden.“ Die Feulners ziehen jetzt aus. Dabei ist der Schimmel allein nicht der Grund. Reimund Feulner ärgert vor allem, „dass wir aus der Zeitung erfuhren, was mit dem Haus passiert.“ Er weint, als er das sagt.

Morgen um 18 Uhr beraumt Bürgermeister Springer im Rathaus einen Info-Abend für die Anwohner zum Thema.




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