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Lokales PZ
24.07.12 10:01 Uhr
Abwahl der Eckentaler FW-Fraktionsvorsitzenden

Glässer-Freund setzt sich gegen Dölle durch

Von: Michael Scholz

Christoph Hümmer ist der Nachfolger von Ilse Dölle. Fotos: Filler
Christoph Hümmer ist der Nachfolger von Ilse Dölle. Fotos: Filler

ECKENTAL — Die Eckentaler Freien Wähler haben einen neuen Fraktionsführer. Nach zehn Jahren musste Ilse Dölle den Vorsitz unfreiwillig abgeben. Offiziell heißt es, sie habe sich mit ihrem Stellvertreter und Nachfolger Christoph Hümmer nicht mehr verstanden. Bekannt ist aber auch, dass Dölle 2014 Bürgermeisterin werden möchte, der 48-Jährige dagegen Amtsinhaber Wilfried Glässer (ebenfalls FW) unterstützt, der noch einmal antreten will. Der Ortsverein ist sich uneins.

War es eine Machtprobe oder gar ein gezielter politischer Schachzug rechtzeitig vor der Kandidatenkür zur Kommunalwahl 2014? Diese Überlegungen liegen nahe, öffentlich und unverblümt wollen sich freilich weder Dölle noch Hümmer an Spekulationen beteiligen. Fest steht alleine, dass die bisherige Fraktionsvorsitzende mit 4:5-Stimmen mitten in der Legislaturperiode von ihrer Mannschaft abgewählt wurde. Am Votum beteiligt waren die acht Marktgemeinderäte und der Unterschöllenbacher Ortssprecher.

Dazu kam es, nachdem Hümmer vor vier Wochen seinen Rückzug vom Stellvertreterposten angekündigt hatte. „Es menschelt etwas zwischen uns, ich wollte raus“, sagte er gegenüber der PZ und bestätigt auf Nachfrage, dass es Differenzen gab, wobei Sachthemen weniger eine Rolle gespielt hätten. Daraufhin ergriff Fraktionskollege Willibald Brütting die Initiative und beantragte bei Dölle eine Neuwahl der Fraktionsvorsitzenden – weil das Vertrauensverhältnis auch zu ihm gestört sei.

Das ist allerdings nur die halbe Geschichte, wenn man weiß, dass die Bürgermeisterkandidatur für die Freien Wähler intern eine heikle Sache ist. Wie einige Ortsvereinsmitglieder hinter vorgehaltener Hand und Ilse Dölle offen kritisieren, brüskierte Glässer die eigene Gruppierung Ende 2010, als er in der PZ eine dritte Kandidatur 2014 mit 64 Jahren ankündigte – offenbar eigenmächtig, ohne dies vorher abgestimmt zu haben.

Dölle war wie vor den Kopf gestoßen, immerhin galt sie bis dahin als aussichtsreiche FW-Nachfolgekandidatin. Immer mehr spitzte sich der Konflikt zwischen der Fraktion und deren Bürgermeister zu. So gab es Meinungsverschiedenheiten beispielsweise zur DSL-Versorgung in der Gemeinde oder zuletzt zum Windradstandort bei Herpersdorf (wir berichteten). Aber auch auf persönlicher Ebene soll es atmosphärische Störungen gegeben haben. Im vergangenen Jahr besuchte der Bürgermeister laut Dölle nicht einmal mehr die FW-Fraktionssitzungen.

Die Irritationen mündeten im Frühjahr in eine unverbindliche interne Abstimmung, in der 15 FW-Mitglieder für eine Kandidatur Dölles waren, zwölf stärkten Rathauschef Glässer. Allerdings, so betont auch FW-Ortsvereinsvorsitzende Margarete Förster, waren nicht alle Eckentaler Freien Wähler anwesend. Es handelte sich also eher um eine Stimmungsabfrage.

Entscheidend ist letztlich nur die Nominierungsversammlung im Dezember oder Januar. Auf die verweist auch Hümmer. Bis dahin befänden sich die Freien Wähler Eckentals in „keiner einfachen Situation“, mit Sicherheit werde das kommende halbe Jahr spannend. Der neue Fraktionsvorsitzende, der einige Zeit bereits FW-Ortschef war, ist bekennender Glässer-Anhänger. Er werde den „amtierenden Bürgermeister für die Wiederwahl unterstützen, immerhin leistet er seit zehn Jahren eine sehr gute Arbeit“.

In der Fraktion hat Dölle, die sich als ausgesprochene „Teamplayerin“ sieht und weniger als allein regierender Boss, ihre Mehrheit verloren und damit ihre Stärkeposition gegenüber dem Bürgermeister und Konkurrenten. Auch wenn sich diese Enttäuschung bereits im Vorfeld abgezeichnet habe, wie sie sagt, gibt sie sich weiter kämpferisch. Ein Rücktritt sei für sie nie zur Debatte gestanden.

Über die aktuelle Stimmungslage im gesamten Ortsverein und eine Tendenz, was die Kandidatenkür angeht, sagt die Abwahl Dölles zu diesem Zeitpunkt noch wenig aus. Vorsitzende Margarete Förster, die erst seit Januar im Amt ist, hält sich sehr zurück und stellt klar, dass diese Angelegenheit eine reine Fraktionssache sei, „sie hat da freie Hand“. Eine Prognose für den Ausgang des Duells wagt sie nicht. Sicher ist sie sich nur, dass „es eine knappe Entscheidung werden wird“.




Kommentare

Josef B., Eckental, 24.07.2012 15:36:
Was für ein Scherbenhaufen. Wie soll bitte schön ab 2014 ein FW-Bürgermeister/in Mehrheiten finden, wenn die eigene Partei zerrissen ist. Im Artikel fehlt der eigentliche Aspekt für den Terz. Glässer hat auch die Verwaltung nicht mehr im Rücken, nach dem er Teile der Belegschaft rauskündigen wollte ( erfolglos). Unterstellungen zu angeblichen Arbeitszeitbetrügereien waren haltlos. Davon will er heute nichts mehr wissen. Dabei hat er und die SPD bis heute eine halbe Million Euro verheizt. Für nichts. Bis vor das Bundesarbeitsgericht ist er nun gegangen und wird dort eine bittere Niederlage erfahren. Die Steuerzahler bezahlen es ja. Aber für einen Hort ist kein Geld da.

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