KZ-Überlebende zu Besuch
HERSBRUCK — „Pélérinage“ (dt.: Wallfahrt) nennt Michel Clisson, der Präsident der Association des Déportés et familles des Disparus du camp de concentration de Flossenbürg et Kommandos, die jährliche Fahrt an die Stätten der Erinnerung. Überlebende des Konzentrationslager Flossenbürg und seiner Außenlager kommen nach Deutschland. In Flossenbürg sind sie am Sonntag, 22. Juli, beim feierlichen Gedenkakt zum Abschluss des Treffens ehemaliger Häftlinge. Am Freitag, 20. Juli, dem Jahrestag des Attentats auf Hitler 1944, trifft die Gruppe im Nürnberger Land ein.
Um 8.30 Uhr ist morgen ein Gedenken am Mahnmal der Verbrennungen in Hubmersberg. Anschließend wird die Gruppe von der Französischklasse um Astrid Arius in der Johannes-Scharrer-Realschule begrüßt und zum Gedenkstein in der Amberger Straße begleitet.
Hersbrucks Bürgermeister, Vertreter der Kirchen, aus Politik und Wirtschaft und die Bevölkerung sind dazu eingeladen. Um 10.45 Uhr erinnern dann französische Überlebende und ihre Nachkommen an ihre Leidensgenossen. Die betagten Damen und Herren nehmen freiwillig die Strapazen auf sich, weil ihnen am Kontakt zu den Menschen in Deutschland liegt. Heute begegnen sie ihnen als Freunde.
Auch der Stolleneingang F über Happurg wird nicht ausgelassen. Am Sonntagabend besucht die Gruppe auf ihrer Rückreise nach Frankreich noch die Verbrennungsstätte in Schupf. In Schupf ist auch Ljubiša Letic aus Novi Sad in Serbien dabei. Letic war vom 3. Dezember 1944 bis zur Auflösung des Lagers im April 1945 als Häftling im KZ Hersbruck. Im KZ-Alltag hatten die verschiedenen Nationen bekanntlich wenig Kontakt untereinander, schon allein der verschiedenen Muttersprachen wegen. Letic nimmt seinen Besuch in Flossenbürg zum Anlass, um ein weiteres Mal nach der Menschenkette im Januar (die HZ berichtete) Freunde und Bekannte in Hersbruck zu treffen.
Er sucht besonders den Kontakt zur Jugend. „Ihr sollt nicht das erleben, was wir erleben mussten. Achtet auf Frieden, Frieden ist überhaupt das Wichtigste.“ Das ist seine Botschaft. Zusammen mit seinem Begleiter Miroslav und einem Übersetzer erzählt er in Schulen von seinem Überleben. Der Verein Dokumentationsstätte KZ Hersbruck organisiert seinen Aufenthalt in Hersbruck.
Am Montag, 23. Juli, führt er alle Interessierten zum Eingang des Doggerstollens F, zu dem Ort, wo er bis an den absoluten Rand seiner Kräfte arbeiten musste und nur durch den Schutz und die Nachsicht mehrerer Vorgesetzter überleben konnte. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Parkplatz über dem Café Ruff in Happurg. Dann beginnt der Fußweg im Wald bis zum Stolleneingang.
Am Dienstag, 24. Juli, um 19.30 Uhr sind alle Bürger eingeladen zu Lesung und Zeitzeugengespräch im Haus der Diakonie, Nikolaus-Sel necker-Platz 2 im Raum des Evangelischen Forums Nürnberger Land.
Lesung und Gespräch
Seine Überlebensgeschichte erzählte Letic auch in der Broschüre „...nur wir Überlebenden wissen, durch welche Hölle wir gegangen sind“, zu beziehen im Buchhandel und bei der Dokumentationsstätte KZ-Hersbruck. Nach einer Lesung aus seinen Berichten beantwortet Letic Fragen und erzählt aus seinen Erinnerungen. Die Hersbrucker Bürger sind im Gegenzug eingeladen, von ihren Erlebnissen jenseits des Stacheldrahts zu berichten. Der Eintritt ist frei. Es handelt sich um eine gemeinsame Veranstaltung von Dokumentationsstätte KZ Hersbruck e.V. und Evangelischem Forum Nürnberger Land.
Thomas Wrensch
Programm
Freitag, 20. Juli
8.30 Uhr: Gedenkfeier mit der Association, Hubmersberg
10.45 Uhr: öffentliches Gedenken mit der Association des Déportés am Gedenkstein, Finanzamt, Amberger Straße, Veranstalter Stadt Hersbruck und Dokumentationsstätte KZ Hersbruck
11.30 Uhr: Besuch Doggerstollen
Montag, 23. Juli
15 Uhr: Öffentliche Führung und Besichtigung des Eingangs Doggerstollen F, Treffpunkt Parkplatz Café Ruff, Happurg
Dienstag, 24. Juli
19.30 Uhr: Lesung und Zeitzeugengespräch mit Ljubiša Letic, Haus der Diakonie, Nikolaus-Selnecker-Platz 2, Veranstalter Dokumentationsstätte und Ev. Forum Nürnberger Land


Anmerkung hinzufügen