Reichenschwander „Schandfleck“ bald passé

REICHENSCHWAND - In einem waren sich die Reichenschwander Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung einig: Der lang bekannte „Schandfleck“ in der Oberndorfer Straße - die Überreste eines abgebrannten Hauses - soll möglichst rasch aus dem Ort verschwinden. Mit einigem Bauchgrimmen stimmten die Räte dem Schulverband Hersbruck zu, die alte Dreifachturnhalle zu kaufen.
Eine Silvesterrakete war vor etlichen Jahren schuld, dass das Haus in der Oberndorfer Straße Feuer fing und fast vollständig abbrannte. Saniert wurde das Gelände allerdings nie. Bis heute zieren eine graue Betondecke über dem Kellergeschoss und Mauerruinen das Areal, das schon mit viel Gras überwuchert ist.
Den Reichenschwandern ist das Gelände seit dem Brand ein Dorn im Auge. Das soll nun ein Ende haben. Die Gemeinderäte beschlossen im Rahmen der Städtebauförderung, den Ideenwettbewerb zur Neugestaltung der Oberndorfer Straße für mehrere Architekturbüros auszuschreiben. Mit den Vorschlägen sollen das Gelände und die Oberndorfer Straße zwischen der B14 und der Bahnlinie „wieder schön gestaltet“ werden.
Bis zum Spätsommer sollen die Pläne vorliegen. Im Anschluss will die Gemeinde der Bevölkerung den favorisierten Vorschlag vorstellen.
Geplant ist, im kommenden Jahr mit den Baumaßnahmen zu beginnen. Sepp Mehr (FWG) begrüßte - wie alle anderen Räte - die Entscheidung zur Wettbewerbsauslobung und wünschte sich mit Blick auf die gelungene Sanierung der Kirchstraße mittels „vieler Synergieeffekte“ für die Oberndorfer Straße ein ähnliches Resultat.
In einem weiteren Sitzungspunkt informierte Volker Hergenröder vom gleichnamigen Architekturbüro über weitere städtebaulichen Maßnahmen. Sie sind in den nächsten 15 Jahren geplant und erfolgen auf Grundlage sogenannter „Vorbereitenden Untersuchungen“, deren aktuellen Stand er präsentierte. Im geplanten Sanierungsgebiet - von der Bahnunterführung in der Oberndorfer Straße im Norden bis zu beiden Brücken über die Pegnitz im Süden - sollen Fassaden und öffentliche Bereiche neu gestaltet und Radwege erneuert werden.
Vorgesehen ist, dem Gemeinderat die daraus resultierende „Sanierungssatzung“ im August und den Reichenschwandern im Herbst vorzustellen. Ende dieses Jahres sollen die Gemeinderäte dann den „Leitplan“ in Abstimmung mit der Regierung von Mittelfranken absegnen, damit staatliche Zuschüsse fließen können.
Reichenschwands Bürgermeister Bruno Schmidt nannte die weiteren Schritte bei der Städtebauförderung „eine wichtige Sache“. Er legt Wert darauf, die Ortschaften Leuzenberg und Oberndorf nicht aus den Augen zu verlieren. Diese fielen zwar aufgrund ihrer Größe nicht in das Förderprogramm. Er stellte allerdings in Aussicht „Einzelmaßnahmen zu bezuschussen, sofern es die Schatulle finanziell erlaubt“.
Schweren Herzens votierten die Räte bei einer Gegenstimme dafür, dass der Schulverband Hersbruck - dem Reichenschwand angehört - die alte Dreifachturnhalle erwirbt. Dort soll für insgesamt 3,5 Millionen Euro ein sogenanntes „Kinderkompetenz- und Wohlfühlzentrum“ mit Mensa, Kinderhort, einer Turnhalle sowie Zusatzräumen für Ganztagesschüler entstehen (wir berichteten).
Bernd Maas (CSU) hakte nach, ob ein derartiges Projekt bei sinkenden Schülerzahlen sinnvoll sei. Schmidt verwies auf die Möglichkeit, dass sich in Zukunft Mittelschulen im Umland dem Verbund anschlössen. Dann besteht zusätzlicher Platzbedarf.
Der Gemeinde-Chef zerstreute auch eine weitere Sorge des Gemeinderates Maas. Dieser warnte davor, dass der Schulverband Hersbruck sich nicht vor den Karren der Hersbrucker Vereine spannen lassen dürfte. Schmidt erwiderte, dass der Schulverband strikt zwischen Kompetenzen der Stadt Hersbruck und seinen eigenen trenne. Für die Vereine zahle nur die Stadt Hersbruck.
Sepp Mehr (FWG) äußerte die Befürchtung, mit der maroden Dreifachturnhalle ein „Fass ohne Boden“ zu kaufen und spielte auf unkontrollierbare Kosten beim Umbau an. Schmidt machte deutlich, dass die Regierung Mittelfranken nur einen Umbau, nicht aber einen Neubau bezuschussen wird. Die Kosten des Projekts stehen noch nicht fest. Weil die Gemeinde Reichenschwand je nach Schülerzahlen zur Kasse gebeten wird, „sollten wir uns nicht so gewichtig nehmen“, sagte Schmidt. Denn die Anzahl der Mittelschüler sei auf einem „sinkenden Ast“.
Außerdem gaben die Gemeinderäte grünes Licht für die Erneuerung der Pumptechnik im Wasserhaus. Die Kosten erhöhen sich um rund 40.000 auf insgesamt 84.000 Euro, da stehende statt wie geplant liegende Pumpen eingebaut werden müssen. Zudem möchte Bruno Schmidt auf dem neuen Friedhof eine Urnenwand bauen lassen.

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