Die Rüstung ist die Schwachstelle bei Diehl

RÖTHENBACH — Die Diehl-Gruppe, für die in Röthenbach rund 1600 Menschen arbeiten, ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen, hat allerdings die angepeilte Drei-Milliarden-Euro-Marke beim Umsatz verpasst. Hohe Ausgaben schmälern den Gewinn. Und während die Luftfahrt- und die in der Pegnitzstadt vertretene Metallsparte gute Geschäfte machen, hakt es bei der Rüstung.
Diehl erzielte 2011 einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro, das ist ein Plus von 204,2 Millionen oder 7,5 Prozent. Zugleich fiel der Gewinn von 89,7 Millionen Euro im Vorjahr auf aktuell 51,4 Millionen, unter anderem wegen der hohen Kosten für den Verkauf der französischen Tochter Griset, die Bänder aus Kupferlegierungen produziert.
Allerdings investierte der 1902 von Heinrich Diehl gegründete Konzern aus Nürnberg, der knapp 14 000 Mitarbeiter beschäftigt, nach eigenen Angaben auch so viel wie seit Jahren nicht mehr, nämlich 80,5 Millionen Euro. 279,5 Millionen flossen in Forschung und Entwicklung.
Hohe Entwicklungskosten
Den größten Anteil daran hatte der florierende Teilbereich Luftfahrt, dessen Umsatz um 30 Prozent auf 706 Millionen Euro wuchs. Die Entwicklungskosten für die Ausstattung des Airbus A350 seien unerwartet auf einen fast dreistelligen Millionenbetrag gestiegen, sagte Vorstandsvorsitzender Thomas Diehl bei der Vorstellung des Geschäftsberichts in der Nürnberger Zentrale des Unternehmens. Einzelne Details der Flugzeugkabine habe man mehrfach verändern müssen.
Aber auch für die Rüstung gab Diehl im vergangenen Jahr viel Geld aus. Die Sparte mit rund 450 Mitarbeitern in Röthenbach und weiteren Standorten am Bodensee und im Saarland steckt in der Krise, weil viele westliche Staaten aufgrund knapper Haushalte immer weniger Geld für die Verteidigung ausgeben, so auch Deutschland. Der Umsatz sank von 726 auf 643 Millionen Euro.
Das Unternehmen macht keinen Hehl daraus, wie es den Einbußen begegnen will: „Angesichts der Kaufzurückhaltung der klassischen Kunden wird die Bedienung zugänglicher Exportmärkte künftig noch wichtiger“, heißt es in der Kurzfassung des Geschäftsberichts. Diehl wird seine Waffen verstärkt ins Ausland liefern. „Mit dem deutschen Bedarf allein kann keine Firma überleben“, erklärte der Vorstandsvorsitzende den versammelten Journalisten.
Die Metallsparte hat ihren Umsatz um 128 Millionen oder 15 Prozent auf 978 Millionen Euro gesteigert. Hintergrund sind in erster Linie die gestiegenen Metallpreise. Die am Standort Röthenbach entwickelte Legierung „CuTouch“, die Keime reduziert und sich daher vor allem für Türklinken in Krankenhäusern und Pflegeheimen eignet, soll einen neuen Absatzmarkt erschließen.
Plus bei der Messtechnik
Mit Messinstrumenten setzte das Familienunternehmen 249 Millionen Euro um, im Vorjahr waren es noch 225 Millionen. Zuwächse gab es in China, wo Diehl stark vertreten ist. Einen Rückgang verzeichnete dagegen der Bereich Steuerungstechnik – von 368 auf 339 Millionen Euro. Umsatz ist hier vor allem weggebrochen, weil der Markt für Photovoltaikmodule aus deutscher Produktion schrumpft. Das Geschäft mit Haushaltsgeräten, der sogenannten weißen Ware, konnte dies nicht kompensieren.
Thomas Diehl ist mit dem Gesamtergebnis dennoch zufrieden: „Wir haben einen kräftigen Umsatzzuwachs gemacht“. Der Rückgang bei der Wehrtechnik sei „absehbar gewesen“, sagte er. Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet der Konzern mit gleichbleibenden Zahlen: „Wir erwarten kein großes Wachstum.“

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