Charmeoffensive ZU VIERT

SCHWARZENBRUCK — Sie trägt den Hauch der guten alten Zeit in sich, ihren Charme und den Swing, den man mit New Orleans, Schellack und der Aufbruchsstimmung in Deutschland nach dem Ende des Kaiserreiches verbindet - die Jazzmusik der 20er und 30er Jahre. Ganz in ihrem Zeichen stand die Auftaktveranstaltung der Schwarzenbrucker MusikTage mit dem hochkarätigen Quartett „ZU VIERT“. Unter diesem schnell gefundenen Namen - wenn sie als Trio auftreten heißen sie „ZU DRITT“ - spielten der Saxophonist Frank Selters, Pianist Jan Luley, Bassistin Lindy „Lady Bass“ Huppertsberg und Drummer Tobias Schirmer, heuer erstmals vor der Kulisse des Petz’schen Schlosses.
Bürgermeister Bernd Ernstberger begrüßte die Gäste, darunter auch die Unterstützer der MusikTage. Erstmals lag die Veranstaltung in den Händen des Kulturnetzwerkes Schwarzenbruck, dessen neue Raumaufteilung für Bühne und Stärkungen Fritz Schneider kurz vorstellte.
Schöner hätten es die Organisatoren kaum planen können. Begleitet von der heiter-schwungvollen Jazzmusik der Band erleuchteten letzte Sonnenstrahlen die roten Sandsteinmauern und das Fachwerkgemäuer des alten Schlosses, wehte gelegentlich der Duft von Holunderblühten über die Wiese. Es war ein Wiederhören der unschlagbaren Standards von Duke Ellington bis Johnny Dodds, Gute-Laune-Musik von Ragtime bis Boogie Woogie, die an den Film „Der Clou“ erinnerten. Sie alle hätten schon in der Barrelhouse Jazz Band zusammen gespielt, verriet Senior Selters gleich zu Beginn, und dass sie sich speziell für dieses Programm wieder zusammen gefunden hätten.
Fünf unterschiedliche Saxophone hatte er an diesem Abend mitgebracht - für jedes Stück den entsprechenden Klang.
Herrlich der „Hen-Party-Blues“ bei dem Selters sein Saxophon gelegentlich einen Kiekser ausstoßen ließ - wohl der Geräuschkulisse eines Kaffeklatsches nachempfunden. Ernst, doch mit bezaubernder Leichtigkeit die anschließende „Black and Tan Fantasy“.
Dramatisch der Beginn, der in seinem strengen, getragenen Rhythmus - gespielt von Luley am Piano - wie einer der New-Orleans Jazz-Trauermärsche klingt. Von einem auf den anderen Moment ändert sich diese Stimmung, wird swingend, weich, verspielt. Piano- und Bass-Solo ziehen mit ihren Improvisationen in den Bann, um am Ende zum „Trauermarsch“-Thema und Tempo zurückzukehren. Locker, melodiös, charmant, so ließen sich die Stücke am besten beschreiben, ob nun „Some of these Days“, das Sängerin Sophie Tucker bekannt machte und Selters auf seinem sehr weich klingenden Tenorsaxophon gefühlvoll spielte, ob das wundervolle „Petit Fleurs“ von Sydney Bechet, das hier die geballte Spannung eines Tango ausstrahlte. Es machte Spaß den vieren auf ihre Improvisationsausflüge zu folgen, sei es dass Luley seine Finger über die Klaviertasten tanzen ließ und zu „Come by me“ sogar sang, Huppertsberger ihren Bass streichelte und zupfte oder Schirmer die Sticks über die Trommeln wirbelte.
Eine begeisternde Veranstaltung, deren Stimmung mit Musik und Umgebung nicht besser hätte sein können.

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