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Lokales HZ
06.06.12 17:22 Uhr

Stief bleibt bei Windkraft skeptisch

lokales(at)hersbrucker-zeitung.de

Mögliche Windkrafträder beschäftigten den Gemeinderat. Foto: J. Ruppert
Mögliche Windkrafträder beschäftigten den Gemeinderat. Foto: J. Ruppert

KIRCHENSITTENBACH - Große Verunsicherung machte sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung breit, als Bürgermeister Peter Stief über mögliche Windräder am Rande oder auf dem Gebiet sprach.

In der 17. Änderung des Regionalplans Mittelfranken sind die größeren Vorrangebiete für Windenergie bei Offenhausen und Altdorf eingetragen. Neu hinzugekommen ist eine Fläche bei Alfeld. Dieser Änderung stimmte der Gemeinderat zu und nahm auch zur Kenntnis, dass im Naturpark Fränkische Schweiz / Veldensteiner Forst, zu dem Kirchensittenbach gehört, keine Vorranggebiete ausgewiesen sind.

Aber Stief legte dar, dass seiner Meinung nach der Regionalplan schon wieder Schnee von gestern sei, weil weitere Flächen zur Windkraftnutzung von Reichenschwand und Hersbruck beantragt werden (Die HZ informierte mehrmals ausführlich, siehe auch Bericht rechts.)

Die möglichen Standorte oberhalb von Leuzenberg auf der Oberkrumbacher Höhe und zwischen Kleedorf und Großviehberg lägen beide unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Kirchensittenbach und seien aus naturschutzrechtlicher Sicht zwar keine Ausschlussgebieten, aber zumindest sensible Bereichen, so Stief. Dazu komme, dass es auch in Schnaittach eine Interessengruppe gebe, die ein Windrad auf der Bondorfer Höhe errichten lassen wollte, dort an den Grundstückseignern scheiterte und nun ihr Glück bei Grundstückseignern auf Kirchensittenbacher Gemeindegebiet versuche. Der Bürgermeister sprach von einer „Goldgräberstimmung“, die sich überall breit mache, aber von der man nicht so recht wisse, wohin sie führt. Es gebe keine klaren Regelungen, wo Windräder gebaut werden dürfen und noch sei auch das Leitungsproblem nicht geklärt. Stief plädierte für einen Gemeinderatsbeschluss für einen Mindestabstand zur Wohnbebauung: „Wir können uns nicht gegen die Windräder der Nachbarn stellen, aber zumindest den Standort beeinflussen."

Diese Aussagen wurden im Gemeinderat sehr kontrovers diskutiert. So meinte Robert Müller (UBB): „Wenn jemand in Windkraft investieren will, dann kann er das überall in Deutschland tun. Mir geht es um den Schutz der Bürger vor Beeinträchtigungen.“ Georg Scharrer (Wählergemeinschaft) meinte, jetzt alles zu blockieren, sei zu kurzfristig gedacht: „Wir brauchen noch mehr Informationen“. Lisbeth Stiegler (CSU) sagte: „Wenn rings um uns herum Windräder gebaut werden, dann haben wir ja nichts davon, z.B. keine Gewerbesteuereinnahmen.“

Bürgermeister Stief versprach, sich weiter zu informieren. Auch ein eigenes Windrad mit Bürgerbeteiligung sei noch nicht vom Tisch, wenn sich entsprechende Interessenten im Gemeindegebiet finden würden.

Keine großen Diskussionen gab es zum Antrag des Verschönerungsvereins Hohenstein, der für die Dachsanierung der Kapelle und die Komplettsanierung des Langen Hauses an der Burganlage 10 000 Euro Förderung braucht. Die rund 1,4 Millionen Euro teure Baumaßnahme, die größtenteils aus Leader-plus-Mitteln finanziert wird, soll vom Frühjahr 2013 bis zum Sommer 2015 durchgeführt werden. Noch gibt es allerdings kein Nutzungskonzept für das Lange Haus.

Das Ingenieurbüro, das den Straßenausbau in Kleedorf verantwortet, soll auch die Sanierung des Mischwasserkanals in einer Nebenstraße planen. Damit die Schüler im Sommer auch draußen Hausaufgaben machen können, werden Holztische und Bänke im Wert von 1200 Euro angeschafft, die von Bewohnern der Dorfgemeinschaft Münzinghof hergestellt werden.

Elke Bodendörfer

 

Erst mal genau messen

HERSBRUCK (gz) - Seit einem Dreivierteljahr berichtet die HZ immer wieder vom Projekt der Gemeinden Hersbruck und Reichenschwand sowie der Hewa, die Chancen eines Windrades oberhalb von Reichenschwand oder Hersbruck zu erkunden. Daran hat sich nichts geändert. Endgültige Messerergebnisse gibt es aber erst im Spätsommer.

Wie Hewa-Geschäftsführer Harald Kiesl der HZ bestätigte, waren die Messungen in den Wintermonaten erfolgversprechend, jetzt wird nochmals von Mai bis August oberhalb von Leuzenberg gemessen. Die Ergebnisse werden dann rechnerisch auf einen zweiten möglichen Standort oberhalb von Großviehberg übertragen, dazu kommen 30-jährige Daten vom Nürnberger Flughafen. Sollten die Ergebnisse positiv sein, so wollen sich die beiden Gemeinden für einen Standort entscheiden. Investor soll die Hewa sein, aber auch private Bürger aus den Gemeinden und dem Umland. Happurg und Kirchensittenbach wurden die Pläne mehrmals vorgestellt, im kleinen Kreis und bei Bürgerversammlungen.




Kommentare

Gerd Kohl, Feucht, 13.06.2012 08:26:
Alle sollten sich Gedanken machen, warum bei Wind so viele Räder still stehen.... Die Netzbetreiber schalten diese bei weniger Bedarf einfach ab. Sie verzichten auf den für sie teuren Wind-Strom. So kann manche gutgerechnete Investition ein Griff ins Minus werden. Und je mehr gebaut werden, desto mehr werden still stehen. Es werden ja nicht mal die vorhandenen voll genutzt.
margrit thom, simmelsdorf, 09.06.2012 19:45:
Hallo Frau Huber,

wo steht, daß den Anti-Windkraft-Lobbyverbänden (wo gibt es die denn ?) "etwas versprochen" wurde? Diese Aussage zeigt, daß sie mit dem Thema nicht ganz vertraut sind. Waren Sie schon einmal bei einer Sitzung des Planungsverbandes ? Dann wüßten Sie, daß mit "uns" nicht die "Anti-Windkraft-Lobby"
gemeint ist, sondern a l l e Menschen. Der Leserbrief erklärt doch ganz genau den Sachverhalt. Sachlich und präzise.Die Aussagen in diesem Leserbrief sind von Herrn Kraus nicht frei erfunden , sondern vom Planungsverband so dargestellt.
Ich kann in dem Leserbrief nicht erkennen, daß hier irgend jemandem irgend eine Meinung aufgedrückt werden soll.

Ist es nicht vielmehr so,, daß Sie eine festgefahrene Meinung haben, keinen Zentimeter von dieser abrücken und bei jeder Gelegenheit zum besten geben ? Das nervt auch und tut ein bißchen weh....
Sie sollten Ihre Scheuklappen mal aufmachen und über den Tellerrand schauen. Sie werden sich wundern, was Sie dann alles sehen.
In diesem Sinne erhellende Grüße..
Franziska Huber, Lauf, 08.06.2012 17:32:
"So hat man uns das zumindest versprochen." Herr Kraus, mit "uns" meinen sie sicher ihre Gegenwind-Initiative. Ich finde es ja schon sehr interessant, dass in einer Demokratie irgendwelchen Anti-Windkraft-Lobbyverbänden irgendwas versprochen wird. Es soll auch Leute geben, die kein Problem mit einem Windrad mit aktuell gültigem gesetzlichen Abstand von ihrem Wohnhaus haben. Bitte hören sie endlich auf damit, jedem ihre Wir-wollen-alle-kein-Windrad-Meinung aufzudrücken. Es nervt!
Wolfgang Schröpfer, Hersbruck, 08.06.2012 15:47:
Wobei ich natürlich nicht Herrn Stief meinte.
Wolfgang Schröpfer, Hersbruck, 08.06.2012 14:48:
Bravo! Ganz genau so wie Herr Kraus sehe ich das auch. Hoffentlich auch noch viele andere Bürger. Unklar ist die Motivation der Herren Bürgermeister und Ihrer Handlanger.
Elvira Schneck, Nürnberger Land, 08.06.2012 08:31:
Genau meine Meinung, recht so Herr Kraus.
Ich finde es unmöglich, was Hersbruck da zurzeit macht.
Peter Kraus, Osternohe, 07.06.2012 19:20:
Stief bleibt bei Windkraft skeptisch, ja dafür hat er wohl allen Grund.

Der Planungsverband der Industrieregion Mittelfranken sucht in Verbindung mit den Gemeinden nach geeigneten Flächen. Zielsetzung ist die Konzentration von Windkraftanlagen auf diesen Flächen um im Gegenzug alle anderen Gebiete vor Wildwuchs zu schützen. So hat man uns das zumindest versprochen. Der Planungsverband hat an alle Gemeinden in der Region mit der Tekturkarte auch umfangreiche, 17-seitige Information verschickt. Darin ist klar begründet, warum rund um Kirchensittenbach keine solchen Vorranggebiete in die Planung aufgenommen wurden. Landschaftsschutz, Naturschutz, Lage im Naturpark, Tourismus und nicht zuletzt die schwierige Abstandssituation zu Wohngebäuden sind nicht die einzigen Gründe, warum der Regionalplaner hier keine Vorrangflächen einplant.

Der Planungsverband findet besser geeignete Flächen und erfüllt somit seine Aufgabe, aber seine Arbeit und das Ergebnis wird konterkariert wenn dann jede Gemeinde mit oder ohne Genossenschaft unbedingt ein so genanntes „Bürgerwindrad“ auf eigenem Gemeindegrund bauen möchte. Das führt dann unweigerlich zur „Verpargelung“ unserer Heimat, die man doch eigentlich mit der Regionalplanung verhindern wollte. Wenn dann die Möchtegerninvestoren die Windräder möglichst weit weg vom eigenen Zentrum fast direkt an der Grenze zur Nachbargemeinde planen ohne den Nachbarn in die Planung mit einzubeziehen, zeigt das überdeutlich eine eklatante Ignoranz und Rücksichtslosigkeit.

Der Planungsverband hat jetzt in der 17. Änderung des Regionalplanes das Beteiligungsverfahren für 43 neu vorgeschlagene Gebiete eröffnet. Dazu kommen noch 28 schon vorher bestehende Gebiete. Bei insgesamt 71 Flächen in nur 4 Landkreisen hat man jetzt Konzentrationszonen für mehr als 250 Windräder. Für unsere Region ist das mehr als genug, alles andere wird mit dem Regionalplan rechtskräftig zum „Ausschlussgebiet“ erklärt, und muss es auch bleiben.

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