Sie haben die frostigen Temperaturen im Griff

HERSBRUCK (ms) - Minus 13 Grad Celsius und es wird noch kälter - Glück für den, der tagsüber im warmen Büro sitzen kann. Denn für die Mitarbeiter der Städtereinigung, der Polizei oder die Verkäufer am Wochenmarkt bedeuten die eisigen Temperaturen Bibbern und Zähneklappern im Freien. Die HZ hat nachgefragt, wie die tapferen Arbeitskräfte der Eiseskälte trotzen und welche Risiken die Kälte mit sich bringt.
Dick eingepackt in mehrere Kleiderschichten, ausgestattet mit Handschuhen, Mütze und gefütterten Schuhen treten die Müllmänner der Städtereinigung früh morgens, wenn es noch besonders kalt ist, ihren Dienst an. Durch die vielen wärmenden Schichten und die ständige Bewegung sind die Temperaturen aber zu ertragen, versichert Klaus Zagel von der Firma Karei.
Ein viel größeres Problem bei dieser Witterung sei für die Mitarbeiter, dass Schnee und Eis den Weg zu den Mülltonnen erschweren. „Die Arbeit ist für uns deutlich leichter, wenn die Anwohner die Gehwege und Einfahrten von Schnee befreien“, so der Disponent und Gefahrgutbeauftragte. Schwierig wird es für die Müllmänner auch, wenn feuchte Abfälle in der Biotonne festgefroren sind. Damit kein Rest in der Mülltonne zurückbleibt, empfiehlt Zagel, Obst- und Gemüseabfälle in Zeitungspapier zu wickeln oder spezielle Biobeutel zu verwenden.
„Noch geht s“, sagt Taxifahrer Andreas Braun über die Temperatur in seinem Auto, „20 Minuten lang bleibt s im Stand warm, dann mache ich halt den Motor wieder an und hoffe, dass die nächste Fahrt ansteht.“ Eine Standheizung hat Braun nicht in seinem Fahrzeug, aber immerhin könne er im Auto sitzen. „Mit den Stadtarbeitern und Müllmännern möchte ich nicht tauschen, jedes Teil, das die draußen anfassen, ist ja eiskalt“, meint der Taxifahrer.
Den Beamten der Hersbrucker Polizei bleibt dagegen nichts anderes übrig, als in der Kälte auszuharren. Gerade bei Unfällen, wenn sie den Verkehr regeln müssen, helfen nur warme Winterstiefel und Pudelmütze. Die Anzugsordnung schreibt im Winter außerdem ein langes Hemd und Pullover vor. „Unsere Schutzwesten wärmen auch ein bisschen und Handschuhe hat sowieso jeder Polizist immer dabei“, erklärt Florian Gerhard von der Polizei Hersbruck. Spezialkleidung gebe es in dem Sinn keine, am wichtigsten sei es, als Beamter erkennbar zu sein.
Auch den Energieversorger Hewa beschäftigen die Minusgrade: Rohrbrüche sind bei diesen eisigen Temperaturen nicht selten. Jochen Liebel, Wassermeister bei der Hewa, erklärt, wie es zu Schäden an den Außenrohren kommen kann: „Rohrbrüche passieren vor allem dann, wenn nach einer längeren Kälteperiode die Temperaturen wieder ansteigen, Grund sind die Verschiebungen der Erde.“
Besonders die Rohre an den Bergen in Hersbruck und die älteren, starren Gussleitungen seien bruchgefährdet, so Liebel. In diesem Winter hat der Wassermeister bisher aber noch keinen kältebedingten Rohrbruch erlebt. „Sobald die Temperaturen nach der Kälte aber wieder ansteigen, rechnen wir mit einigen Fällen“, meint er.
Heizung auf „Schneeflocke“
Im und am Haus sind die Leitungen ebenfalls gefährdet: Offene Kellerfenster können zum Beispiel zu eingefrorenen Wasserleitungen führen. Auch bei nicht bewohnten Zimmern oder Wohnungen sollte die Heizung nicht komplett abgedreht werden, rät der Wassermeister. Das Thermostatventil am Heizkörper sollte im Winter nie auf „Null“, sondern mindestens auf der „Schneeflocke“, also der Frostschutzfunktion stehen. Dann springt die Heizung, wenn es zu kalt wird, automatisch an und verhindert, dass die Heizungsrohre einfrieren. „Dass Gartenwasserleitungen bei diesem Wetter abgedreht gehören, weiß ja eigentlich jeder“, sagt Liebel, „ich habe es aber selbst auch schon vergessen“, gibt er zu.
In Jacke und dicke Fellmütze gepackt trotzt auch Tanja Beyer an ihrem Stand am Oberen Markt der frostigen Kälte. Bis zu sechs Stunden steht sie hier an einem Tag. Als Besitzerin eines großen Ziegen- und Hühnerhofes in Wallsdorf ist ihr die Kälte aber vertraut.
„Das ist Gewohnheitssache, man muss das Beste daraus machen“, findet sie und weiß die Kälte so gut es geht zu nutzen: Am Stand liegen eingeschweißte, gefrorene Lammkeulen. „Die habe ich heute mitgebracht, bei den Temperaturen kann ich die ja einfach im Freien lassen.“ Den Heizstrahler in ihrem Stand hat Beyer heute zum ersten Mal in diesem Jahr eingeschaltet. Nach Feierabend geht es aber schnell wieder richtig ins Warme. Wer bleibt bei diesen Temperaturen schon freiwillig länger draußen, wenn es nicht unbedingt sein muss?



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