Vorteile für Patienten und Ärzte

ALTDORF – Das Thema „Landflucht der Ärzte“ beschäftigt mittlerweile seit Jahren verstärkt sämtliche Beteiligte des Gesundheitssystems. Mit dem „Versorgungsgesetz“, das zum 1. Januar dieses Jahres in Kraft getreten ist, reagiert die Politik auf den demografischen Faktor von Patient und Arzt bei begrenzten Ressourcen – mit Maßnahmen, die nicht alle Akteure für effektiv genug erachten. Daher handeln auch die Mediziner und bilden Netzwerke, um ihre Kräfte zu bündeln, die medizinische Versorgung zu sichern und zu optimieren und die Kostenträger zu entlasten. Seit kurzem existiert auch im südlichen Nürnberger Land ein solcher Zusammenschluss. Am Dienstag Abend traten 52 niedergelassene Haus- und Fachärzte dem neu gegründeten „Gesundheitsnetz Franken-Jura (GFJ)“ bei.
Ebenso wie der Gesetzgeber mit der Tatsache konfrontiert ist, dass sich Ärzte verstärkt in Ballungszentren niederlassen, während strukturschwächere, vorwiegend ländlichere Regionen schon heute unter medizinischer Unterversorgung leiden, steht auch für die Ärzte in der Region Feucht, Schwarzenbruck, Burgthann, Leinburg, Winkelhaid, Altdorf und Umgebung fest, dass Kammern, Kassenärztliche Vereinigungen und Fachverbände künftig die notwendige Qualität der regionalen medizinischen Versorgung nicht allein als Struktur sichern können. Daher engagieren sich die Mediziner vor Ort nun gemeinsam für eine verbesserte wohnortnahe Versorgung ihrer Patienten.
Beim Gründungskonvent im Sparkassensaal Altdorf begrüßte Bürgermeister Erich Odörfer im Namen seiner anwesenden Kollegen aller Kommunen im südlichen Landkreis die beitrittswilligen Ärzte und lobte: „Die Idee und ihre Umsetzung sind beispielhaft!“ Auch er wies darauf hin, dass die Änderungen im Gesundheitswesen besondere Herausforderungen mit sich bringen. Daher sei es wichtig, dass Fachleute dieses Problem erkennen und konstruktive Lösungen suchen. „Eine Problematik wahrzunehmen ist der erste Schritt“, sie aber zielorientiert anzugehen, sei der entscheidende, so Odörfer.
Erfahrener „Coach“ informierte
Dr. Thomas Bahr, der Bruder des Bundesgesundheitsministers und in Sachen Netzgründung erfahrene „Coach“ für die interessierten Doktores, stellte das Prinzip des Gesundheitsnetzes Franken-Jura in groben Zügen vor. Er sei überwältigt von der großen Zahl der Ärzte, die sich hier engagieren wollten. Er erinnerte aber auch daran, dass die Geschäftsführerin, die Unternehmensberaterin Sabine Kramp, und er als Berater nur die Moderatoren seien, die eigentliche Arbeit hätten die Gesellschafter dieser GmbH & Co.KG, also die beteiligten Ärzte, zu machen.
Die rief er dann auch gleich dazu auf, sich rege an den Versammlungen zu beteiligen und eigene Ideen zum Wohle der Patienten und der Ärzte einzubringen. Das erste Jahr werde entscheidend sein und wichtige Weichen stellen.
Auch wolle er den Medizinern keine goldenen Zeiten versprechen, doch wolle man gemeinsam den Patienten das Gefühl vermitteln, dass man sich um eine kompetente Betreuung auf hohem Niveau bemühe.
In der Vergangenheit bereits gegründete Gesundheitsnetze haben es den Vätern und Müttern des GFJ vorgemacht: Die medizinischen Leistungsträger einer Region schließen sich zusammen, um mit einem verbesserten Angebot Vorteile für die Patienten sowie wirtschaftliche Sicherheit für die Doktoren zu erzielen und auch die Kosten für die Krankenkassen langfristig zu senken. Der Zusammenschluss hiesiger Mediziner im „Gesundheitsnetz Franken-Jura“ wurde am 16. November 2011 von 14 im südlichen Landkreis niedergelassenen Ärzten ins Leben gerufen.
Der Mensch im Mittelpunkt
„Im Mittelpunkt steht der Mensch“, fasst Dr. Andreas Hörl, niedergelassener Internist in Altdorf und Sprecher des neuen Netzes, das Prinzip aller Beteiligten des GFJ zusammen. Denn zu Grunde liegt die Angst aller Betroffenen, also nicht nur der Patienten, sondern auch der Ärzte und Vertreter anderer Heilberufe und angeschlossener Professionen, dass die ambulante Versorgung immer schwieriger wird, weil durch die gewinnorientierten medizinischen Versorgungszentren und Wirtschaftsunternehmen zunehmend die Krankenversicherungsbeiträge in die Dividende der Mitglieder statt zurück in das Gesundheitswesen fließen.
Das GFJ will durch den Zusammenschluss die Position der Heilenden, der Patienten und der Kassen optimieren. So sollen auch durch die sektorenübergreifende Vernetzung und Koordinierung des ambulanten und stationären Bereichs Möglichkeiten geschaffen werden, Diagnostik und Therapie leitliniengestützt anzubieten sowie Synergien und Wirtschaftlichkeit gewinnbringend zu erschließen.
Als Beispiel hierfür wird eine Verbesserung der Kommunikation untereinander angeführt, die unter anderem zu einer Vermeidung von Doppeluntersuchungen führt, so dass der Kranke mit einer zielgerichteten Diagnostik und Therapie begleitet wird. Besonders chronisch erkrankte und ältere Patienten profitieren von diesen abgestimmten Behandlungspfaden. Zusätzlich soll die Zusammenarbeit mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Orthopädietechnikern, Apotheken, Kassen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern intensiviert werden.
Hohe Qualität angestrebt
Unternehmensziele der GmbH sind der Aufbau von Gesundheitsdienstleistungen hoher Qualität sowie die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Mitglieder durch die Senkung der Betriebskosten, durch moderne Verwaltungstechnologien, Bildung von Einkaufsgemeinschaften und die organisierte Nutzung von Geräten und Personal.
Vorbild für das GFJ ist das „Unternehmen Gesundheit Oberpfalz Mitte“ (UGOM) mit Sitz in Amberg, dessen Geschäftsführer Dr. Thomas Bahr schon im Vorfeld der Gründung des Franken-Jura-Zusammenschlusses Hilfestellung gab. UGOM existiert seit zehn Jahren für die Region Oberpfalz-Mitte, und mittlerweile haben sich über die Hälfte der dort niedergelassenen Ärzte sowie die Krankenhäuser aus der Region angeschlossen. Im Rahmen der Kooperationsvereinbarung mit der örtlichen AOK versorgt UGOM heute mehr als 15.000 Patienten mit Zusatzleistungen, die über das Standardangebot gesetzlicher Krankenkassen hinausgehen – ein ermutigendes Vorbild für das GFJ.
Formal firmiert das Netz als GmbH & Co.KG, Geschäftsführerin ist Sabine Kramp, Sprecher ist Dr. Andreas Hörl. Dr. Thomas Rothammer, der als Jurist die Gründung der Gesellschaft betreut, erläuterte zum Abschluss der Versammlung, welche Rechte und Pflichten auf die Kommanditisten mit ihrer Unterschrift unter den Vertrag zukommen.
Er wies darauf hin, dass die Ärzte als Teilhaber der Gesellschaft maximal mit ihrer Einlage von 2000 Euro haften, ein größerer Verlust sei nicht möglich, wohl aber eines Tages ein zu versteuernder Gewinn.
Im Anschluss wurde der Beitritt von den Notaren Dr. Diana Burkhardt und Dr. Steffen Limpert juristisch vollzogen.



Anmerkung hinzufügen