Zwei Firmen, die einfach zusammenpassen
REICHENSCHWAND (ap) - Es waren zwei schwere Jahre für die Mitarbeiter der Firma Haas in Reichenschwand: Im Zuge der Krise der Automobilindustrie musste der Hersteller für Schaltgriffe, Handbremshebel und andere Interieurteile Insolvenz anmelden. Seit Juni dieses Jahres ist wieder Ruhe und Zuversicht eingekehrt. Denn die Jopp-Gruppe hat den weltweit agierenden Mittelständler mit über 500 Mitarbeitern und der Zentrale in Reichenschwand gekauft.
Als der neue Geschäftsführer Klaus Gockler nach Reichenschwand kam, fehlten Geld und einige Fachkräfte - von 91 waren noch 55 übrig. Letzteren war die Zukunft bei Haas zu ungewiss geworden. „Dabei hatten der Insolvenzverwalter und die Automobilhersteller den Wunsch, dass die Firma weiterhin besteht“, erinnert er sich. Also wurde erst unter den bestehenden Geschäftsbeziehungen nach einem Käufer gesucht und mit der Jopp-Gruppe aus Bad Neustadt an der Saale ein Treffer gelandet.
Das typisch deutsche, da eigen tümergeführte, Unternehmen kommt ursprünglich aus dem Maschinenbau, beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter und verfügt über einen Jahresumsatz von 150 Millionen Euro. Bis zum Kauf bestand die Zusammenarbeit darin, dass Jopp Integralschaum- und Spritzgussteile von Haas zu einem System verarbeitete, das dann komplett an die Autobauer geliefert wurde. Diese Kunden-Lieferantenbeziehung war am 1. Juni dieses Jahres vorbei. Jopp kaufte die Haas-Gruppe mit ihren Tochterfirmen in Tschechien, Ungarn und Mexiko aus strategischen Gründen „in vollem Umfang“ auf.
Gockler weiß, dass es auch Interessenten für nur Teile der Firma gab: „Aber für die Mitarbeiter und das Unternehmen ist es doch besser, wenn die gesamte Einheit beieinander ist.“ Denn so können die Synergien effektiver genutzt werden: Während Haas Schaltknäufe und Handbremsen produziert, stellt Jopp Kupplungen her. Jetzt kann das Duo der Autoindustrie ein gesamtes System zur Verfügung stellen. Auch der regionale Aspekt spielte beim Kauf durch die Bad Neustädter eine Rolle. „Mit Haas-Mexiko ist Jopp nun in Latein- und Mittelamerika vertreten“, erklärt Gockler. Umgekehrt gilt das beispielsweise für China. „Der Firmenverbund ist somit global aufgestellt.“
Als Klaus Gockler die Geschäftsführung antrat, fand er in Reichenschwand 55 und in den anderen Werken über 500 absolut motivierte Mitarbeiter. An deren Zahl habe sich auch durch die Übernahme nichts geändert. Gockler lobt dieses Engagement. Er sei von den Angestellten offen und gut aufgenommen worden. „Vielleicht weil ich Franke bin“, scherzt er. Seit über 35 Jahren ist der Mann aus Ebern, der sich sofort in Landschaft und kulinarische Genüsse der Hersbrucker Schweiz verliebt hat, in der Automobilindustrie tätig, immer nur bei Firmen im Wachstum. Eigentlich wollte er ein Jahr Pause machen. „Der Reiz der neuen Aufgabe war dann aber doch größer als der Drang nach Weltreisen“, sagt er.
Ganz nach dem Motto „Jammern hilft nichts, wir müssen anpacken“ entwickelte er eine Strategie, mit deren Hilfe der momentane Jahresumsatz von 25 Millionen Euro bis 2017 verdoppelt werden soll. Die bisherige Auftragslage macht Hoffnung, dass das auch klappt. Denn die Kunden kennen den Namen: „Haas ist als Marke bekannt und hat ein gutes Image“, erläutert Gockler. Daher blieb er bestehen.
Mit dem Geld der Jopp-Gruppe wurden bei Haas verstärkt Investitionen in Entwicklung und Produktion getätigt. Im Januar kommen zum Beispiel drei neue Spritzgießmaschinen mit Robotern für rund 750.000 Euro. Außerdem werden Mitarbeiter für die Bereiche Innovation und Einkauf gesucht, ebenso Auszubildende im Kunststoffspritzgießen, als Industrie-Kaufmann oder technischer Zeichner. „Das ist eine hervorragende Sache für das Dorf“, äußert sich Bürgermeister Bruno Schmidt sehr froh über die Entwicklungen.
Reichenschwand wird die weltweite Zentrale der Haas-Gruppe. Finanzen, Einkauf, Vertrieb, Entwicklung und Qualitätsmanagement sollen vom Sitz in der Nürnberger Straße (die Räume in der Rosenstraße wurden aufgegeben) aus gesteuert werden. Damit bleibt Deutschland wie bei der Jopp-Gruppe der Mittelpunkt: „Die Firmen passen einfach gut zusammen“, ist sich Klaus Gockler sicher.




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