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30.12.11 14:20 Uhr

Durchwachsenes Jahr für Land- und Forstwirtschaft

Von: Der Bote

Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf, hier bei der Hopfenfahrt, zieht für die Land- und Forstwirtschaft im Nürnberger Land Bilanz.Fotos : Märtl (1), AfL(1)
Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf, hier bei der Hopfenfahrt, zieht für die Land- und Forstwirtschaft im Nürnberger Land Bilanz.Fotos : Märtl (1), AfL(1)
Im Privatwald werden verstärkt großflächige Waldumbaupflanzungen durchgeführt.
Im Privatwald werden verstärkt großflächige Waldumbaupflanzungen durchgeführt.

NÜRNBERGER LAND – Im Jahr 2011 folgten auf sehr trockene Frühjahrsmonate ein stark verregneter Sommer, ein milder Herbst und ein extrem trockener November. „Negativ und positiv für unsere Land- und Forstwirtschaft“, wertet dies Leitender Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf in seinem Jahresrückblick auf die Land- und Forstwirtschaft im Nürnberger Land für das Jahr 2011.

Die Frühjahrstrockenheit verursachte geringe Erträge beim ersten Schnitt des Grünlandes. Daraus resultieren niedrige Heuvorräte. Bei Getreide auf den leichteren Böden und bei Raps waren ebenfalls deutliche Ertragseinbußen zu verzeichnen.

Extreme Spätfröste Anfang Mai von bis zu minus sieben Grad führten im Obstbau örtlich zu Totalausfällen und beeinträchtigten zunächst das Maiswachstum. Die Anfang Juni einsetzenden Niederschläge kamen für den Mais noch rechtzeitig und führten zu hervorragenden Erträgen. „Ein Maisjahr wie es besser nicht sein hätte können“ urteilt Behördenleiter Werner Wolf. Auch die weiteren Grünlandschnitte, die Kartoffeln, der Spargel und der Hopfen profitierten von dem Wetterwechsel und überzeugten mit hohen Ernteerträgen.

Schwieriger war es, wegen der vielen sommerlichen Regentage die Getreideernte trocken einzubringen. Das sehr unbeständige Wetter machte unseren 1076 landwirtschaftlichen Betrieben sehr zu schaffen.

Spürbarer Klimawandel

Der Klimawandel ist seit Jahren spürbar. Für Deutschland hat der Deutsche Wetterdienst seit 1901 eine Zunahme der Jahrestemperatur von 0,9 Grad Celsius ermittelt. Globale Klimamodelle zeigen, dass die durchschnittlichen Jahrestemperaturen bis zu 2 Grad Celsius weiter ansteigen. Bei den Niederschlägen wird eine saisonale Verschiebung zur Zunahme im Winter und Abnahme im Sommer erwartet. Extreme Wetterereignisse häufen sich.

Davon ist die Land- und Forstwirtschaft in besonderer Weise betroffen. Auch von der nach dem Reaktorunfall in Fukushima beschlossenen Energiewende. Die Erzeugung regenerativer Energien wird weiter zunehmen. Mit wertvoller Energie vom Acker und aus dem Wald wird die Land- und Forstwirtschaft hierzu ihren Beitrag leisten.

Kontraproduktiv sind in diesem Zusammenhang die von Agrarkommissar Ciolos zur Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik vorgelegten Vorschläge, sieben Prozent der Ackerfläche jedes landwirtschaftlichen Betriebes de facto stillzulegen. Zum Gelingen der Energiewende und Sicherstellung der Nahrungsmittelproduktion bei ständig steigender Weltbevölkerung ist jeder Quadratmeter land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche wertvoll.

Zahlreiche Besonderheiten

Das Jahr 2011 war sicher ein Jahr mit zahlreichen Besonderheiten was Wald und Forstwirtschaft anlangt. Für Harald Gebhardt, Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth war dies vor allem das von den Vereinten Nationen ausgerufene internationale Jahr der Wälder mit seinen vielfältigen und unterschiedlichsten Aktionen zum Thema Wald und Forstwirtschaft. So zum Beispiel der durch die Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land initiierte und umgesetzte erste Waldlehrpfad, dessen Informationen mittels QR-Code über das Smartphone abgerufen werden können.

Optisch sehr auffällig, durch die hervorgerufenen Schäden, war die Frostnacht vom 3. auf den 4. Mai. Stundenlange Tiefsttemperaturen von minus 6 bis minus 7 Grad haben an vielen Bäumen zum Totalverlust des Frühjahrsaustriebs gesorgt. Besonders auffällig war dies an Eschen, Buchen, Tannen aber auch Eichen zu beobachten.

Die in der anschließenden Vegetationsperiode für Wälder günstige Witterung mit immer wiederkehrenden ergiebigen Niederschlägen hat dafür gesorgt dass diese Schäden von den Bäumen gut kompensiert werden konnten und die Wälder im Herbst generell in sehr guter Verfassung waren. Auch wenn aufgrund der immer wiederkehrenden Sommerniederschläge das Jahr 2011 für viele subjektiv empfunden ein vermeintlich eher nasses Jahr war, zeigen die Messwerte an der Waldklimastation bei Ungelstetten ein ganz anderes Bild.

Die Niederschläge liegen hier deutlich unter den langjährigen Mittel wobei die Jahresdurchschnittstemperaturen gleichzeitig sich wesentlich über den langjährigen Mittel bewegten, so Gebhardt weiter.

Waldumbau schreitet voran

Bei Waldumbau und Pflege junger Wälder haben die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in diesem Jahr einen gewaltigen Schritt vorwärts getan. Die Forstfachleute am Amt freut es insbesondere, dass der nicht aus Katastrophen resultierte Waldumbau erheblich zugenommen hat und von den Privatwaldbesitzern auch größere zusammenhängende Flächen mit Mischbaumarten angereichert wurden. Allein die finanziell geförderten Waldumbaumaßnahmen haben sich innerhalb eines Jahres auf 120 ha verdreifacht. Dies bedeutet, dass über 400 000 junge Bäumchen von den Waldbesitzern gepflanzt wurden.

Mehr junge Waldbestände

Auch die finanzielle Förderung bei der Pflege junger Waldbestände hat sich enorm gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahr ist hier die Fläche um das Vierfache angestiegen. Dies ist besonders erfreulich betont Gebhardt, da bei diesen jungen Waldbeständen die Weichenstellungen für ein ganzes Bestandsleben und somit für einen Zeitraum von bis zu 200 Jahren vorgenommen werden.

Hier ist es notwendig, bei Nadelholzbeständen die Stabilität zu sichern und zu erhalten. In Laubbeständen steht die Qualitätssicherung im Vordergrund. Insgesamt können durch solche Maßnahmen wichtige Mischbaumarten und damit die Vielfalt in den Wäldern gesichert werden.

Eine sehr hohe Nachfrage nach Holz in allen Bereichen sorgt das ganze Jahr über für gute Absatzmöglichkeiten und gute Holzpreise.

Ein großer Erfolg im Jahr 2011 war auch die Sicherung der Dienststelle Hersbruck des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth. Durch den Umzug in das ehemalige Finanzamtsgebäudes stehen kompetente Ansprechpartner der Land- und Forstverwaltung vor Ort zur Verfügung.

Die Neueinrichtung des Fachzentrums für Rinder- und Milchviehhaltung trägt ebenfalls zur Stärkung und Unterstützung dieses wichtigen Betriebszweiges bei.

Insgesamt wurden von 346 Betrieben im Landkreis noch 7390 Kühe gehalten.

Weiterhin konnte unter Federführung des Amtes das Netzwerk „Junge Eltern/Familie gegründet werden.

Dies setzt sich aus Diätassistentinnen, Hebammen, Apothekern und Mitarbeitern in Sportvereinen, Gesundheits- und Jugendamt, Mütter- und Familienzentrum zusammen. Im Mittelpunkt steht die Unterstützung und Beratung für junge Familien u.a. in wichtigen Ernährungsfragen.




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