30 Prozent weniger CO2
FEUCHT – Der Markt Feucht hat ein integriertes Klimaschutzkonzept erstellen lassen. Die ersten Ergebnisse wurden im Bauausschuss vorgestellt. Im Laufe des nächsten Jahres sollen in Vertiefungsgruppen mit Bürgerbeteiligung konkrete Maßnahmen entwickelt und zeitnah umgesetzt werden.
Peter Heimann von der Energieagentur Nordbayern und Thomas Janker vom Institut für Energietechnik an der Hochschule Amberg-Weiden erläuterten die Ergebnisse. Bei der Energie- und CO2-Bilanz stellten sie fest, dass der Markt Feucht bereits einige wegweisende Schritte für den Klimaschutz eingeleitet hat. Zum Beispiel haben die Feuchter Gemeindewerke das Erdgasnetz ausgebaut, und die Gemeinde nutzt das Klärgas, das in der Kläranlage entsteht, um Strom und Wärme zu erzeugen. Regenerative Energieerzeugung im privaten Bereich und der Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung ergänzen diese Aspekte.
Der Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein sorgt für einen bedeutenden Endenergieverbrauch und CO2-Emissionen. Das Feuchter Gebiet im GNF wurde bei dem Klimaschutzkonzept berücksichtigt. Hier sind zum Beispiel Rechenzentren mit hohem Stromverbrauch ansässig.
Durch die sehr gute S-Bahn-Anbindung an den Großraum Nürnberg existiert eine umweltfreundliche und zeitsparende Alternative zum motorisierten Individualverkehr, stellten die Experten fest.
Im Markt Feucht ist der Endenergieverbrauch des Jahres 2009 zirka neun Prozent niedriger als noch 2000. Dies ist ihrer Ansicht nach ein Zeichen für zunehmende Energieeffizienz in den Bereichen Wohnen, kommunale Liegenschaften, Gewerbe und Industrie. Die CO2-Emissionen im Jahr 2009 bewegen sich annähernd auf dem Niveau des Jahres 2000. Dies ist durch den starken Anstieg des Stromverbrauchs in Industrie und Gewerbe zu erklären.
Die größten Potenziale zum Energieeinsparen sehen Heimann und Janker bei Industrie- und Gewerbebetrieben sowie privaten Haushalten. Deutlich weniger Handlungsbedarf besteht ihrer Meinung nach bei den Liegenschaften des Marktes Feucht und der Feuchter Gemeindewerke. Die Gründe: Gemeinde und FGW sind hier bereits tätig geworden und haben den Energiebedarf gesenkt. Zum anderen haben sie nur einen sehr geringen Anteil am Gesamtenergieverbrauch.
In dem Konzept werden für die verschiedenen Sparten konkrete Maßnahmen genannt, mit denen Energie gespart und der Ausstoß an Kohlendioxid reduziert werden kann. Bei den privaten Haushalten wird der Sanierung der Gebäudehülle eine entscheidende Rolle zugeschrieben. Bei einer realistischen jährlichen Sanierungsrate von drei Prozent könnten pro Jahr 7123 Tonnen CO2 eingespart werden.
Neben dieser Reduzierung im thermischen Bereich kann auch der Bezug elektrischer Energie heruntergefahren werden: Zirka zehn Prozent des privaten Stromverbrauchs fallen an, weil Geräte im Stand-by-Modus (Ruhebetrieb) gehalten und nicht vollständig ausgeschaltet werden. Moderne verbrauchsarme Kühl- und Gefrierschränke, energieeffizientes Waschen und der Einsatz von leichtungsgerechten Pumpen zur Heizungsumwälzung können zu einer CO2-Einsparung von etwa 2469 Tonnen pro Jahr führen.
Heiztechnik optimieren
Zirka 4471 Tonnen Kohlendioxid weniger könnten durch thermische Einsparmaßnahmen in Industrie und Gewerbe verursacht werden. Geeignete Maßnahmen sind hier laut Konzept unter anderem: Rohrleitungen besser zu dämmen, die Heiztechnik den benötigten Prozesstemperaturen anzupassen, zur Hallenbeheizung Strahlungsheizungen einzusetzen, die Dimensionierung von Heizkesseln zu optimieren und Wärme in Nahwärmeverbünden zu nutzen.
Das elektrische Einsparpotenzial beziffern die Experten auf etwa 11.938 Megawattstunden pro Jahr. Dazu beitragen könnten Unternehmen zum Beispiel, indem Lüftungs-, Klima- und Kälteanlagen oder Beleuchtung optimiert werden.
5600 Tonnen CO2 sind ihrer Ansicht nach beim Verkehr einzusparen. Bürger müssten noch stärker auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen – die Anbindung an S-Bahn und Bus sind schließlich gut. Außerdem sollten sie dazu das Radwegenetz weiter nutzen. Pkw-Fahrer könnten auf alternative Treibstoffe umsteigen, Sprit sparend fahren oder einen Wagen mit Wasserstofftechnologie oder Elektromotoren anschaffen. Der Markt Feucht leistet einen Beitrag, um Elektromobilität zu fördern: Er beschloss in Zusammenarbeit mit den FGW Elektrotank- stellen einzurichten (wir berichte- ten).
Die meisten Handlungsmöglichkeiten im Bereich erneuerbaren Energien innerhalb des Marktes Feucht bestehen bei Photovoltaik und Solarthermie. Auch Biomasse könnte noch stärker genutzt werden. Keine hohen Potenziale gibt es laut Konzept bei der Gewinnung elektrischer und thermischer Energie aus anderweitigen erneuerbaren Ressourcen.
Die FGW investieren regelmäßig in neue Anlagen für erneuerbare Energien. So bieten sie seit langem „Feucht-Öko“ als Produkt an, eine CO2-freie Alternative zum normalen Strommix. Der Ökostrom aus Wasserkraft wird extern bezogen und zu einem großen Teil für Liegenschaft des Marktes Feucht und der Gemeindewerke verwendet. Die FGW ist außerdem an On-Shore-Windkraftanlagen (Anlagen auf dem Land und nicht im Meer), so zum Beispiel am Windpark Zieger nahe Neumarkt.
Die Energieexperten haben festgestellt, dass mit all diesen vorgeschlagenen Maßnahmen der momentane CO2-Ausstoß im Markt Feucht um rund 30 Prozent reduziert werden könnte.
Bei diesen ersten Ergebnissen des integrierten Klimaschutzkonzeptes soll es nicht bleiben. Anfang kommenden Jahres werden Auftaktveranstaltungen zu den verschiedenen Sektoren wie Industrie und Gewerbe oder private Haushalte stattfinden. Danach werden Vertiefungsgruppen gebildet, die Maßnahmen erarbeiten, um den Ist-Zustand zu verbessern. Diese Vorschläge werden in den gemeindlichen Gremien diskutiert und bei Veranstaltungen öffentlich vorgestellt. Als Ergebnis soll ein Aktionsplan entstehen, aus dem konkrete Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden.
Schon Ende 2012 will man das Klimaschutzkonzept abschließen, informierte Stefanie Heussler, die im Bauamt für Umweltangelegenheiten zuständig ist. Das Bundesumweltministerium fördert das Konzept und übernimmt 60 Prozent der Kosten, die für die Erstellung anfallen.
Mitglieder des Bauausschusses bezeichneten den Zeitplan als sehr ehrgeizig, begrüßten das Konzept aber. Lothar Trapp (SPD) erkundigte sich, inwieweit der Markt Feucht bei der Umsetzung mit dem Landkreis zusammenarbeiten wird. 1. Bürgermeister Konrad Rupprecht sagte dies zu. Der Landkreis ist derzeit allerdings erst dabei, die erforderlichen Daten zu erfassen, was bei der Größe des Nürnberger Landes einige Zeit dauern wird.
Gerd Steuer (UCS) hofft auf eine große Resonanz bei den Auftaktveranstaltungen. Als Vorsitzender des Umweltbeirats erwartet er, dass sich viele Mitglieder dieses Gremiums daran beteiligen.
Thomas Schneele (CSU) findet es gut, dass „die öffentliche Hand eine Vorreiterrolle“ übernimmt. Wie erfolgreich das Konzept umgesetzt wird, hänge vor allem an Gewerbetreibenden, der Industrie und den Privathaushalten.
Mit dem Maßnahmenkatalog ist das Ziel für Lothar Trapp noch nicht erreicht. Er hält es für wichtig, dass es für die fortlaufenden Maßnahmen auch ein „Controlling“ gibt. Sonst könne man das angestrebte Ziel nicht erreichen.



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