Konzept für Klima

NÜRNBERGER LAND — Das Thema „Energie“: Es ist für Kommunen, Unternehmen und Privatleute eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte. Um Einsparmöglichkeiten aufzuspüren und herausfinden, wo und wie regenerative Energien ausgebaut werden können, hat der Landkreis Nürnberger Land nun ein „Integriertes Klimaschutzkonzept“ in Auftrag gegeben. Bei der Auftaktveranstaltung gestern im Landratsamt wurde deutlich: Auf die 27 Städte und Gemeinden des Landkreises kommen erstmal eine Menge „Hausaufgaben“ zu.
„Wir wollen sichere, saubere und bezahlbare Energie“, betonte Landrat Kroder eingangs vor einer großen Runde aus Bürgermeistern, Amtsleitern und Unternehmens-Vertretern. Ein „wohl dreistelliger Millionenbetrag“, so die Schätzungen Kroders, fließe aus dem Landkreis jährlich für den Kauf von Energie ab. Grund genug also, den Verbrauch von Strom, Gas und Öl auf den Prüfstand zu stellen.
Der Landkreis und seine Kommunen seien hier zwar schon tätig – Kroder nannte als Beispiele die energetische Sanierung von Gebäuden oder die geplante zweite Photovoltaikanlage auf der ehemaligen Kreismülldeponie –, mit dem Klimaschutzgutachten will man jedoch einen großen Schritt weiter gehen und nicht nur kommunale Liegenschaften, sondern auch private Haushalte, die Industrie und nicht zuletzt das Thema „Verkehr“ gesammelt unter die Lupe nehmen. Der Landrat warnte aber zugleich vor Investitionen in regenerative Projekte um jeden Preis: „Wir müssen uns vor Exzessen hüten.“
Was das „Integrierte Klimaschutzkonzept“ für die Kommunen genau bedeutet, erläuterte Professor Markus Brautsch, Chef des „Instituts für Energietechnik (IFE)“ an der Hochschule Weiden. Das IFE erstellt jährlich rund 120 Energiestudien für Kommunen (zuletzt haben Brautsch und sein Team ein solches Konzept für die Stadt Lauf ausgearbeitet) und etwa 50 für Firmen. Am Anfang steht immer eine „Situationsanalyse“, in der es gilt, akribisch Unmengen von Daten zu sammeln: Welche Unternehmen gibt es vor Ort und wie groß ist ihr „Energiehunger“? Wie ist der bauliche Zustand der gemeindeeigenen Gebäude? Wie alt sind die privaten Wohnhäuser im Schnitt? Wie viel Verkehr gibt es im Ort?
Anhand dieser Daten entsteht für jede Kommune ein „Steckbrief“, der unter anderem Aussagen darüber liefert, wie hoch der CO2-Ausstoß einer Kommune ist. Im Fall von Lauf beispielsweise haben Brautsch und sein Team einen Wert von 9,2 Tonnen CO2 pro Einwohner im Jahr ermittelt. Schon im Februar 2012 soll diese „Faktensammlung“ abgeschlossen sein, so Markus Brautsch, der deshalb auch an die Gemeindevertreter appellierte, die entsprechenden Fragebögen detailliert und zeitnah auszufüllen.
In weiteren Schritten wird dann überprüft, wo Einsparpotenziale liegen beziehungweise wo auf erneuerbare Energien umgestellt werden könnte. Konkret wird hier zum Beispiel geprüft, wie viel Holz als nachwachsender Rohstoff zur Verfügung steht. Gibt es Abwärme, die bislang ungenutzt verpufft? Auch „Wärmeverbundnetze“ oder die Dimensionierung von Photovoltaikanlagen sind dabei Thema. So haben die Experten beim Klimaschutzgutachten für Lauf festgestellt, dass das Biomassepotenzial schon so gut wie erschöpft ist, während es bei Windkraft noch große Entwicklungsmöglichkeiten gibt.
Zum Ende hin wird dann ein Maßnahmenplan für die nächsten 20 Jahre entwickelt, in den auch Fördermöglichkeiten durch Freistaat und Bund einfließen. Die Energieberatungsagentur des Landkreises, ENA, wird als Vermittler zwischend den beteiligten Kommunen und den Experten der Hochschule Weiden fungieren. „Wir müssen die Bevölkerung auf diesen Weg mitnehmen“, betonte Landrat Kroder zum Schluss. Denn nicht zuletzt müssten die Landkreis-Bürger zu Investitionen in regenerative Energien oder Wärmedämmung motiviert werden. Doch jetzt sind erst einmal die 27 Landkreis-Kommunen am Zug.



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