Mit der Uno zum Ziel?
Nächsten Freitag feiert der Verein „Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen Nürnberger Land“ ab 16 Uhr in der Sparkasse Lauf seinen 20. Geburtstag. Mit dabei sind u.a. die bayerische Behindertenbeauftragte Irmgard Badura sowie Professor Dr. Hans Wocken, führender Wissenschaftler für Integrationspädagogik. Die Diplom-Pflegewirtin Ulrike Ruppert aus Eschenbach ist Mitgründerin und immer noch Vorsitzende des Vereins.
Herzlichen Glückwunsch. Außer Ihrem Vereinsjubiläum können Sie ja auch noch feiern, dass Ihre Ziele Allgemeingut werden.
Ulrike Ruppert: Das tut uns betroffenen Eltern schon gut. Vor 20 Jahren waren wir mit unseren Ideen, dass behinderte Kinder den Regelkindergarten und die Grundschule besuchen sollten, Außenseiter. Jetzt ist dies auch in Bayern zumindest im Grundsatz im Schulgesetz angekommen, auch wenn die flächendeckende Umsetzung noch ein weiter Weg ist. Darum soll es bei den „Laufer Gesprächen“ am 19. 10., 20 Uhr, in der Stadtbücherei gehen.
Das neue Wort „Inklusion“ (Einschluss, Einbeziehung) jedenfalls geht auch im Landkreis den Politikern schon schmerzlos von den Lippen. Dank der Uno?
Richtig, Deutschland hat 2009 die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben. Die Inklusion von Menschen mit Behinderung in alle gesellschaftlichen Bereiche ist damit auch bei uns ein Menschenrecht.
Schauen wir aber mal den Landkreis an: ein Treppenlift für die Alfelder Grundschule dank eines offenherzigen Gemeinderats und privater Spenden, eine Schulbegleiterin für ein autistisches Kind in Velden dank guter Behördenzusammenarbeit und erste Grundschulen in Lauf, die Integration proben: Alltag ist das noch nicht, vor allem die Kosten sind ungeklärt.
Selbst das war früher undenkbar und wir können von anderen Ländern und Bundesländern lernen. Das Schulamt strebt z.B. jetzt eine Kooperation mit dem Bezirk Reutte in Tirol an. Mit den österreichischen Eltern dort waren wir schon vor 15 Jahren vernetzt. Damals wanderte sogar eine Familie mit einem behinderten Kind von hier nach Reutte aus, weil es bei uns keine integrativen Schulangebote gab. Heute können die Eltern das leichter durchsetzen. Zu den Kosten: Barrierefreiheit muss bei Baumaßnahmen Standard sein, sie nutzt ja auch älteren Menschen oder Eltern mit Kinderwagen. Betrachtet man die gesamten Ausgaben für Menschen mit Behinderung, kommt eine Beschulung vor Ort oder Arbeit in einem regulären Betrieb nicht teurer als zentrale getrennte Behinderteneinrichtungen.
Stichwort Beruf: Ihre eigene Tochter hat Down-Syndrom und arbeitet heute im Pflegebereich eines Altenheimes.
Und sie fühlt sich da sehr wohl. Die von uns gegründete gemeinnützige GmbH ACCESS (Zugang) hilft Menschen mit Behinderung in privaten Firmen. Integrationsbegleiter besprechen mit den Unternehmen, welche Tätigkeiten für die Betreffenden geeignet sind und welche Unterstützung nötig ist. Dann wird das drei Monate in einem Praktikum getestet und danach können beide Seiten sich entscheiden. Die Vermittlungsquote liegt bei zwei Dritteln und wir haben schon einige Firmen im Landkreis, die mit uns kooperieren.Interview: Walter Grzesiek
Mehr Infos unter: www.gemeinsamleben-nuernbergerland.de




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