Manchmal muss Therese auch schimpfen

NÜRNBERGER LAND – Sie machen vieles möglich und sind besonders für Menschen mit Behinderung Motivation und Stütze zugleich: Hunde. Sie motivieren, trösten, verstehen, sie schaffen Entspannung und Sicherheit, lenken ab und bieten Gesprächsstoff. Schon seit 2005 wird in den Lebenshilfeeinrichtungen Dr. Bernhard Leniger Schule, Förderstätten am Haberloh und in den Moritzberg-Werkstätten mit Hunden gezielt tiergestützt gearbeitet.
Vier Therapiehunde sind während des ganzen Tages in den Einrichtungen: Die quirlige Rosi, eine französische Bulldogge in den Förderstätten, die Labradorhündin Lina in der Schule und die beiden gelben Labradorhündinnen in den Werkstätten, um die es in dieser Geschichte gehen soll. Da ist einmal die schon etwas ältere, ruhige und eher zurückhaltende Emma und die immer freundliche und stets hungrige Molly, die aus einer langen Linie erfolgreich eingesetzter Therapiehunde stammt. Als Therapiehunde gehen Emma und Molly auf alle Menschen freundlich, sicher und sehr interessiert zu.
Therese Schmidt ist 46 Jahre und arbeitet seit 1991 als betreute Mitarbeiterin in der Produktion der Moritzberg-Werkstätten. Therese Schmidt hat darüber hinaus eine weitere wichtige Aufgabe. Täglich um 11 Uhr holt sie die beiden Hündinnen zum „Gassigehen“ ab. Am Zwinger wird sie von Emma und Molly schon mit einem sehnlichen „na endlich“ begrüßt. Bevor es losgeht, leint sie die beiden selbstständig an. Nach dem Gassigehen freuen sich Hunde schon auf Suchspiele, die Therese inzwischen auch fast allein verantwortet. Therese achtet dabei immer dass es „ihren Hunden“ gut geht. Deshalb füllt Therese beiden abschließend noch frisches Wasser in den Napf. Jetzt wäre „die Einheit im Freien“ für Therese eigentlich beendet.
Selbstbewusstsein gestärkt
Doch dann und wann erklärt Emma das Biotop hinter den Moritzberg-Werkstätten zu ihrem hauseigenen Swimmingpool und Molly stutzt die Teichrosen des Werkstattleiters nach ihren Vorstellungen zurecht. „Nein, ihr blöden Hunde“ – hört man zeitgleich Thereses Schrei des Entsetzens, dem eine intensive Trocknungsaktionen folgt, die während der Prozedur von Thereses Gezeter begleitet wird. Die Hunde sind stets begeistert bei der Sache und Thereses schlechte Laune hält auch nicht lange an. Sie ist wahnsinnig stolz, so selbständig mit den Hunden unterwegs zu sein. Sie genießt die Aufmerksamkeit der Werkstattmitarbeiter. Als besonders tier-, vor allem hundeliebend, war Therese Schmidt von Anfang an von Emma und Molly begeistert. Am Beispiel von Therese Schmidt lässt sich stellvertretend auch für andere Behinderte, mit denen ebenfalls gruppen- sowie einzelfallbezogen mit Therapiehunden gearbeitet wird zeigen, wie positiv unterstützend Hunde wirken können, erklärt Diplom Sozialpädagoge Peter Rump, der auch eine mehrjährige Fortbildung zur tiergestützten Therapie mit Hunden absolvierte. Zufrieden zeigt er sich mit dem Ergebnis der tiergestützten Therapie bei Therese Schmidt: „Durch ihre Aufgaben mit den Hunden ist Thereses Sicherheit immens gewachsen. Vorher zeigte sie sich bei allein zu bewältigenden Aufgaben und Situationen oftmals ängstlich und war emotional unsicher.“ Durch den selbstständigen Umgang mit Hunden hat sie ein großes Stück an Selbstbewusstsein gewonnen. Heute erklärt Therese Schmidt jedem Besucher selbstbewusst ihr Aufgabengebiet. Ein altes Sprichwort sagt: Gute Freundschaft muss man pflegen – diese Freundschaft ist dann sicher von Dauer, so wie zwischen Emma, Molly und Therese.



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