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Lokales PZ
28.01.11 10:46 Uhr

Regenerativ nie aus eigener Kraft

Von: Clemens Fischer

Prof. Markus Brautsch (stehend) bei seinem Vortrag. Links Assistent Maximilan Conrad, rechts der Laufer Energiefachmann Knaur, dazwischen Bürgermeister Bisping.
Prof. Markus Brautsch (stehend) bei seinem Vortrag. Links Assistent Maximilan Conrad, rechts der Laufer Energiefachmann Knaur, dazwischen Bürgermeister Bisping.
143 Millionen Kilowattstunden Strom werden in Lauf im Jahr verbraucht, 40 Prozent in Privathaushalten.
143 Millionen Kilowattstunden Strom werden in Lauf im Jahr verbraucht, 40 Prozent in Privathaushalten.
Der rote Balken zeigt die derzeitige Heizenergie für Lauf. Durch Einsparungen (grau) und alternative Energiequellen (gelb) könnte sie bis 2030 auf ein Drittel sinken.
Der rote Balken zeigt die derzeitige Heizenergie für Lauf. Durch Einsparungen (grau) und alternative Energiequellen (gelb) könnte sie bis 2030 auf ein Drittel sinken.

LAUF — Fast eine Million Megawattstunden Energie verbrauchen die Laufer im Jahr zum Heizen, zum Arbeiten, zum Autofahren oder für Licht und elektrische Maschinen. 250000 Tonnen CO2 werden dadurch von Privathaushalten, Gewerbe, Industrie und Kommune in die Luft geblasen, 9,2 Tonnen pro Einwohner. Bis 2030, so der von der Allianzmehrheit gefasste Grundsatzbeschluss des Laufer Stadtrates, soll Lauf 100 Prozent mit regenerativer Energie versorgt werden, also kein Gramm CO2 mehr ausstoßen. Theoretisch ist das zwar möglich, praktisch allerdings nur, wenn nach Ausschöpfung aller Potentiale in der Stadt, von Dämmung bis Windkraft, noch die Hälfte der jetzt verbrauchten Energie aus externen regenerativen Quellen zugekauft wird.

Dies ist das Ergebnis eines nach einem Jahr Arbeit fertig gestellten integrierten Klimaschutzkonzeptes (ISK) für die Stadt, das die Grundlage auf dem Weg zur von Bisping postulierten 100-Prozent-regenerativen-Energiekommune bildet. In einem gleichermaßen informativen wie auch für Laien verständlichen Vortrag stellte Professor Markus Brautsch von der Hochschule Amberg/Weiden das Konzept mit vielen Zahlen und Erkennnissen im Laufer Rathaus erstmals öffentlich vor. Weil sich Lauf sehr früh angemeldet hatte, wird das ISK, das beispielsweise auch die Einstellung eines Umweltmanagers vorsieht, vom Bundesumweltministerium mit 80 Prozent gefördert. Inzwischen hat der Umweltausschuss der Stadt dem Konzept auch schon zugestimmt.

Mit drei Worten hatte Bürgermeister Bisping bei der Vorstellung noch einmal die Laufer Ziele des künftigen Energieeinsatzes aufgezählt: Weniger, effektiver und alternativ, so der Bürgermeister, laute das Credo der Nachhaltigkeit. (Noch) nicht erörtert wurde bei der Verstellung, wie Privatleute und Gewerbe, die 95 Prozent der gesamten Energie in Lauf verbrauchen, zum Energiesparen oder zum Ausbau regenerativer Energiequellen gebracht werden sollen.

Wie gigantisch die Aufgabe einer 100-Prozent-regenerative-Energiestadt ist, machte die Zusammenfassung von Prof. Brautsch überdeutlich. Selbst wenn alle Einspar- und Erzeugungspotentiale im Stadtgebiet ausgeschöpft werden, schafft man nur eine Einsparung von etwas über 100000 Tonnen CO2. Pro Einwohner werden dann immer noch 5,1 Tonnen CO2 im Jahr erzeugt. Vor allem weil im Verkehrsbereich nur von einer Einsparung von zehn Prozent in 20 Jahren ausgegangen wird und hier konventionelle Energieträger wie Erdöl weiter Hauptbestandteil sein werden. In den rund 6000 Laufer Wohngebäuden, in der Industrie und im Handwerk, könnten bis 2030 theoretisch fast zwei Drittel der heutigen Energie eingespart oder in Lauf regenerativ erzeugt werden, wie der Wissenschaftler errechnet.

Wenn nicht gekleckert, sondern geklotzt wird allerdings nur, wenn alle mitmachen und viel Geld investieren und damit 17 Hektar neue Solaranlagen auf Laufer Dächern entstehen und mindestens fünf 190-Meter-Windräder der 3-Megawatt-Klasse errichtet werden, wie Brautsch zwei Beispiele aufzählt. Dabei so der Wissenschaftler, habe er versucht konservativ zu rechnen, um wirklich auch praktisch umsetzbare Vorschläge unterbreiten zu können.

Ausgangsbasis für alle Sparpotentiale bilden dabei die ermittelten Ist-Verbräuche in Industrie und Privathaushalten. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass die Industrie in Lauf 55 Prozent des Stroms und 45 Prozent des Erdgases verbraucht, dass in 50 Prozent der Privathaushalte Öl und in vier Prozent Biomasse verfeuert wird und, dass zusätzlich in der Stadt noch 2700 Einzelöfen (Kaminöfen) brennen. Oder dass beispielsweise 80 Prozent der Industrie mit Erdgas heizt und produziert. Und in der Studie finden sich zusammengezählt die Leistung der Photovoltaikanlagen in Lauf (1,7 Megawatt pro Jahr) und der Solarthermieanlagen (1,6 Megawatt).

Wo sieht das Gutachten nun die höchsten Einsparpotentiale: In der Wärmedämmung in Privathäusern in allererster Linie. Würden alle alten Wohnhäuser der Stadt auf den Dämmstandard von 1990 gebracht, ließen sich rund 30000 Tonnen CO2 sparen, durch den Einsatz von Energiesparlampen und neuen sparsamen Geräten in allen Haushalten könnte man 9000 Tonnen CO2 einsparen. Die Totalsanierung aller öffentlicher Gebäude dagegen bringt „nur“ 2300 Tonnen CO2 -Ersparnis, während nur 20 Prozent weniger Heizung bei der Industrie (Dämmung vor allem bei Hochtemperatur-Keramiköfen) und 25 Prozent weniger Stromverbrauch in der Industrie CO2-Einsparungen von rund 17000 Tonnen bringen würden. Maximal zehn Prozent könnte bis 2030 beim Verbrauch der Autos und Lkw in Lauf gespart werden, was 8300 Tonnen CO2 weniger bedeutete.

Kohlendioxid wird natürlich auch eingespart, wenn die Energie statt mit konventionellen Brennstoffen wie Erdöl oder Erdgas, mit Sonnen- oder Windkraftwerken erzeugt wird. Prof Brautsch sieht hier folgende Potentiale: Etwa 20 Prozent aller Laufer Dachflächen sind nur für eine Sonnenenergienutzung geeignet. Das wären immerhin noch 172000 Quadratmeter, oder 17 Hektar oder 30 Fußballfelder. Würden hier überall Photovoltaik- und Solarthermieanlagen gebaut, ergäbe sich eine CO2-Einsparung von rund 9500 Tonnen. Das Doppelte, nämlich 19000 Tonnen CO2, könnte laut Gutachten mit Windenergie in Lauf eingespart werden. Dazu notwendig wären allerdings fünf 190-Meter-Windräder, die im Gutachten als langfristiges Potential für Lauf gesehen werden. Für den Bau der Solaranlagen wären fast 40 Millionen Euro notwendig, die Windräder würden Investitionen von rund 20 Millionen bedeuten. Das Brennholz (nicht gerechnet Stammholz für die Sägewerke) aller Wälder in Lauf hat ein Einsparpotential von 7500 Tonnen CO2 und Biomasseerzeugung auf 25 Prozent aller Äcker und Wiesen der Stadt plus die Gülle aus den Ställen der Bauern in Lauf könnte über Biogasanlagen nochmal 8600 Tonnen CO2 einsparen. Vergleichsweise gering ist das Potential von zwei zusätzlichen Wasserkraftwerken in der Pegnitz, am Wehr Wasserbrücke und am Museum, mit einer Gesamtstromausbeute von 900 Megawatt im Jahr, was einer CO2 -Ersparnis von 1200 Tonnen entspräche.




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