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29.06.11 14:24 Uhr

Identität stärken und klares Image schaffen

Von: Lorenz Märtl

Die verwirrende Vielfalt der Begriffe soll von einer griffigen und einprägsamem Dachmarke entzerrt werden.
Die verwirrende Vielfalt der Begriffe soll von einer griffigen und einprägsamem Dachmarke entzerrt werden.

NÜRNBERGER LAND — Mit der Schaffung der Abteilung Kreisentwicklung, deren Leiter der frühere Kreiskämmerer Bernd Hölzel ist, hat der Landkreis Nürnberger Land deutlich gemacht, dass man mit Verwalten allein im zunehmenden Wettbewerb der Gebietskörperschaften nicht mehr bestehen kann. Bernd Hölzel brachte es in der Kreistagssitzung so auf den Punkt: „Man braucht eine unverwechselbare Oberfläche.“ Vor diesem Hintergrund liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Abteilung Kreisentwicklung derzeit bei den Themen Markenbildung, Tourismuskonzept und Integriertes Klimaschutzkonzept. Wie weit man in den einzelnen Bereichen ist und welche Maßnahmen anstehen, stand im Mittelpunkt der Informationen, die Hölzel dem Gremium vorstellte.

Derzeit, so Hölzel, sei das Nürnberger Land „die Region der vielen Namen“, die für die einzelnen Nutzer sehr verwirrend sei: Landkreis Nürnberger Land, FrankenPfalz, Frankenalb im Nürnberger Land, alb aktiv, Hersbrucker Schweiz, Schwarzachtal usw. Um hier eine klare Identifikation zu ermöglichen, plane man eine Dachmarke, die sowohl die Identität stärke als auch ein klares Image schaffe, Identität bei der Landkreisbevölkerung, den Unternehmern und den Entscheidern und Image bei den Multiplikatoren, Naherholern, Touristen und Investoren.

Ziel, so Hölzel, müsse es sein, mit dem Nürnberger Land etwas Unverwechselbares zu verbinden.

Diesen Markenbildungsprozess habe man nun angestoßen und er sei überzeugt, in einer Agentur aus Kronach (modularCommunications, Daniela Klier) den richtigen Partner gefunden zu haben, der schon mehrere Prozesse dieser Art erfolgreich durchgeführt und abgeschlossen hat.

Auftakt am 30. September

Hölzel skizzierte den Kreisräten kurz den Projektsteckbrief der Markenbildung. Derzeit befindet man sich in der Analysephase und erarbeite das Konzept der Entwicklung des Markenprozesses. Die einhergehende Befragung der Bürgermeister und die Blitzlichtbefragung der Bevölkerung in den Städten und größeren Orten des Landkreises sollen bis zur Auftaktveranstaltung am 30. September abgeschlossen sein. Es folgen dann die Erarbeitung der strategischen Markenbasis in diversen Workshops, die dann bis Endes des Jahres Ergebnisse vorlegen sollen. Mit Beginn des Jahres 2012 geht man dann an die Visualisierung der neuen Marke Nürnberger Land (Design, Logo), um dann direkt die Entwicklung des neuen Vermarktungskonzepts in Angriff zu nehmen.

„Das brauchen wir, wenn der Landkreis auf Dauer erfolgreich sein will“, betonte Hölzel, der den Kreisräten weiter deutlich machte, dass es darum gehe, unter der neuen Dachmarke die vorhandenen Kräfte zu bündeln, die Zukunftsfähigkeit der Region zu sichern, die spezifischen Leistungen, Erlebnisse und Werte darzustellen, ein unverwechselbares Bild für den Landkreis zu erzeugen und Wettbewerbsvorteile durch eine starke gemeinsame Kommunikationsplattform zu schaffen. Gleichzeitig müsse aber klar sein, dass man dafür entsprechende Mittel einplanen müsse.

Landrat Armin Kroder bekräftigte Hölzels Ausführungen und stellte fest, dass die Marke Nürnberger Land noch griffiger werden müsse. Als einzige Gebietskörperschaft in der Region führe man auch den Namen der Metropolregion und darin liege ein großes Potenzial, das man nützen müsse. Kroder machte dem Kreistag und den Bürgermeistern des Landkreises deutlich, dass man seitens des Landratsamtes bei diesem Prozess auf einen kritischen Dialog angewiesen sei „und wir freuen uns darauf“.

Tourismuskonzept

Auch für die Entwicklung des Tourismuskonzeptes hat man sich mit der Agentur „inspektour“ aus Hamburg professionelle Unterstützung gesichert. Bernd Hölzel zeigte sich überzeugt, dass dies ein Konzept wird, das geeignet sei, den Tourismus grundlegend anzugehen.

„Wir wollen kein neues Gutachten, sondern Leistungsbringer, Verantwortungsträger und die Bevölkerung mit einbeziehen.“

Derzeit werden die Zielvereinbarung und die Analyse der Ausgangssituation erarbeitet. Bis zum Jahresende will man dann die strategische Ausrichtung erarbeiten und mit Beginn des neuen Jahres an die Maßnahmen- und die Umsetzungsplanung gehen.

Mit der Agentur wurde vertraglich vereinbart, dass die Umsetzung sechs Monate lang begleitet wird. Schwerpunkte des touristischen Marketingkonzepts sieht Hölzel in der Entwicklung von Profilthemen (Produktlinien), dem Vertrieb (Katalog und Onlinebuchung) sowie der Entwicklung eines Kommunikations- und Werbemittelkonzeptes. Weiter geht es um die Entwicklung von Möglichkeiten der Neukundengewinnung, die Bewertung der touristischen Organisationsstrukturen und dem Auftritt vor Ort sowie die Beurteilung der Budget- und Personalplanung.

Integriertes Klimaschutzkonzept

Gute Nachrichten hatte er zum Integrierten Klimaschutzkonzept: die beim Bund beantragten Fördermittel werden genehmigt, was bedeutet, dass der Landkreis zu den veranschlagten Kosten von insgesamt 120.000 Euro einen Zuschuss von 65 Prozent (70.000 Euro) erhält. Der Landkreis erfülle alle Voraussetzungen. Das Antragsverfahren, so Hölzel, sei aber alles andere als einfach gewesen, nachdem auch von wissenschaftlicher Seite die Förderwürdigkeit unter die Lupe genommen wurde. Aber auch diese Hürde habe man gemeistert.

Nun könne der Landkreis auf der Basis des von der Verwaltung vorgeschlagenen Leistungsverzeichnisses in die Ausschreibung gehen. Die Vergabe soll noch vor der Sommerpause durch den Umweltausschuss erfolgen.

Zielsetzungen sind die von Weltklimarat, Europäischem Rat, Bundes- und Landesregierung geforderte Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasemissionen auf die kommunale Ebene des Landkreises herunterzubrechen und durch Maßnahmenvorschläge zu konkretisieren. Weiter will man die Energiekompetenz im Landkreis als Schlüsselqualifikation für einen modernen Wirtschaftsstandort weiter ausbauen und das regionale Wertschöpfungspotenzial – man rechnet mit rund 120 Millionen Euro – aktivieren.

Ideenforum

Im Blick hat man in der Kreisentwicklung auch den demografischen Wandel, zu dessen Bewältigung Bernd Hölzel ein Ideenforum vorschwebt. Dieses Forum soll zu diesem Dauerthema neue Impulse geben, damit nicht jede Gemeinde für sich das Rad neu erfinden muss, sondern von best-practice-Beispielen profitieren kann.

Hier werden der Landkreis und der Kreisverband des Bayerischen Gemeindetages eng zusammenarbeiten. Bernd Hölzel: „Wir planen keine akademischen Höhenflüge, sondern Praktikables.“ Als Stichpunkte nannte er die Themen Wohnen, Nahversorgung und Wirtschaft. Landrat Armin Kroder erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Fachkräftemangel, dem man wirksam begegnen müsse.

Kreisrätin Dr. Lydia Hufmann-Bisping dankte Hölzel für seinen fundierten Fachvortrag. Im Hinblick auf das Tourismuskonzept appellierte sie bei den Betroffenen dafür, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. „Wir brauchen für den Bereich des Landkreises keine kleinen Tourismuskonzepte, sondern den großen Wurf.“ Gerade deswegen sei eine enge Abstimmung unerlässlich. „Miteinander und nicht gegeneinander“ müsse die Devise sein. Eine Bündelung der Kräfte bringe bessere Resultate.

Auf dem richtigen Weg

Ihre Kollegin Dr. Ulrike Eyrich pflichtete ihr bei und betonte, dass man auf dem richtigen Weg sei, auch was das Integrierte Klimaschutzkonzept betreffe. „Wir müssen die Energiekompetenz, die wir haben, sinnvoll nützen.“ Bürgermeister Klaus Falk aus Ottensoos plädierte dafür, die Planungshoheit in der Hand der Kommunen zu belassen. „Nur so gibt es verträgliche Lösungen“, war seine Meinung. Reichenschwands Bürgermeister und Kreisrat Bruno Schmidt warnte davor, dass der Landkreis die gesamttouristische Arbeit übernehme. Es gehe um die Dachmarke, unter der sich die einzelnen Bereiche auch in Zukunft vermarkten können. Landrat Armin Kroder brachte es so auf den Punkt: „Wieviel Kirchturmdenken erlauben wir uns und wieviel Leuchtturmdenken gönnen wir uns. Struktur- und Namensdebatten sind immer hoch spannend. Wir brauchen auf jeden Fall einen Namen, den die Menschen kennen und mögen.“

 




Kommentare

Wolfgang Schröpfer, Hersbruck, 05.07.2011 11:53:
kein leserbrief

Grundsätzlich ist es natürlich sinnvoll eine Dachmarke zu schaffen. Das geht aber nur, wenn es genügend große Gemeinsamkeiten gibt. Vor allem muß die Dachmarke stärker sein, als die Untermarken, sonst macht es keinen Sinn. Logischerweise ist es also für eine potentiell starke Untermarke wie "Hersbrucker Schweiz" schlecht, wenn sie von einer noch zu schaffenden Marke "Nürnberger Land" überstrahlt wird. Außerdem wird ja zur "Region der vielen Namen" durch die Schaffung eines neuen Namens erstmal nur ein weiterer Name hinzugefügt. Also wird die Verwirrung erstmal nur größer. Vielleicht ist das alles also nur Aktionismus, wobei die Landkreisverwaltung glaubt, etwas machen zu müssen, um Argumente für die Wiederwahl zu bekommen. Außerdem darf man sich fragen, wie die Identität gestärkt werden soll, wenn man Agenturen aus Kronach oder gar Hamburg beteiligt. Hat man keine Werbefachleute im ganzen landkreis gefunden, denen man das zutrauen könnte, oder hat man gar nicht erst gesucht?

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