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Lokales PZ
06.05.11 18:51 Uhr

Das Modernste für die Kleinsten

Von: Julia Ziegler

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten, und so hat auch der ungewöhnliche Leinburger Krippen-Neubau für Diskussionen gesorgt. Die Kinder aber, die vor einer Woche hier eingezogen sind, fühlen sich pudelwohl. Fotos: Ziegler
Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten, und so hat auch der ungewöhnliche Leinburger Krippen-Neubau für Diskussionen gesorgt. Die Kinder aber, die vor einer Woche hier eingezogen sind, fühlen sich pudelwohl. Fotos: Ziegler
Die Kombination aus runden und eckigen Formen sowie jede Menge Tageslicht sorgen im inneren der „Niere“ für eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Davon konnten sich die Besucher bei der Einweihung selbst überzeugen.
Die Kombination aus runden und eckigen Formen sowie jede Menge Tageslicht sorgen im inneren der „Niere“ für eine Atmosphäre zum Wohlfühlen. Davon konnten sich die Besucher bei der Einweihung selbst überzeugen.

LEINBURG — Die Gemeinde Leinburg nennt ab sofort eines der architektonisch modernsten Gebäude im Nürnberger Land ihr Eigen: die neue Kinderkrippe. Die ungewöhnliche Nierenform und das Flachdach hatten für Diskussionen gesorgt, am Tag der Einweihung aber überwog eindeutig die Freude. Zeitgleich wurde der generalsanierte Kindergarten direkt nebenan wieder eröffnet.

Angefangen hat alles mit einer Hand voll Staub. Staub, in den sich die Ziegel des evangelischen Kindergartens verwandelt hatten. Doch mit einer Dachrenovierung war es nicht getan: Das Haus musste, wie sich schnell herausstellte, komplett saniert werden. Nach ausführlichen Beratungen im Rat der Pfarr- sowie dem der politischen Gemeinde beschloss man außerdem, eine neue Krippe für 24 Kinder auf dem Grundstück neben dem Kindergarten zu bauen.

Nach neun Monaten Bauzeit, während der die Kinder in der alten Schule untergebracht waren, sieht der Kindergarten nicht nur aus wie ein Neubau, sondern wird auch in puncto Energieeffizienz modernsten Anforderungen gerecht. Die neue Krippe ist eine reine Holzkonstruktion aus heimischen Fichten, sie ist schadstofffrei und fast CO2-neutral. Beide Gebäude werden von einer gemeinsamen Pelletsheizung versorgt und eine Solaranlage erzeugt Strom, von dem sogar noch ein Teil ins Netz eingespeist werden kann. Außerdem sind beide Häuser komplett barrierefrei.

Holz statt Stein

„Warum kein fränkisches Giebeldach? Nun, dazu hätten wir Steinwände bauen müssen. Und da wir bei der Eröffnung unseren Posaunenchor hören wollten, wollten wir das nicht riskieren“, sagte Pfarrerin Christiane Schlenk. Auf die fragenden Mienen der Ehrengäste hin erklärte sie scherzhaft: „Nun, das mit Posaunen und Steinwänden ist ja schon einmal schiefgegangen: Vor 3500 Jahren in Jericho.“

Die Idee für den nierenförmigen Flachdachbau entstammt der Fantasie des verantwortlichen Architekten Klaus Thiemann. An umarmen und umarmt werden habe er dabei gedacht, erklärte er bei der Eröffnung. Evelyn Kittel-Kleigrewe, die beim Landratsamt für die Kinderbetreuungseinrichtungen zuständig ist, sah die runden Formen des Hauses als gutes Omen, dass hier „nicht nur im rechten Winkel gedacht“ werde.

Die Kinder jedenfalls fühlen sich sehr wohl, „sie kommen jeden Tag hier herein und strahlen“, berichtete die Leiterin der neuen Krippe, Stefanie Waitz. Zwölf unter Dreijährige sind bereits vergangenen Montag eingezogen, weitere zwölf folgen im September – und damit ist die Krippe dann auch ausgebucht. „Wir sind voll bis unters Dach. Ach nein, Moment, ein Dach haben wir ja nicht“, flachste Waitz.

Landrat Armin Kroder, aus dessen Mund die Formulierung „eines der modernsten Gebäude im Landkreis“ stammt, lobte den Leinburger Gemeinderat und die Verwaltung für die erfolgreiche Umsetzung des insgesamt 1,2 Millionen Euro teuren Projekts Kindergarten und Krippe. „Ihre Unterstützung war großzügig, ja, großartig“, bedankte sich auch Pfarrerin Schlenk bei Bürgermeister Joachim Lang und Hauptamtsleiter Robert Zürl.

Zwar ist die evangelische Kirche Träger von Krippe und Kindergarten, doch den Segen spendeten gleich drei Geistliche: Neben Pfarrerin Schlenk und Dekan Jörg Breu war auch der katholische Pfarrer Hermann Plank gekommen, der fast ein bisschen bedauerte, „nie in den Genuss zu kommen, hier ein eigenes Kind herzuschicken“.




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