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Lokales PZ
16.09.10 10:36 Uhr

Hat der Planer falsch kalkuliert?

Von: Tina Chemnitz

Tristesse auf der Schnaittacher Freibad-Baustelle. Foto: Dupke
Tristesse auf der Schnaittacher Freibad-Baustelle. Foto: Dupke

SCHNAITTACH — Die Sanierung des Schnaittacher Freibads hat die Mitglieder des Marktrates schon einige Nerven gekostet. Mit den baulichen Mängeln hat sich bereits der TÜV Rheinland befasst (wir berichteten). Nun hat die Marktgemeinde außerdem den Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband beauftragt, zu prüfen, wie die Mehrkosten von rund 300 000 Euro entstanden sind und ob das Planungsbüro hier richtig kalkuliert hat.

Die Mängel, die bei den Arbeiten entstanden sind, haben Marktrat, TÜV und Planer bereits durchgesprochen. Punkt für Punkt wurde geklärt, wer die Kosten für welche Nachbesserungen übernimmt.

Beispiel Schwimmerbecken: Die Baufirma hatte bei den Spachtelarbeiten nicht sorgfältig genug gearbeitet und muss die Ausbesserungen deshalb selbst tragen. Beispiel Sprungturm: Um die Überlaufrinne um das Becken zu verlegen, hatte die Baufirma in den Betonfuß des Turmes gebohrt und damit dessen Statik zerstört. Nun müssen Stützeisen eingezogen und -betoniert werden. Auch das trägt die Baufirma.

Der Bauherr, die Stiftung „LebensWerte Schnaittach“, muss dagegen die Nachbesserungen am Nichtschwimmerbecken bezahlen. Hier hatte man versucht, mit dem günstigeren Einkorn-Beton zu arbeiten, der sich im Nachhinein aber als zu grobkörnig erwiesen hatte, um darauf die Folie verlegen zu können.

Zurzeit sind die Baufirmen mit diesen Arbeiten beschäftigt. Spätestens bis Anfang Oktober sollen die Folien in den Becken verlegt werden, „dann wäre das Schlimmste erst einmal geschafft“, sagt Bürgermeister Georg Brandmüller.

Nun gilt es aber noch ganz andere Fragen zu klären: Wie sind die Mehrkosten von rund 300000 Euro entstanden und hat der Planer vielleicht von Anfang an zu knapp kalkuliert, um den Auftrag für das Schnaittacher Bad überhaupt zu bekommen? Dies zu klären wird nun die Sache des Kommunalen Prüfungsverbandes sein.

Die Kommune als öffentliche Hand ist verpflichtet, bei der Ausschreibung für die Sanierung den günstigsten Anbieter zu wählen. Das war damals im Jahr 2007 das Ingenieurbüro Güthler, das die Kosten für Sanierung und Umgestaltung auf brutto 1,5 Millionen Euro geschätzt hatte. Doch nun ist man schon bei 1,8 Millionen Euro angelangt. „Wer bei einem solchen Projekt nicht mit Mehrkosten um die zehn Prozent rechnet, ist reichlich blauäugig“, weiß auch Bürgermeister Brandmüller. Doch hier bewege man sich schon zwischen 20 und 30 Prozent. Liegt diese Preissteigerung noch im planerischen Toleranzbereich?

Eine Frage, die nur ein Fachmann klären kann, glaubt Brandmüller. „Der Prüfer kennt sich fachlich aus und kann sich ganz gezielt mit den einzelnen Maßnahmen befassen. Und wir bekommen dann einen Nachweis, um die Differenzen bei den Kosten belegen zu können.“ So werden nun Ausschreibungsverfahren, Auftragsvergabe, Termine und die Kostenschätzung des Planungsbüros unter die Lupe genommen. Dann wird sich zeigen, wie die Mehrkosten zustande gekommen sind. Durch zusätzliche Aufträge, die vom Marktrat erst nach der ersten Kostenschätzung erteilt wurden, und die allgemeine Preissteigerung seit der Ausschreibung, sagt der Planer. Der Marktrat will dieser Einschätzung nicht folgen.

„Wenn die Zusatzkosten im grünen Bereich sind, bleiben wir auf den Kosten sitzen“, gibt Brandmüller unverhohlen zu und fügt an: „Was bisher am Freibad schon gemacht wurde, können wir nicht mehr ändern, aber die Aufträge, die noch nicht vergeben wurden, werden wir noch einmal auf Einsparpotenziale prüfen.“ Zum Beispiel die Pflasterung um die Becken oder die Arbeiten an den Grünanlagen, die zwar im Angebot eingerechnet sind, aber noch nicht ausgeführt wurden. „Aber die Riesen-Ersparnis wird das auch nicht werden , sagt der Bürgermeister.

Die CSU-Mitglieder im Bauausschuss hatten gegen die Beauftragung des Prüfungsverbandes gestimmt. Das hatte vor allem formale Gründe, wie Fraktionssprecher Johannes Merkel erklärt. Denn der Bürgermeister hatte den Auftrag schon erteilt, bevor darüber im Ausschuss beraten wurde. „Wir glauben nicht, dass diese Sache so dringend war, dass man sie nicht vorher im Ausschuss hätte sachlich diskutieren können.“ Man hätte vorab gerne mehr Informationen gehabt, sagt Merkel – und vor allem Vergleichsangebote von anderen Anbietern. Denn der Prüfungsverband nimmt für seine Dienste 7000 bis 7500 Euro pro Woche. „Vielleicht hätte man das auch günstiger haben können“, so der CSU-Mann.

„Der Verband prüft sowieso alle vier Jahre das gesamte Rechnungswesen der Gemeinden und hätte für das Freibad jederzeit auch eine Sonderprüfung ansetzen können“, antwortet der Bürgermeister darauf. Nun werde dieser Teilbereich eben vorgezogen.

Wie lange der Prüfer braucht, um alle Unterlagen durchzusehen, ist bislang unklar.




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