Bloß nicht baden gehen

SCHNAITTACH — Fast zwei Monate rührte sich nichts mehr auf der Schnaittacher Badbaustelle. Erst seit vergangener Woche sind wieder Arbeiter am Werk. Sie bessern den Beton in den Becken nach. Allerdings scheint jetzt klar, dass es mit der Wiedereröffnung dieses Jahr nichts mehr wird. Das hat mehrere Gründe.
Die Situation um die bisher mit 1,5 Millionen Euro veranschlagte Freibadmodernisierung ist kompliziert. Am klarsten ist noch die Lage bezüglich der Mängel im Beton. Offenbar hatten die Arbeiter unter Zeitdruck im ungewöhnlich langen und harten Winter die Becken betoniert. Das ging schief. Es stellte sich heraus, dass sich Hohlräume und auch Risse gebildet hatten. Dies bessert die Baufirma derzeit nach, auf eigene Kosten, wie Gerhard Bunk vom Bauamt auf Nachfrage bestätigt.
Dazu kommen weitere mögliche Korrekturen, basierend auf Gutachten der Landesgewerbeanstalt (LGA). Bunk nennt zum Beispiel den bisher fehlenden Statiknachweis des Ingenieurbüros für die neue Überlaufrinne. Für die LGA ist auch fraglich, ob die aktuelle Betonschicht des Schwallwasserbehälters dem Chlorwasser langfristig standhält. An den Nachweisen arbeitet derzeit das Ingenieurbüro Güthler, das die Bauleitung hat. Dieses auch wegen der nötigen Besprechungen langwierige Prozedere trägt zur Bauverzögerung bei.
Bürgermeister Georg Brandmüller verteidigt das seit Ende Mai sehr vorsichtige und wachsame Vorgehen stets mit den Worten: „Besser so, als größere Schäden in zwei bis drei Jahren.“ Denn dann müsste der Bauherr, die Stiftung „LebensWerte Schnaittach“, unter Umständen dem Planer oder der Baufirma die Verantwortung für Mängel aufwändig nachweisen. Auch auf den Druck der CSU- und FW-Markträte hin hatte die Verwaltung, wie berichtet, den TÜV und die LGA eingeschaltet.
In der Kritik steht bei all dem seit längerem vornehmlich das Ingenieurbüro. Den Planern wird zudem vorgeworfen, sich angesichts möglicher, aber noch nicht vom Marktrat abgesegneten 350 000 Euro Mehrkosten verschätzt zu haben.
Fraktionsvertreter griffen Güthler an. Die Verwaltung ist da vorsichtiger, räumt aber ein, beim einen oder anderen Punkt „verwundert“ zu sein. Zum Beispiel beim Thema Einkornbeton im Nichtschwimmerbecken, der überspachtelt werden muss, weil darauf keine Folie aufgebracht werden kann. Bürgermeister Brandmüller sagt zu jedem Kritikpunkt, es werde genau geprüft.
Gegenüber der PZ wollte sich Harald Güthler eigentlich nicht daran beteiligen, den Schwarzen Peter hin und her zu schieben. Er sagt dann aber doch, dass die fehlenden Nachweise lediglich eine rein formale Angelegenheit seien, die Statik sei bautechnisch natürlich ausreichend berücksichtigt. Das Problem der Kosten sei komplex. Er müsse aber doch daran erinnern, dass sich die Wünsche „nach mehr Komfort schrittweise entwickelt“ hätten. Die Bausumme von 1,5 Millionen Euro hätte das Bad eigentlich nur technisch und im Kern der Bausubstanz auf den Stand der Zeit bringen sollen, ebenso die Außenanlagen. Ein modernisiertes Bad mit einfachsten Mitteln sei die Vorgabe gewesen.
Erst danach sei das Thema Warmwasser in den Becken und in Duschen dazu gekommen. „Das Problem liegt im Hochbau“, sagt Güthler. Konkret meint er damit das neue, kleine Umkleidegebäude mit Warmwasserduschen im Eingangsbereich, das den Löwenanteil der geschätzten Mehrkosten ausmacht. Eine nicht unwesentliche Rolle spiele auch die lange Zeit, die seit den ersten konkreten Planungen 2007 verstrichen ist, und die Aufteilung in zwei Bauabschnitte, aus denen nun wohl drei werden.
Jetzt sei die konjunkturelle Lage eine andere, manche Gewerke seien schlichtweg teurer. Dennoch sind er und das Schnaittacher Rathaus bemüht, das Projekt ordentlich zu Ende zu bringen. Noch im Juli sollen alle Betonarbeiten abgeschlossen sein, sodass die bereits gelieferte Folie aufgebracht werden kann. Noch offen ist die Finanzfrage, Güthler soll die Mehrkosten und Sparmöglichkeiten den Markträten noch einmal detailliert erläutern. Wann ist noch offen.



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