Ittling: Steinbruch statt Biotop und Kletterfelsen?

HORMERSDORF - Heimische Kletterer fühlen sich vom Landratsamt verschaukelt. Jahrelang mussten sie sich im kleinen Klettergebiet an der Straße zwischen Ittling und Schermshöhe von Felsen mit schützenswerten Tieren und Pflanzen fernhalten. Jetzt aber will der Hormersdorfer Steinbruch just dort hinein erweitern, worüber die Naturschützer bisher die Hände legten. Das Genehmigungsverfahren läuft noch.
Sollte die Erweiterung so kommen wie beantragt, nämlich Schritt für Schritt um bis zu 24 Hektar, dann wäre das gewaltig. Darüber gibt es in den Rathäusern, am Landratsamt und auch bei den Kletterern und Naturschützern keine zwei Meinungen. Denn das entspräche etwa einer Verdoppelung des aktuellen Dolomit- und Kalksteinbruchs Hormersdorf in nordöstliche Richtung.
Barbara Eichler geht es aber weniger darum. Die DAV-Regionalvertreterin für Klettern und Natur in Nordbayern ärgert sich über zweierlei Maß, das in diesem Fall offenbar gilt. »Außer dem Schiepfenstein sollten die anderen Felsen jahrelang nicht beklettert werden, sondern der Natur vorbehalten bleiben», schrieb sie an das Landratsamt, nachdem das Genehmigungsverfahren im September angelaufen war.
Die Kletterer hätten sich an diese, auch im Kletterkonzept »Hersbrucker Alb» festgeschriebene Vereinbarung gehalten. Eichler weiter: »Jetzt, wo es um Gewinne und Profit geht, soll die schöne Naturlandschaft aufgerissen, abgebaut und geschändet werden. Kein Wort mehr zu der schützenswerten Flora und Fauna? Dem Uhu?»
Sie kämpft um Gerechtigkeit, aber auch um den Schiepfenstein, eine für Kletterer attraktive Felskette rechts im Wald, etwa 700 Meter nach Ittling Richtung Schermshöhe. Die Routen, »überwiegend im 8. und 9. Grad», würden verschwinden, zu Schotter verarbeitet. So die etwas emotionale Darstellung. Knapp nicht betroffen wäre der Bernhofer Turm, ein weiterer bekannter Kletterfels.
Die Argumente der DAV-Vertreterin decken sich mit denen des Bundes Naturschutz. Die Kreisgruppe erinnert daran, dass das Gebiet unter Landschaftsschutz steht, zum Naturpark »Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst» gehört und unmittelbar an das geschützte Flora-Fauna-Habitat-Gebiet »Dolomitkuppenalb» angrenzt. Landschaft und Natur müssten dort Vorrang haben, meint der BN.
In dem Steinbruch-Erweiterungsgebiet lägen unter anderem wertvolle Block- und Hangschuttwälder sowie Felsbereiche, Orchideen und zum Teil besonders geschützte Biotope. Es verschwänden Standorte und Lebensräume »einer Reihe gefährdeter oder besonders geschützter Pflanzen- sowie Fledermaus- und Vogelarten. Beispiele sind der Baumpieper, die Goldammer und der Waldkauz».
Wie Peter Gronau, Abteilung Immissionsschutz am Landratsamt, gegenüber der PZ sagt, entsprechen diese Argumente den Bedenken der Unteren Naturschutzbehörde. Einzig weil sie ihr Veto eingelegt hat, dauert das Genehmigungsverfahren noch ein bis zwei Monate. Mit offenem Ende, wie Gronau versichert.
Zu prüfen ist noch, ob und wie der Naturverlust aufgefangen werden kann. Letztlich geht es dabei um die Frage, die die Kletterer stellen: »Warum gilt der Naturschutz für uns, nicht aber für eine Firma, die das Gebiet zerstört?»
Gronau erklärt auf Anfrage der PZ, dass bereits die Regionalplaner vor Jahren diese Fragen des Naturschutzes abgewogen und geklärt hätten. Deshalb sei das geplante Erweiterungsgelände Vorrangfläche, was der BN aber nur für den Randbereich gelten lässt. Jetzt wird noch einmal neu geprüft, weil sich am 1. März das Naturschutzgesetz geändert hat. Laut Gronau kommt nun außer einem Ausgleich vor Ort, der wohl unmöglich wäre, auch eine Ersatzmaßnahme andernorts in Frage.
Bis Mai will seine Abteilung eine Entscheidung fällen. Vorher wird es auch noch ein Gespräch mit Barbara Eichler geben.



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