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Lokales PZ
14.03.11 17:33 Uhr

Windkraft-Protest trägt Früchte

Von: Michael Scholz

NÜRNBERGER LAND — In der Diskussion um Windkraftstandorte im Regionalplan mischt der Verband die Karten noch einmal neu. Gestern beschloss der Ausschuss aus Landräten und Bürgermeistern, das Nürnberger Land nicht mehr als Modell-Landkreis und damit als Vorreiter zu betrachten. Das bedeutet, dass die bekannten und von vielen Bürgern abgelehnten Flächen zwar noch im Rennen sind, aber nur als Teil einer Gesamtplanung mit allen vier Landkreisen und den vier kreisfreien Städten im Verbandsgebiet.

Der Gegenwind der Bürger und Initiativen war offensichtlich zu stark, um das Nürnberger Land weiter in der Vorreiterrolle belassen zu können. So sagte Matthias Thürauf, der Vorsitzende des Planungsausschusses, in der gestrigen Sitzung einleitend zum Thema Windkraft, dass es sinnvoll sei, „Entlastung vor Ort zu schaffen“. Damit bezeichnete er kurz den Druck, den Bürgerinitiativen, vielerorts unterstützt von Gemeinderats- und Stadtratsbeschlüssen, gegen die bis zu 42 Standorte im Landkreis aufgebaut haben. Unter anderem geht es um den Hienberg, Bullach/Neunhof und den Bereich Ottensoos/Weigenhofen (wir berichteten).

Thürauf und sein Geschäftsführer Thomas Maurer erinnerten aber erneut daran, dass Windräder nach Bundesgesetz nicht grundsätzlich verhindert werden dürfen. Der Planungsverband habe lediglich den Auftrag und die Möglichkeit, genügend sinnvolle Flächen zu benennen, sodass Investoren keinen beliebigen Zugriff mehr auf Standorte haben. Die Windräder sollen an bestimmten Stellen konzentriert werden, statt die Landschaft „zu verspargeln“. Genau dies sollte im Nürnberger Land als Erstes erreicht werden, deshalb sei es vor Jahren zum Modell-Landkreis für das Verbandsgebiet geworden. Außerdem habe es dort zuerst Investorenanfragen gegeben, wie Maurer auf Anfrage der PZ erläuterte.

Doch der anhaltende Protest aus den betroffenen Orten auch direkt gegenüber dem Planungsverband brachte das Thema auf die Tagesordnung einer Sitzung der mittelfränkischen Landräte. Weitere Gespräche brachten die aktuelle Lösung, doch gleich eine Gesamtplanung für das Verbandsgebiet anzustreben. Dabei soll wie im Regionalplan und im Entwurf für das Nürnberger Land nach Vorbehalts-, Vorrang- und auch Ausschlussgebieten unterschieden werden.

Ganz neu ist, dass die kreisfreien Städten Erlangen, Fürth, Nürnberg und Schwabach Standorte bekommen könnten. Eine Rolle sollen zudem Klimaschutzprogramme spielen, wie es der Landkreis Nürnberger Land derzeit erarbeitet, oder Lauf schon beschlossen hat. Landrat Armin Kroder regte in der Sitzung im Nürnberger Rathaus an, dass sich die Kommunen und Kreise hier absprechen. Nach dem einstimmigen Beschluss pro Windkraft-Gesamtplanung dankte er „herzlich für das gemeinsame Vorgehen“.

Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly merkte auch an, dass es der Bevölkerung im Nürnberger Land nicht zu vermitteln gewesen wäre, wenn zuerst nur sie in der Industrieregion Windradstandorte ausgewiesen bekommen hätte. Jetzt allerdings müssten im Gesamtgebiet auch wirklich Flächen gefunden werden. Ausdrücklich lobte er Offenhausen für seine beschlossene „Windparkzone“.

Nach der Sitzung waren die Windradgegner zufrieden mit der Entscheidung. „Das haben wir durch unseren Druck erreicht“, sagte zum Beispiel Peter Kraus aus Osternohe, einer der Sprecher der zahlreichen Initiativen, die seit einer Weile landkreisweit zusammenarbeiten.




Kommentare

Peter Weidner, Neunhof, 29.03.2011 07:50:
Zum Beitrag von Matze Rensle:
Das Problem ist mehrdimensional und deshalb wohl so schwer zu verstehen. Einmal der Abstand zur Wohnbebauung, der nicht unter 1000m, besser bei mehr als 1500m liegen sollte. Die 1500m sind nicht durchsetzbar, weil dann in der Region wahrscheinllich keine Windräder gebaut werden könnten. Zweitens wird niemand ernsthaft bezweifeln, dass am gewählten Standort auch Wind wehen sollte. Im Stadtgebiet von Lauf gibt es zwei Gebiete, für die Windkraft zugelassen sind, an beiden Standorten weht nach Gutachten - das die Stadt Lauf erstellen ließ - in einer Nabenhöhe von bis zu 150m nicht ausreichend Wind, um die Wirtschaftlichkeitskriterien nach dem Erneuerbaren Energie Gesetz zu erfüllen. Windräder in dieser Dimension die dann bis zu 100m Rotordurchmesser hätten, würden nur ca. 35% des Referenzenergieertrages erzeugen. Leider regelt sich das durch die Subventionspolitik nicht automatisch. Wie der Investor öffentlich geäußert hat, braucht er keinen Wind. Warum? weil sich mit Emmissionsrechten, Abschreibung, Bürgerwindrädern, abgeschalteten Anlagen und Einspeisevergütung bei Überangebot von Strom auch Geschäft machen lässt.
Matze Rensle, Lauf, 20.03.2011 22:55:
Frau Thom,
was ein Windrad mit einem AKW zu tun hat, wollen sie wissen?
Ganz einfach! Beide produzieren Strom, den wir Alle hier brauchen. Ohne Strom läge weder morgens die PZ im Briefkasten, noch könnten Sie Kommentare auf N-Land.de posten.
Aber wichtig ist doch nicht die Gemeinsamkeit sondern der Unterschied.
Das AKW stellt im Falle eines Unfalls eine Gefahr für mehrer Millionen Menschen dar, ein 250m Windrad im Falle eines Umfalls(!) für niemanden, der auf sich aufpasst.
Aber eine Frage drängt sich mir noch auf:
Es muss doch einen Ort geben, wo der Bau eines Windrads kein Problem darstellen sollte. Ein Ort, weit genug weg von Wohngebieten aber trotzdem in Exponierter Lage. Am besten noch in der Gemarkung Lauf.
Der Galgenberg liegt auf knapp 400m Höhe. Da hat Lauf doch besseres zu bieten. Wie wäre es zum Beispiel mal zwischen Neunhof und Günthersbühl. Schön entfernt von den Orten. Vielleicht findet sich hier ein Windkraftfreund der auch dort zufällig Grundstücke hat, die er vielleicht hergeben würde? Wer weiß.
Um wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen. Ich denke die Diskussion beginnt schon wieder zu Emotional zu werden. Trotz der schrecklichen Vorkommnisse in Japan auf der einen Seite und den Sorgen der betroffenen Bürgern auf der anderen Seite, muss es doch möglich sein, hier eine Diskussion auf sachlichem Niveau führen zu können. Wir sind doch alles erwachsene Menschen, oder?
Eine Frage zum Schluss. Mit den Beschlüssen des Stadtrats und der Regionalplanung gegen Windkraft und die Vorreiterstellung des Nürnberger Lands müsste doch jetzt jegliche Diskussionsgrundlage genommen sein, oder?
margrit thom, simmelsdorf, 18.03.2011 12:24:
Lieber Herr Bischoff,

mit Interesse las ich Ihren Bericht, aber mir drängt sich da eine Frage auf :
Warum sollen Monster-Windräder in die Landschaft gestellt werden, wenn Sie ökologisch und ökonomisch keinen Sinn machen, wenn z.B. der Wind zur Stromerzeugung gerade in Bayern nicht ausreicht? Und warum sollen nicht in ganz
Bayern die, wie Sie es nennen, "grünen Denkmäler" aufgestellt werden, wenn schon ökologisch/
ökonomisch egal, sondern nur im Nürnberger Land ?

Sie können versichert sein, daß die Nicht-Befürworter von
Windkraft ihre Hausaufgaben gemacht haben und sich nicht aus Jux und Dollerei den Angriffen ihrer Mitbürger aussetzen
und sich unbeliebt machen.

Kommen Sie doch mal zu einer Informationsveranstaltung zum
Thema Windkraft. Wird in den nächsten Wochen in den geplanten Gebieten stattfinden
(Datum wird noch bekannt gegeben )

Ich würde mich freuen, wenn Sie kommen würden.

Gruß
Margrit Thom
margrit thom, simmelsdorf, 18.03.2011 12:14:
Lieber Herr Schneider,
was hat ein Windrad mit einem Atomkraftwerk zu tun?
Wer will das schon ? Es geht um Abstände zu den Wohngebieten. Sie haben nicht geschrieben, ob Sie in der Nähe eines "geplanten" Windrades schon wohnen oder handelt
es sich hier lediglich um einen unbebauten Bauplatz ?
Ich finde es absolut in Ordnung, wenn Sie kein Problem damit haben, neben einem Windrad von 230m Höhe zu wohnen.
Oder ist das geplante Windrad kleiner?

Wir sollten damit anfangen, Windrad- und Atomkraft-Diskussionen zu trennen.

Das führt zu nichts.

Vielleicht haben Sie ja Interesse, an einer geplanten Informationsveranstaltung zum Thema Windenergie teilzunehmen. Datum steht noch nicht fest, aber es wäre schön, wenn Sie kommen würden.


Schönes Wochenende
Margrit Thom
thoma schneider, Lauf, 17.03.2011 22:34:
Liebe Frau Thom,
dass Sie neben ihren Wohnort kein Windrad haben wollen kann ich ja verstehen.
Aber wollen Sie lieber Ein Atomkraftwerk?
Wählen Sie doch.
Im übrigen habe ich in der Nähe (ca 1000m) neben einen geplanten Windrad einen Bauplatz und trotzdem bin ich für dieses geplante Windrad.
margrit thom, simmelsdorf, 17.03.2011 18:48:
Jawohl, genauso habe ich mir eine sachliche Diskussion über Pro und Contra Windkraft vorgestellt.Das ist genau das, was wir jetzt brauchen.
Endlich haben die Befürworter einen Aufhänger (Japan)
gefunden, um auf die Nicht-Befürworter einzudreschen.
Pfui !

Wenn sich jemand so sehr ein Windrad wünscht, sollte er es
sich vor die eigene Haustür stellen, vorausgesetzt der Nachbar ist damit einverstanden und der Mindestabstand
von 400 m gewährleistet. Gerade genug für ein Windrad mit 230 m Höhe oder ?

Genau darum geht es den Nicht-Befürwortern nämlich : Um
genügend Abstand zu den Wohngebieten. Was ist daran falsch
zu verstehen ?
Wie weit entfernt wohnt denn so ein Befürworter von den geplanten Standorten Simmelsdorf/Diepoltsdorf/Osternohe/
Neunhof?
Ach so, viel mehr als 400 m. Dachte ich es mir doch.

Langsam kann ich es nicht mehr hören :
Da die guten Befürworter -
Da die bösen Nicht-Befürworter

Das ist mir zu simpel. Ganz Ehrlich.

Erst einmal informieren und dann argumentieren.

In diesem Sinne
Peter Kraus, Osternohe, 17.03.2011 15:29:
Anmerkung zum Text von Frau Franziska Huber :

Mit der Aussage in Ihrem letzten Satz haben Sie doch tatsächlich "den Nagel auf den Kopf getroffen". Zum restlichen Inhalt -- kein Kommentar --
Peter Weidner, Neunhof, 16.03.2011 17:12:
Ob Windradgegner wirklich Lobbyarbeit betreiben? Ich glaube nicht dass das unser Thema ist, und dass wir eine Lobby haben wäre mir auch neu. Dagegen werden von Seiten der grünen Politiker in Lauf die Karten in guter Lobby Arbeit pro Windkraft gezinkt. Im Klimaschutzkonzept von Lauf beispielsweise werden Energiewerte für die vorgeschlagenen Anlagen angegeben, die um den Faktor 3 höher sind, als mit dem bei uns vorkommenden Wind möglich. Und das selbst bei den als Potential angenommenen wahnwitzigen Anlagenhöhen. Japan lehrt uns vor allem eines: Die Technik muss sicher sein und es müssen jetzt auch die undenkbaren Szenarien mit einer veränderten und höheren Wahrscheinlichkeit als bisher angenommen werden. Dafür muss die Sicherheit der AKW´s neu bewertet und einem Stresstest unterzogen werden. Was hat das mit Windkraft im windschwachen Neunhof zu tun? Mit Windkraft lässt sich das Energieproblem nur dort (teilweise) lösen, wo auch hinreichend Wind weht. Und das ist unser Thema!
Werner Bischoff, Nrnberg Fischbach, 15.03.2011 20:32:
Es ist schon sehr bedauerlich was hier gerade zu diesem Thema abgeht. ( ... Anm. d. Redaktion: Bitte keine Beleidigungen, diese werden von der Redaktion gelöscht.)
Wir brauchen diese Windräder als ein weit sichtbares Zeichen der ökologischen Wende, ob sie öko-logisch oder ökonomisch einen Sinn machen spielt hier keine Rolle. Es ist auch mir bekannt, daß durch diese Windräder kein Atomkraftwerk ersetzt wird. Wir müssen aber ein Zeichen setzen!! Wenn der Widerstand in Lauf gebrochen ist, können ohne größeren Widerstand in ganz Bayern diese Denk-mäler grüner Energiepolitik aufgebaut werden. Ich bin überzeugt, daß die Windkraftgegner endlich aus den betauer-lichen Vorfällen in Japan lernen und sich nicht weiter der Zukunftsenergie Windkraft verschliesen. Ihre Kinder werden es Ihnen danken.
Franz Huber, lauf, 15.03.2011 19:03:
Hallo Windratfreunde,
ihr nutzt also die schrecklichen Ereignisse tatsächlich für Euere Zwecke aus. Ich finde das sehr respektlos. Besser wäre es an die Geschädigten zu denken, als wütende Kommentare zu schreiben.
Das Windrad bei Neunhof wird kein Atomkraftwerk ersetzen, leider. Auch 10 Stück im Stadtgebiet nicht.
Deshalb die Bitte: denkt endlich mal über das Windrad nach und informiert Euch !!!
Sämtliche Argumente gegen dieses Windrad werden von Euch vollkommen ignoriert.
Dafür dass es Atomanlagen gibt, können Windkraftgegner auch nichts. Das hat eine andere Generation verbrochen.
P.S. Haben die Leute, die an die nächste Generation eigentlich selbst Kinder ?
Hr. Bisping hat so viel ich weiß keine !

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