Aktuell am Samstag, 31.07.2010 12:24 Uhr

KontaktImpressumSitemap

Lokales HZ
09.03.10 00:00 Uhr

Monster der Alb oder schöne Windräder?

Von: Hersbrucker Zeitung

WALLER (jr) - Für das neue Windrad mit seinen 125 Metern Nabenhöhe und den jeweils 45 Meter langen Rotoren am Rande von Waller hat Werner Graf nur eine Bezeichnung: „Monster “. Der Sprecher einer Bürgerinitiative schlägt Alarm. Der Grafenbucher Forst soll mit weiteren 15 Anlagen in dieser Größenordnung „bestückt “ werden.

Laut Informationen der Bürgerinitiative „Gegenwind Jurahöhe “ sind in den oberpfälzer Gebieten Amberg-Sulzbach, Neumarkt und entlang der Autobahn A6 rund 120 Windkraftanlagen zur Stromerzeugung „im Gespräch “ oder „projektiert “. Dazu kommen weitere 15 nahe Engelthal, Offenhausen, Schupf und Eismannsberg (bei Altdorf). 19 ganz unterschiedlich hohe weiße Türme stehen in diesem Bereich schon.

Werner Graf und seine Mitstreiter wenden sich entschieden gegen die Errichtung weiterer „Windmühlen “. Ihr Hauptargument lautet, dass der Wind in Süddeutschland im Vergleich zum hohen Norden viel zu schwach sei. Experten meinen, dass die Windräder bei uns 1200 Meter hoch sein müssen, um die gleiche Effizienz wie an den Küsten zu erreichen, sagte Werner Graf. Deshalb dienen selbst große Anlagen wie bei Waller kaum zur Deckung des Strombedarfs.

Die Windkraft rechnet sich bei uns auch für die Umwelt nicht, betonte Graf. Denn so genannte „Schatten-Kraftwerke “ mit Kohle oder Öl müssen in Reserve bleiben. Deren Stand-by-Modus, das rasche Hochfahren beziehungsweise der Betrieb bei Flaute verschmutzen die Luft und tragen zur Klimaerwärmung bei.

Siebenfache Leistung

Ganz anders ist die Ansicht der Freystadter Firma SRE, die die Anlage bei Waller aufgestellt hat. Auf ihrer Internetseite heißt es, die Leistung von solch weit über 100 Meter hohen Modellen habe sich im Vergleich zu kleineren Anlagen „versiebenfacht “. Die jährliche Stromerzeugung allein des ersten Projekts im Grafenbucher Forst betrage etwa fünf Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Werner Graf und seine Bürgerinitiative weisen auf weitere Auswirkungen der „Monster “ hin: Sie stören ihrer Meinung nach die Harmonie der Landschaft, beeinträchtigen den Tourismus, drehende Rotoren erzeugen ständige Unruhe, Grundstücke in der Nähe verlieren erheblich (30 Prozent und mehr) an Wert, Infraschall, Disco-Effekt bei Sonne, Feuergefahr durch Blitzeinschlag und mehr.

Für den Grafenbucher Forst hat auch die Möglichkeit von „Eisabwurf “ von den „Windmühlen “ Bedeutung. Schließlich ist das Gebiet ein Langlauf-Dorado und welcher Wintersportler will sich schon „bombardieren “ lassen...

Nach Recherchen der Bürgerinitiative sind im Bereich Engelthal/ Offenhausen bis zu 15 neue Windanlagen geplant. Gelder sind vorhanden, weil die Einspeisevergütung für regenerative Energien dank der staatlichen Förderung hoch ist und beim Bürger „grüne “ Investitionen derzeit als „in “ gelten. Die Kommunen können bei den Standorten der Rotorträger mitreden, auf die Höhe haben sie keinen Einfluss.

Engelthals Bürgermeister Günther Rögner sagte gegenüber der
HZ
, dass die Gegend um Peuerling als Standort für Windkraft-Gewinnung diskutiert wurde. Seinen Informationen zufolge kommt es aber nicht zu einer Ausweisung von Flächen. Der Gemeindechef trauert dem nicht nach. Er möchte lieber die Landschaft erhalten. „Ein über 100 Meter hohes Windrad am Engelthaler Nonnenberg wäre vermutlich noch von Hersbruck aus zu sehen “, veranschaulicht Günther Rögner seine Haltung.

Schupf und Klingenhof

Anders sieht es möglicherweise in Offenhausen aus, wo weitere Anlagen gebaut werden sollen. Interessant für Investoren ist anscheinend das Gebiet um Klingenhof. Bei Schupf wurde vor Jahren schon ein Areal projektiert. Die zuständige Gemeinde Happurg erhielt Anfragen von Interessenten, konkret getan hat sich nichts.

Der Grafenbucher Forst gehört dem Freistaat Bayern - die Bürgerinitiative um Werner Graf hofft hier auf Proteste der Anwohner, um weitere „Monster “ zu verhindern. Eine alternative Strategie wäre das Auffinden einer seltenen Vogel- oder Fledermausart. In dem Fall würde der Schutz der Tiere Vorrang vor der Nutzung der Windkraft haben.

In Lauf unterstützt Bürgermeister Benedikt Bisping (Grüne) den Bau von Windrädern. Drei sind bei Weigenhofen möglich, eines südöstlich von Bullach und eines zwischen Bullach und Neunhof. Für Letzteres gibt es inzwischen eine konkrete Voranfrage, die dortigen Anwohner scheinen großteils einverstanden.

Bei einer Veranstaltung der ÖDP in Heuchling (Pommelsbrunn) fanden sich die Befürworter der Windkraft, auch unter den Landwirten zusammen. Motto dort: „Schöne Windräder — gesunde Landwirtschaft. “




Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.

Kommentare

Keine Anmerkungen

Anmerkung hinzufügen

* - Pflichtangabe

Hinweis: Die Kommentare können auch als Leserbrief in den drei Heimatzeitungen veröffentlicht werden.
Anonyme Kommentare werden gelöscht - unabhängig von ihrem Inhalt. (Anm. d. Redaktion).

*
*


*

*
*

Link zur Startseite Der Bote Link zur Startseite Pegnitz-Zeitung Link zur Startseite Hersbrucker Zeitung Link zur Homepage N-land.de