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Lokales DB
10.08.10 17:25 Uhr

Mindestens 1500 Meter Abstand gefordert

Von: Martina Rüsing

WEISSENBRUNN – Das Thema Windkraftanlagen bei Weißenbrunn mobilisiert die Bürger: Der Andrang bei der Gemeinderatssitzung war so groß, dass manche Zuhörer die Diskussion stehend verfolgen mussten. Am Ende sprachen sich die Gemeinderäte nicht gegen die Windräder aus, sie fordern allerdings einen Mindestabstand von 1,5 Kilometer zum Wohngebiet.

Der Planungsverband der Industrieregion Mittelfranken plant derzeit eine Änderung des Regionalplans und dabei die Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen im Nürnberger Land, unter anderem oberhalb von Weißenbrunn. Die vorgesehene Fläche (WK 33 genannt) würde Platz für vier bis fünf Windräder bieten – und das bei einem Abstand von 750 Metern bis Weißenbrunn und 500 Metern von Klingenhof und Raschbach.

In Weißenbrunn formierte sich daraufhin eine Bürgerinitiative, die dagegen protestiert und bislang über 400 Unterschriften sammelte. Nach ihren Erkenntnissen sind bereits drei Anlagen mit einer Höhe von 180 Metern geplant. Eine erste Anliegerversammlung mit einem Planungsbüro  hat bereits stattgefunden.

Die Bürger weisen auf die ihrer Ansicht nach zu geringen Abstandsflächen zu den Wohngebieten hin. Sie fürchten negative Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität, außerdem einen Wertverlust ihrer Immobilien und eine Beeinträchtigung des Orts- und Landschaftsbildes.

Die Initiatoren der BI sind sehr aktiv: Sie informierten die Gemeinderäte über die Unterschriftenaktion, übersandten die gesammelten Listen an den Planungsverband, verbunden mit der Forderung nach einem Mindestabstand von 1500 Meter zur ersten Wohnbebauung. Sie vereinbarten Termine mit Landrat Armin Kroder und Landtagsabgeordnetem Kurt Eckstein und machten ihre Argumente in Schreiben an die Fraktionen des Kreistages, potenzielle Projektbetreiber und die Mitglieder des Planungsausschusses deutlich. Außerdem reichten sie eine Petition beim Landtag ein und sind mit den BIs in Osternohe, Ottensoos, Schönberg, Bullach und Hormersdorf vernetzt. „Wir sind keine Windkraftgegner“, betonen sie. Es gehe um ausreichende Mindestabstände.

Viel Gegenwind

Das verdeutlichten sie auch in einem längeren Gespräch mit Leinburgs 1. Bürgermeister Joachim Lang. Er lobte in der Gemeinderatssitzung die Sachlichkeit und Ehrlichkeit der Bürgerinitiative und räumte ein: „Ich hätte nicht gedacht, dass hier so viel Gegenwind kommt.“ Man werde die Ängste der Bürger nicht übersehen und nicht gegen den Willen der Bevölkerung entscheiden. Daher sprach sich Lang für einen Standort aus, der möglichst wenige Beeinträchtigungen mit sich bringt.

Große Hoffnungen setzt er auf eine Petition, die derzeit im Bundestag parlamentarisch geprüft wird. Darin werden verbindliche Mindestabstände zur Wohnbebauung für die neue Generation von Windkraftanlagen auf der Grundlage neuester Schallimmissions-Untersuchungen gefordert. Windkraftanlagen müssten dann mindestens 1500 Meter Abstand zur nächsten Wohnbebauung haben, und es müsste mindestens ein Abstand der zehnfachen Gesamtanlagenhöhe eingehalten werden.

Der Leinburger Bürgermeister machte aber auch deutlich, „dass man bei der Energiepolitik umdenken muss. Wir brauchen einen gesunden Mix“.
Am 10. Mai hatte sich der Gemeinderat erstmals mit dem geplanten WK 33 beschäftigt. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden im Landkreis sprach sich eine Mehrheit von 12:9 für eine positive Stellungnahme zu dem Vorranggebiet aus. Aufgrund des Widerstands im Landkreis hat der Planungsverband inzwischen die Frist für Stellungnahmen bis Ende September verlängert. Das gibt den Leinburgern die Möglichkeit, ihre Haltung zum Regionalplan noch zu ändern oder zu ergänzen. Richard Kohler (FWG) bekräftigte seine Meinung vom Mai. „Wir sind in einer Zeit, in der man alternative Energien braucht“, sprach er sich für die Windräder aus.

Margit Dickas (FWG) schloss sich der Forderung nach einem Mindestabstand von 1500 Metern an. Wenn Windkraftanlagen eine optisch bedrängende Wirkung wie am vorgesehenen Standort haben, könne man sie ablehnen. Weißenbrunn sei ein touristisches Gebiet, meinte sie und wies auf das Naturbad hin, das man sanieren möchte, den Zeltplatz und die Naherholungsfunktion. Generell hält sie die Frankenalb für diese erneuerbaren Energien für nicht geeignet. „Hier sind die Orte zu dicht beieinander.“ Sie bekam Beifall der Zuhörer für ihren Vorschlag, den Beschluss vom Mai „im Interesse der Einheit unserer Gemeinde“ zu ändern.

„Die Abstände passen nicht“, stellte CSU-Fraktionsvorsitzender Konrad Ringel fest. Auch Oskar Perl (SPD) sprach sich für die Forderung nach mindestens 1500 Metern zur Wohnbebauung aus. „Der Wille der Bürger ist in den Vordergrund zu stellen.“
Der Gemeinderat habe im Mai aufgrund des nahen Frist-Endes sehr schnell entschieden, meinte Jutta Helmreich (SPD) rückblickend. „Wir müssen daraus lernen und uns vorher schlau machen, was wir da beschließen.“ Windkraft sei wichtig, aber nicht so nah an den Häusern.

Wildwuchs verhindern

Gerhard Pfeiffer (SPD) erinnerte an die Zielsetzung des Regionalplans. Durch die Ausweisung von Vorranggebieten möchte man einen Wildwuchs von Windkraftanlagen verhindern. Ansonsten wären Windkraftanlagen als privilegierte Vorhaben überall dort im Außenbereich möglich, wo öffentliche Belange nicht entgegenstehen.

Geschlossen stimmte der Gemeinderat schließlich für eine Ergänzung der bisherigen Stellungnahme, in der man einen Mindestabstand von 1500 Metern fordert. Möglicherweise sind unter dieser Vorgabe Windräder auf der Fläche bei Weißenbrunn nicht mehr realisierbar.

Die Forderung der Gemeinde Leinburg ist allerdings nur ein Signal an den Planungsverband, der letztlich entscheidet. „Unsere Einflussmöglichkeiten sind begrenzt“, ist sich Matthias Hummel (SPD) im Klaren.




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