Eschenau feiert seinen "Superstar"

ESCHENAU - Opulenter Augen- und Ohrenschmaus in der Fastenzeit mit passendem Thema: Die »Musical Family» hat am Wochenende »Jesus Christ Superstar» in der Mehrzweckhalle in Eschenau gezeigt. 70 Akteure, drei Chöre und ein zehnköpfiges Orchester verwandelten das kultige Musical von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice in ein mitreißendes Spektakel, das die an allen drei Tagen ausverkaufte Halle zum Rocken brachte. Fortsetzung folgt am 12., 13. und 14. März.
Ganz klar, gegen diese Musik ist einfach kein Kraut gewachsen. Obwohl fast 40 Jahre alt, sind die Songs von Webber auch heute noch echte Ohrwürmer, Klassiker, wie sie nur wenige Musical-Produzenten hervorgebracht haben. Die Mischung aus groovigem Rock, Pop und Folk, die »Jesus Christ Superstar» ausmacht, ist zeitlos gut.
Selbst die ruhigen Songs wie die Liebesballaden der Maria Magdalena (wunderbare Stimme und überzeugend im Auftritt: Kathrin Knauer) oder die Soloauftritte von Jesus (mit Gefühl und Leidenschaft: Udo Reinhart), Judas (temperamentvoll: Nico Schnurrer) und Pilatus (glaubwürdig: Holger Pampel) überschreiten nie die Schwelle zum Kitsch. Kein Wunder also, dass die »Musical Family» – das Laienensemble rekrutiert sich vor allem aus Eckentalern – nach »Joseph» und »Die Schöne und das Biest» auf diesen eingängigen Stoff zurückgegriffen hat, auf der Wunschliste hatte er schon länger gestanden.
Dabei bewiesen die Regisseure Karl-Heinz Müller und Gudrun Höhn, die seit vielen Jahren miteinander arbeiten, wieder gutes Gespür für die Umsetzung: Massenszenen wie die von Jesus mit seinen Anhängern, bei der die Akteure durch den Saal auf die Bühne ziehen, das letzte Abendmahl im Kreise der Jünger, die Auseinandersetzung mit Pilatus und dem Volk und die realistische Kreuzigungsszene zum Schluss (bei der es ganz still wurde im Saal) verlangen nämlich durchaus Fingerspitzengefühl für Choreografie und Dramaturgie – und das bei den beschränkten Mitteln in einer Mehrzweckhalle.
Doch bei »Jesus Christ Superstar» stimmt alles: Das dezente Bühnenbild, wie die Kostüme von Mitgliedern des Vereins entworfen und gestaltet, die Beleuchtung, die Auswahl der Darsteller und Sänger und der Sinn für die Intention des Stückes, das trotz aller Leichtigkeit und musikalischer Verspieltheit ja eine ernste Thematik hat: die letzten sieben Tage im Leben des Jesus, der bei Webber und Rice auch Mensch sein darf, mit Gefühlen, Zweifeln und Ängsten.
Udo Reinhart, bisher neben Walter Friedl für die musikalische Ausgestaltung zuständig, schlüpfte diesmal auch selbst ins Kostüm. Als Jesus überzeugte der leidenschaftliche Chorleiter nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch und wie Judas stilecht mit langem Haar.
Überhaupt scheinen alle Akteure gewachsen zu sein nach zwei großen Produktionen (und mehreren Monaten Proben für das aktuelle Stück). Kaum Lampenfieber war zu spüren, obwohl die Sänger und Darsteller Laien sind. Spaß und Freude dagegen schon, nicht nur bei den hübschen Charleston-Tänzerinnen in der wunderbaren Slapstickszene mit Herodes (stimmlich stark: Hans-Jürgen Steiger), auch beim Chor und der professionell agierenden Band unter Walter Friedl, der zwischendrin auch mit Saxophon und Klarinette den Ton angab.
Eine gelungene Inszenierung mit viel Schwung, nach der man am gleichen Abend noch im Plattenschrank nach dem lange nicht gehörten Soundtrack des Musicals sucht, um zu später Stunde noch mal reinzuhören. Das Publikum sah es ähnlich: »Hosanna Hesanna» intonierten die Akteure bei der Schlussszene und der ganze Saal sang und klatschte mit.
Isabel Krieger


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